Blick über die Märkte vom 29. Juni 2020

Steigende Infektionszahlen bereiten den Finanzmärkten zunehmend Sorge.

Wochensicht

Während sich die Konjunkturdaten mit der zunehmenden Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten Schritt für Schritt verbessern, bereiten global insgesamt steigende Covid-19-Infektionszahlen den Finanzmärkten zunehmend Sorge. Mittlerweile sind über zehn Millionen Infektionen nachgewiesen und eine halbe Million Menschen an den Virusfolgen gestorben. Das Zentrum der zuletzt fast 200.000 täglichen Neuinfektionen liegt nicht nur in Schwellenländern wie Brasilien und Indien, sondern auch in den USA. Aber auch hierzulande beherrschen bisher lokal begrenzte Ausbrüche die Schlagzeilen. In diesem Umfeld bleibt die weitere Unterstützung von Seiten der Notenbanken wie der Politik für die Konjunkturerholung extrem wichtig. Kein Wunder, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an die EU-Regierungschefs appelliert hat, den geplanten bis zu 750 Milliarden Euro umfassenden Wiederaufbaufonds möglichst noch vor der Sommerpause zu beschließen. Sie kann sich dabei des Rückhalts von Angela Merkel, die mit Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft übermorgen dabei besonders viel Überzeugungsarbeit leisten dürfte, sicher sein. Bereits am 17. Juli findet das nächste Gipfeltreffen statt, bei dem der Fonds festgezurrt werden könnte. Wie sehr die Weltwirtschaft weitere Unterstützung nötig hat, hat vergangene Woche auch die achte Senkung der Wachstumsprognosen des IWF in Folge gezeigt: Er rechnet für 2020 mittlerweile mit einem Einbruch der Weltwirtschaft um -4,9% (Deutschland: -7,8%), gefolgt von einer 5,4-prozentigen Erholung im kommenden Jahr. Für Deutschland geht der Währungsfonds für das Jahr 2021 ebenfalls von einem solchen Anstieg aus.     

Betrachtet man die sehr schnelle Erholung der Einkaufsmanagerstimmung gerade in Europa, könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Unternehmen schon fast wieder zur Normalität zurückgekehrt sind. In Frankreich ist sie im Juni sogar schon wieder über die Expansionsschwelle gesprungen, und auch in Deutschland nahm der Pessimismus schneller ab als erwartet. Allerdings spiegeln diese Umfragen nur die Stimmung diesbezüglich wider, ob sich die Aussichten gegenüber dem Vormonat verbessert haben. Dass die Erwartungen aber steigen, zeigte in der Vorwoche auch das Ifo-Geschäftsklima, dessen Erwartungskomponente spürbar mehr zulegte als die Lagebeurteilung sich verbesserte. Auch das von der EU erhobene Verbrauchervertrauen für die Eurozone hellte sich weiter auf - blieb allerdings im Juni klar unter dem Niveau von vor der Coronakrise. In den USA wurde der fünfprozentige Wirtschaftseinbruch im Startquartal 2020 bestätigt, wobei vor allem der private Konsum einbrach. Auch in Amerika verbesserten sich die Einkaufsmanagerindizes spürbar. Zudem erholten sich die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im Mai gegenüber April bereits deutlich. Die US-Verbraucher hielten sich im Wonnemonat allerdings mit Anschaffungen weiter klar zurück - was für Japan auch entsprechende Einzelhandelszahlen zeigen. Immerhin will die Regierung in Tokio im Herbst ein weiteres Konjunkturpaket auf den Weg bringen. Und Chinas Industriegewinne stiegen im Mai erstmals seit dem Covid-19-Ausbruch wieder an, was als weiteres Signal der Normalisierung im Reich der Mitte gewertet werden darf.

Die Phase der Zuversicht hat die Phase der Hoffnungslosigkeit längst abgelöst. Die Zuversicht dürfte auf Basis von vier Zyklen weiter zunehmen: Die Börsen sind sowohl durch den politischen wie den liquiditätsseitigen Zyklus, die wiederum den Konjunktur- und damit den Gewinnzyklus der Unternehmen endlich wieder vorantreiben, gut unterstützt. Dabei haben die globalen Gewinnrevisionen im Juni die Wende geschafft, und Analysten dürften ihre Schätzungen in den kommenden Monaten überwiegend wieder anheben – soweit eine größere zweite Viruswelle und damit verbundene weitreichende neue Lockdowns ausbleiben. Datenseitig stehen in Deutschland diese Woche nach den Juni-Inflationszahlen heute Nachmittag Einzelhandelsumsätze für Mai sowie am Mittwoch der Arbeitsmarktbericht und die finalen Einkaufsmanagerindizes ebenfalls für den Juni am Mittwoch und Freitag (wie auch in der gesamten Eurozone und den USA) im Mittelpunkt. In der Eurozone werden morgen die Inflationszahlen und die Mai-Arbeitslosenquote am Donnerstag publiziert. In Großbritannien steht morgen zudem das finale Wirtschaftswachstum im Startquartal 2020 auf der Agenda. Zudem läuft am 1. Juli die formale Frist für Großbritannien für eine Verlängerung der elfmonatigen Transformationsphase in Sachen Brexit per 31. Dezember ab. In den USA sind das Verbrauchervertrauen heute Nachmittag,  der morgige „ISM“-Industrieeinkaufsmanagerbericht sowie der Juni-Arbeitsmarktbericht und die Auftragseingänge im Mai am Freitag die Highlights. Zudem stehen am Mittwoch das Fed-Protokoll zur jüngsten Sitzung sowie am Donnerstag die Handelsbilanz für Mai an. Und in China kommen morgen die offiziellen Juni-Einkaufsmanagerindizes und im weiteren Wochenverlauf weitere Stimmungsdaten der Unternehmen. Japan schließlich publiziert in der ersten Wochenhälfte noch Industrie- und Arbeitsmarktzahlen.

Empfehlungen 

Unsere Anlagestrategie bleibt stark auf Diversifikation ausgerichtet, wobei unserer kurzfristig leicht konstruktiven Aktiensicht weiterhin diversifizierende Anlageformen wie US-Staatsanleihen und Gold als Empfehlungen gegenüber stehen. Aktienseitig bleiben wir für die USA und die Schwellenländer konstruktiver als für Europa - wobei wir Europa mittlerweile neutral gewichten. Auf Branchenseite bleiben unsere strukturellen Favoriten unverändert der Gesundheits- und IT-Sektor.

Auch auf der Rentenseite bleiben wir generell vorsichtig und bevorzugen in Europa hochverzinsliche Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen. Zudem setzen wir unverändert auf US-Staatspapiere sowie Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Alternative Investments wie beispielsweise Gold, auf das wir ebenfalls weiterhin setzen, werden zur Diversifizierung von Portfolios immer wichtiger.

Markttechnik

Der DAX pendelt  aktuell um seine 200-Tage-Linie bei 12.156 Punkten. Gelingt es ihm, sich davon nach oben zu entfernen und den Widerstand bei 12.300 Punkten zu knacken, wird ein weiterer Anstieg wahrscheinlich. Gelingt ihm dies nicht und er fällt nachhaltig unter die 200-Tageslinie, würde ein Test der Unterstützung bei 11.200 wahrscheinlicher werden.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen verharrt weiterhin in ihrer Seitwärtszone zwischen -0,6% und -0,2%. Ein Ausbruch über den Widerstand um -0,2% nach oben würde ein mittelfristiges Kaufsignal in Richtung wieder positiver Renditen erzeugen. Die wichtigste technische Unterstützung bleibt bei -0,6%, gefolgt vom Allzeittief bei -0,86%.

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