Blick über die Märkte vom 11. Februar 2019

Jahresanfangsrally dürfte nicht ungebremst anhalten

Wochensicht

Sowohl die Aktienkurse als auch die Renditen blieben in der Vorwoche unter Druck. Die Mischung aus schwächeren Konjunkturdaten und einigen Gewinnwarnungen auf Unternehmensseite speziell in Europa bekommt dem Markt nicht. Neben den anhaltenden politischen Risiken rückten speziell die Konjunkturbedenken wieder in den Vordergrund. Zudem steht in den kommenden drei Wochen eine Reihe wichtiger Schlüsseltermine in Sachen "Government Shutdown" (15. Februar), Brexit-Abstimmung (vsl. 26./27. Februar) sowie dem Ablauf des Trump-Ultimatums an China im Handelskonflikt am 1. März an. Für alle drei Themen zeichnet sich noch keine echte Lösung ab. Kommenden Sonntag endet auch noch eine Frist, ob Autoimporte eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen. Sollte Washington dies bejahen, würden höhere US-Importzölle auf europäische Autos wahrscheinlicher.

Anhaltende Abwärtskorrekturen sind ein Grund für de zunehmenden Konjuktursorgen

Die anhaltenden Abwärtskorrekturen der Wachstumserwartungen sind ein Grund für die wieder zunehmenden Konjunktursorgen: Die EU-Kommission senkte ihre Herbstprognose für das Wirtschaftswachstum von 1,9 % auf nun 1,3 % und die für 2020 leicht von 1,7 % auf 1,6 %. Während die meisten Euroland-Frühindikatoren auf Unternehmensseite schwach bleiben, setzte der Einzelhandel im Dezember etwas mehr um als erwartet. Die Industrie produzierte im Dezember in Deutschland, Frankreich und vor allem Italien  weniger als im entsprechenden Vorjahresmonat. Italien rutschte im Schlussquartal 2018 angesichts von zwei Quartalsrückgängen des Bruttoinlandsprodukts in Folge sogar in eine "technische Rezession". Die deutsche Industrie verzeichnete im Dezember sieben Prozent weniger Aufträge, was primär an weniger Großorders lag. Mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag hat die erste wichtige Institution ihre Wachstumsprognose für Deutschland für 2019 auf unter 1 % (auf 0,9 %) gesenkt. Großbritanniens Bruttoinlandsprodukt wuchs im Schlussquartal 2018 mit 1,3 % weniger als im Vorquartal (1,5 %) und auch weniger als erwartet. Dies lag vor allem an rückläufigen Investitionen. Auch die US-Industrie verzeichnete im November etwas weniger Neuaufträge. Nach dem „ISM“-Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank auch der für den Dienstleistungsbereich im Januar leicht. Insgesamt bleibt die amerikanische Einkaufsmanagerstimmung trotz dieser Rückgänge jedoch signifikant optimistischer als in anderen Weltregionen wie Europa oder China.

Weitere Daten unterstreichen diese Woche die moderatere Dynamik der Weltkonjunktur

Diese Woche dürften weitere Daten die insgesamt moderatere Dynamik der Weltkonjunktur unterstreichen. Dies gilt etwa für die die Bruttoinlandsprodukte im Schlussquartal 2018 für Deutschland und Euroland insgesamt (am Donnerstag), die zweite Wachstumsschätzung für die USA sowie Japans Wirtschaftsleistung (ebenfalls am Donnerstag). In Euroland steht zudem am Mittwoch die Industrieproduktion für Dezember sowie am Freitag die Handelsbilanz für denselben Monat auf der Agenda. In den USA werden am Mittwoch die Inflationszahlen und am Donnerstag die Produzentenpreise für Januar veröffentlicht. Am Freitag folgen die Einzelhandelsumsätze und das Michigan-Verbrauchervertrauen für Februar. Inflationszahlen und Produzentenpreise kommen am Freitag auch in China, wo tags zuvor noch die Handelsbilanz – alles für Januar – publiziert wird. Und Japan berichtet über seine Produzentenpreistrends am Mittwoch.

Anlagestrategie

Auf Basis unseres weiterhin negativen Gesamtbildes hinsichtlich Fundamental-, Sentiment- und Risikoanalyse bleiben wir bei unserer vorsichtigen Aktienallokation. Unter den vier Kernregionen sehen wir  Europa aufgrund überwiegend schwacher konjunktureller Frühindikatoren am skeptischsten.

Die Rentenseite gewichten wir unverändert unter. Zu unseren Favoriten gehören kurzlaufende US-Staatsanleihen, kurzlaufende Hochzinsanleihen in Euro sowie Schwellenmarkt-Anleihen in lokaler Währung. Im Euroraum bevorzugen wir weiter Unternehmens- gegenüber Staatspapieren.

Markttechnik

Der DAX fiel weiter und damit unter seine Widerstandszone bei 11.050-11.200 Punkten. Da europäische und amerikanische Schlüsselindizes ihre Zielmarken erreicht haben, wird der Weg zum wichtigen DAX-Widerstand bei 11.700 Punkten steinig. Das mittelfristige Bild bleibt jedoch negativ.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist in ihre Unterstützungszone 0,08-0,10 % gefallen. 0,08 % gelten als "Monsterunterstützung". Fällt diese, wäre technisch ein weiterer Rückgang bis in Richtung -0,20 % realistisch. Nach oben liegt unser mittelfristiges technisches Ziel weiter bei 0,80 %.

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