Blick über die Märkte vom 17. Februar 2020

Weitere DAX-Rekorde trotz wohl durchwachsener Stimmungsdaten?

Wochensicht

Trotz der weiteren Ausbreitung des Coronavirus vor allem in China - weltweit sind bereits über 70.000 Menschen damit nachweislich befallen und fast 1.800 gestorben - eilen die Aktienmärkte von einem Rekord zum nächsten. Losgelöst von absehbaren Wachstumsbelastungen durch die Epidemie vor allem in China blicken die Märkte damit angesichts abnehmender Neuansteckungsraten zunehmend auf die generellen ökonomischen Trends, die intakt bleiben. Zudem ist von chinesischer Seite jetzt mit stützenden Maßnahmen zu rechnen - eine minimale Zinssenkung hat heute Morgen schon mal einen Vorgeschmack darauf gegeben. Zudem hat China seit Freitag seinen Einfuhrzoll auf US-Waren im Wert von jährlich 75 Milliarden US-Dollar gemäß dem Phase-1-Abkommen von Mitte Januar halbiert. In den USA selbst bleibt der Fokus auf den Vorwahlen bei den Demokraten, wo im zweiten Bundesstaat New Hampshire der linksgerichtete Bernie Sanders knapp das Rennen vor dem Iowa-Sieger Pete Buttigieg machte. Richtig spannend wird es aber erst am 3. März. Dann wird nicht nur am sogenannten "Super Tuesday" in 14 Staaten gleichzeitig gewählt. Vielmehr wird dann mit Michael Bloomberg der in den Umfragen derzeit am stärksten aufkommende Kandidat erst ins Rennen gehen. Und in Deutschland bleibt der Fokus auf der "AKK"-Nachfolge an der CDU-Spitze: Friedrich Merz und Armin Laschet gelten vor Jens Spahn als Favoriten und sind dabei, sich nach und nach um das Rennen und damit auch die Merkel-Nachfolge zu positionieren.                           

Während die Quartalszahlensaison insbesondere auf der US-Seite insgesamt ziemlich gut verläuft, bleibt das Konjunkturbild gemischt: Heute Morgen enttäuscht insbesondere Japans um -1,6% niedrigere Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2019  gegenüber dem Vorquartal. Sowohl der Konsum (mit bedingt durch die  Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Oktober) als auch die Investitionen blieben klar hinter den Erwartungen zurück. Ebenfalls enttäuschend fiel das Wirtschaftswachstum in Deutschland wie im gesamten Euroraum aus: So stagnierte die deutsche Wirtschaft im vierten gegenüber dem dritten Quartal angesichts schwächerer Exporte und Ausrüstungsinvestitionen, was sich mit den schwachen Industriezahlen zum Jahresende hin bereits angedeutet hatte. Und im Euroraum wuchs sie dank Ländern wie Spanien oder den Niederlanden immerhin noch um minimale 0,1%, was im Jahresvergleich 0,9% entspricht. Dass die Industrie auch außerhalb Europas zu kämpfen hat, belegt der leichte US-Produktionsrückgang im Januar gegenüber Dezember. Immerhin bleibt in Amerika die Stimmung besser als in Europa - etwa auf Verbraucherseite, wie der laut der University of Michigan im Februar weiter gestiegene Optimismus verdeutlicht. Die weiterhin besseren Konjunkturdaten aus den USA gegenüber Europa belasten zunehmend den Euro - so sank sein Wert in Richtung von nur noch 1,08 US-Dollar - so wenig wie seit gut zweieinhalb Jahren nicht mehr.                                                                                        

Mit den Börsen dies- wie jenseits des Atlantiks raste auch der DAX in den vergangenen Tagen von Rekord zu Rekord. Doch kann das so weiter gehen? – Die anhaltenden Liquiditätswellen der Notenbanken sowie weiterhin fehlende Alternativen ermöglichen grundsätzlich zwar noch weitere Höchststände. Um die Diskrepanz der verhaltenen Stimmung gerade auf Seiten der Industrie zur Hochstimmung an den Börsen zu untermauern, sollten sich Daten wie die Einkaufsmanagerstimmung allerdings dringend verbessern. In Europa und den USA werden die entsprechenden vorläufigen Indizes des Londoner Markit-Instituts für Februar am Freitag veröffentlicht. Für die Verbraucherseite werden am Donnerstag das deutsche GfK-Konsumklima sowie das Verbrauchervertrauen der Eurozone Aufschluss darüber geben, wie sehr der auf dieser Seite noch vorherrschende Optimismus aktuell wirklich ausgeprägt ist. Während morgen die ZEW-Konjunkturerwartungen darüber hinaus Aufschluss über das Sentiment der Finanzexperten für  Deutschland und den Euroraum insgesamt geben werden, kommen für die Eurozone am Freitag auch noch die finalen Inflationszahlen für Januar. Außer den Einkaufsmanagerindizes stehen in Großbritannien der Arbeitsmarktbericht für Dezember sowie die Einzelhandelszahlen im Fokus, und in den USA dominieren daneben das Protokoll zur jüngsten Fed-Sitzung sowie eine Reihe von über die Woche verteilten Immobilienmarktdaten die Makro-Veröffentlichungen.                             

Empfehlungen 

Unsere Aktienstrategie bleibt nach wie vor kurzfristig konstruktiv für Aktien, wobei wir für die USA und längerfristig auch für die Schwellenländer etwas optimistischer als für Europa bleiben. Auf der Branchenseite sind unsere strukturellen Favoriten unverändert der  IT- und der Gesundheitssektor. Zudem empfehlen wir europäische Dividendenaktien. Langfristig sehen wir insbesondere eine steigende Bedeutung von Alternativen Investments.                   

Auch auf der Rentenseite bleiben wir generell vorsichtig und bevorzugen in Europa unverändert Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen. Zudem setzen wir weiterhin auf US-Staatspapiere sowie Anleihen aus Schwellenländern. Alternative Investments werden zur Diversifizierung von Portfolios immer wichtiger. Und Cash bzw. Liquidität gewichten wir angesichts der fehlenden Renditechancen unter.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

Markttechnik

Nachdem der DAX Anfang Februar wieder mit der 13.000er-Marke kämpfte, hat er erneut Kurs in Richtung seines jüngsten Allzeithochs aufgenommen. Gelingt ihm ein nachhaltiger Ausbruch über 13.640, läge das nächste charttechnische Ziel bei 14.400. Unterstützung bietet der Bereich von 12.800-12.900 Punkten.

Nachdem sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bereits von ihren historischen Tiefständen entfernt und dabei auch die Marke von -0,4% übertroffen hatte, ist sie wieder in diesen Bereich zurückgefallen. Die wichtigste nächste Unterstützungszone liegt im Bereich der Tiefstände bei -0,7 bis -0,8%.                                                                            

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