Blick über die Märkte vom 23. November 2020

Lockdown-Maßnahmen lassen Europas Wirtschaftsaktivität spürbar abflachen.

Wochensicht

Noch ein Monat bis Weihnachten und drei Tage bis Thanksgiving. Dass die Menschen dies- wie jenseits des Atlantiks in Coronazeiten anders einkaufen als sonst, zeigen sowohl der boomende Onlinehandel als auch der teils existenzbedrohte stationäre Handel. So dürfte der Black Friday diese Woche zum "Cyber" Friday mutieren - eine Rolle, welche die Onlinehändler eigentlich für heute in einer Woche vorgesehen haben: Cyber Monday. Während in den USA angesichts weiter fast ungebremst steigender Infektionszahlen diese Woche weit weniger Menschen zu den üblichen Familienfesten reisen dürften, dürfen sie in Europa noch hoffen. In Deutschland wollen Bund und Länder am Mittwoch das weitere Vorgehen in Sachen Covid-19-Einschränkungen beraten - wobei eine Verlängerung der Schließung von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen bis zum 20. Dezember im Gespräch ist. Aber es ist Rettung in Form von Impfstoffen in Sicht.

Nicht nur, dass heute Morgen auch noch AstraZeneca mit seinem Oxford-Impfstoff als dritter vielversprechender Kandidat positive Testergebnisse meldet, vielmehr wird der zeitliche Horizont in Sachen Corona-Impfstoffen immer klarer: Die US-Regierung geht davon aus, dass bereits am 11./12. Dezember mit den ersten Impfungen begonnen werden kann. In Großbritannien soll eine Zulassung bereits in dieser Woche möglich sein und Impfungen möglicherweise bereits Anfang Dezember anlaufen. Und in Deutschland sollen die neuen Impfzentren Mitte Dezember einsatzbereit sein. Indes hängt der europäische Wiederaufbaufonds angesichts des Vetos von Polen und Ungarn gegen den neuen EU-Haushalt weiterhin fest - und in den USA läuft weiter ein Hick-Hack um ein erst einmal kleineres weiteres Fiskalpaket, das die Trump-Regierung unter Verwendung von nicht genutzten Hilfsgeldern der Fed in Höhe von 580 Milliarden US-Dollar als Teil eines neuen Hilfspakets vorschlug. Die Demokraten wollen allerdings weiterhin ein größeres Paket, und Joe Bidens Übergangsteam bezeichnete die andauernde Blockade der Trump-Administration als „zutiefst verantwortungslos". Immerhin drängen mittlwerweile immer mehr Republikaner Donald Trump dazu, seine Niederlage endlich einzugestehen und die Amtsübergabe einzuleiten.

Angesichts fortgesetzter Lockdown-Maßnahmen hat sich gerade Europas Wirtschaftsaktivität spürbar abgeflacht. So sieht beispielsweise das französische Statistikamt einen Rückgang in unserem Nachbarland von Oktober auf November um -10 Prozent . Laut den heute Morgen veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes sank auch die Unternehmensstimmung in Frankreich mit seinen früheren und härteren Einschränkungen vor allem im Dienstleistungsbereich mehr als in Deutschland, wo sie in der Industrie im November sogar fast stabil blieb. Dennoch nimmt der Pessimismus im Euroraum insgesamt jetzt wenig überraschend zu - was sowohl für das Verbrauchervertrauen als auch am meisten für zahlreiche Dienstleistungsbranchen gilt. In den USA blieben die Konjunkturdaten dagegen robuster, auch wenn Einzelhandel und Industrie im Oktober nur noch leicht steigende Trends meldeten. Als wesentliche Stütze für die US-Konjunktur erweist sich zudem der nach wie vor starke Immobilienmarkt. Unterm Strich bleibt es dabei, dass China derzeit die wichtigste Lokomotive der Weltwirtschaft ist, gefolgt von den USA und mit etwas Abstand Europa.

Deutschlands Lockdown-Light wird trotz möglicher weiterer Einschränkungen wohl kein harter Lockdown werden – insbesondere nicht für weite Teile der Wirtschaft. Wir rechnen bei weiteren Einschränkungen damit, dass die Industrie und soweit vertretbar auch möglichst viele Dienstleistungsbereiche von neuen Einschränkungen verschont bleiben. Damit sollten die Börsen zwar kurzfristig volatil bleiben, aber lange nicht mehr so wie im März beim ersten Lockdown-Beschluss – bevor die Schwankungen dann in den nächsten Monaten auf ein normales Maß zurückgehen sollten.  Doch dies ist voraussichtlich nicht die einzige wichtige politische Entscheidung in Europa diese Woche. Denn in ihrer ersten Hälfte sollten auch die Brexit-Verhandlungen – unserer Meinung nach am ehesten mit einem mageren Deal – enden, zumindest wenn es nach dem Willen des EU-Parlamentes geht. Denn dieses benötigt wohl bis Donnerstag den Vertragsentwurf, um bis zum Ende der Transformationsphase am 31. Dezember alles in die Wege zu leiten. Parallel dazu kommt nächste Woche eine Flut wichtiger Makrodaten: Zum einen steht in Deutschland morgen das Ifo-Geschäftsklima das Stimmungsbild der Unternehmen an, bevor am Donnerstag auch noch das GfK-Konsumklima veröffentlicht wird. Das deutsche Daten-Highlight ist aber morgen die erste Schätzung des Bruttoinlandsproduktes im 3. Quartal. Für den gesamten Euroraum steht zudem am Freitag das Wirtschaftsvertrauen im November auf der Agenda. In den USA kommt morgen das Verbrauchervertrauen für November – bevor am Mittwoch die zweite Schätzung der Wirtschaftsleistung im 3. Quartal zusammen mit Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter kommt.

Empfehlungen 

Unsere Anlagestrategie bleibt auf Diversifikation ausgerichtet, wobei unserer jetzt noch leicht konstruktiven Aktiensicht weiter diversifizierende Anlageformen wie US-Staatsanleihen und Gold als Empfehlungen gegenüber stehen. Aktienseitig bleiben wir für die Schwellenländer und jetzt nach der weitgehenden amerikanische Wahlentscheidung auch wieder für die USA optimistischer als für Europa. Damit gewichten wir Aktien nun noch etwas höher als zuvor. Unsere strukturellen Branchenfavoriten bleiben Gesundheit und Technologie.

Auch auf der Rentenseite werden wir im Gegenzug noch etwas vorsichtiger, bevorzugen aber in Europa weiterhin hochverzinsliche Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen. Zudem setzen wir unverändert auf US-Staatspapiere sowie Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Alternative Investments wie beispielsweise Gold, auf das wir ebenfalls weiterhin setzen, werden zur Diversifizierung von Portfolios immer wichtiger.

Markttechnik

Nach einer kleinen Verschnaufpause unternimmt der DAX heute einen weiteren Anlauf in Richtung seiner sehr wichtigen Barriere bei 13.300. Gelingt ihm der bereits mehrmals versuchte Ausbruch über diese Marke nachhaltig, wird ein Angriff auf sein Allzeithoch wahrscheinlich. Nach unten sichern die Bereiche um 12.850 und 12.400 Punkte als Unterstützungsmarken ab.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen verharrt nach ihrer zwischenzeitlichen Erholung, die sie knapp über -0,50% geführt hatte, unterhalb dieser Marke. Damit bleibt sie in ihrer Seitwärtsspanne zwischen -0,2% bis -0.6%. Aus charttechnischer Sicht wird ein erneuter Rückfall in Richtung des bisherigen Allzeittiefs bei -0.86% wahrscheinlich, wenn sie unter diese Spanne fallen sollte.

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