Blick über die Märkte vom 12. August 2019

Ein heißer Börsenherbst steht bevor.

Wochensicht

Bisher haben sich die Finanzmärkte noch nicht von der überraschenden Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China erholt. Die geplante Ausweitung der US-Zölle auf alle Importe aus China sowie Pekings Yuan-Abwertung mit Washingtons Reaktion, China als "Währungsmanipulator" zu brandmarken, haben vielmehr die Gefahr einer Rezession erhöht. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil die Gefahr einer Ausweitung von einem Handels- zu einem Währungskrieg gestiegen ist. Dennoch bleibt eine Rezession nicht unser Basisszenario. Klar ist aber auch: Die Fronten sind in diesem Konflikt zunehmend verhärtet, ein baldiger "Deal" zwischen den beiden Supermächten scheint in weiter Ferne. Nächste Nagelprobe: Washingtons Entscheidung, ob die bis 19. August laufende Ausnahmeregelung, die US-Firmen die Lieferung von Software-Updates auf Huawei-Produkte erlaubt, verlängert wird. Ob dann die Handelsgespräche wie geplant im September fortgesetzt werden, bleibt ebenfalls abzuwarten. Als wäre all das nicht genug, poppt in Europa neben dem Brexit wieder ein zweiter wichtiger Risikofaktor auf - die Stabilität Italiens. Denn in Rom sind nach dem Ausrufen einer politischen Krise durch Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini Neuwahlen im Oktober wahrscheinlicher geworden. Da die EU-Frist für den Brexit bis 31. Oktober läuft, sieht es zunehmend so aus, als ob die politischen Brandherde im Herbst ganz oben auf der Agenda der Börsianer stehen werden.

Die meisten Konjunkturdaten deuten indes weiterhin auf moderatere Wachstumstrends hin: In Deutschland produzierte die Industrie im Juni (wie auch in Frankreich) wie im gesamten zweiten Quartal klar weniger als im Vorjahr, und die Exporte waren jeweils  rückläufig. Zwar kamen etwas mehr Aufträge herein, allerdings nur im Bereich der Großorders. Die Kernaufträge schrumpften hingegen - wie seit Jahresbeginn und seit März verstärkt - weiter. Die britische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal erstmals seit dem Jahr 2012 wieder. Auch wenn dies teils Sondereffekten zuzuschreiben ist: Die Brexit-Saga hinterlässt hier, etwa in Form sinkender Investitionen, klar ihre Spuren. Und in den USA sank auf Basis der Umfrage des Institute for Supply Management (ISM) im Juli nach der Stimmung in der Industrie auch die im Dienstleistungssektor. Sie kühlte sich dort zum vierten Mal in Folge ab, blieb aber wie allerorts optimistischer als in der Industrie. Positive Meldungen kamen hingegen aus Asien: Dort wuchs Japans Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal annualisiert mit 1,8% dank einer überraschend starken Binnennachfrage spürbar dynamischer als erwartet. Und China exportierte trotz des Handelskonfliktes im Juli um 3,3% mehr als im Vormonat, jedoch sanken die Einfuhren zugleich um fast sechs Prozent.                                             

Trumps Zoll-Hammer und Chinas Yuan-Retourkutsche lassen die Börsen wieder stärker schwanken. Diese Nervosität dürfte in erster Linie angesichts der Trumpschen Handelspolitik, möglicherweise auch bald gegenüber der EU, anhalten. Zusammen mit den weiteren politischen Brandherden wie Brexit und Italien gibt es in einem Umfeld wachsender Rezessionsbedenken genug Zündstoff dafür. Konjunkturell spannend wird es diese Woche in Deutschland am Mittwochmorgen, wenn das Statistische Bundesamt die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal veröffentlicht. Im Vergleich zum Startquartal könnte es nicht zuletzt aufgrund von Sondereffekten sogar leicht negativ ausfallen, was für Schlagzeilen sorgen würde. Ansonsten stehen morgen die ZEW-Konjunkturerwartungen für August sowie die finale Juli-Inflation auf der deutschen Agenda. Für die gesamte Eurozone sind die Highlights am Mittwoch die zweite Schätzung der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sowie die Industrieproduktion im Juni, bevor am Freitag die Handelsbilanz kommt. In den USA folgen auf Inflationsdaten morgen am Donnerstag Produktions- und Einzelhandelszahlen für Juli, bevor am Freitag das Michigan-Verbrauchervertrauen die Woche abschließt. In Asien ist die Veröffentlichung der chinesischen Juli-Zahlen für die Industrie und den Einzelhandel am Mittwoch das Highlight.                                           

Empfehlungen 

Die weiterhin nicht überzeugenden Konjunkturperspektiven sowie die politische Unsicherheit unter anderem in Sachen Handelskonflikte sprechen nach wie vor für eine vorsichtige Anlagepolitik. Unser Minuszeichen für Aktien bedeutet allerdings keine starke, sondern nur eine sehr leichte Untergewichtung.                                           

Für die Rentenseite bleiben wir ebenfalls vorsichtig. Zu unseren Favoriten gehören nach wie vor US-Staatsanleihen. Im Euroraum bevorzugen wir weiterhin Unternehmensanleihen guter Bonität gegenüber Staatspapieren sowie Papiere aus Schwellenländern.                                            

 

Markttechnik                

Nachdem sich der DAX an seine Widerstandszone 12.700-12.900 Punkte herangepirscht hatte, hat ihn der sich verschärfende Handelskonflikt wieder auf Talfahrt geschickt. Vergangene Woche hat er seine Unterstützung bei 11.600 Punkten getestet. Es bleibt wichtig, dass diese hält.                

 

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen markierte erneut historische Tiefs im Bereich von -0,6% und damit innerhalb der Unterstützungszone von  
-0,55% bis -0,75%. Für wieder positive Renditen müsste sie den Widerstand bei -0,10% nach oben knacken, wonach es derzeit nicht aussieht.         

 

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