Blick über die Märkte vom 15. April 2019

Quartalszahlensaison als Nagelprobe.

Wochensicht

Nach Brexit-dominierten Wochen rücken andere Themen in den Vordergrund. Denn mit der weiteren Verschiebung des voraussichtlichen Austrittstermins auf den 31. Oktober hat die EU London weitere Bedenkzeit eingeräumt. Dabei kann das britische Unterhaus mit einer Mehrheit zu einem Austrittsabkommen bis 22. Mai noch die Teilnahme Großbritanniens an den EU-Parlamentswahlen kurz darauf verhindern. Das Thema Nummer eins dieser Tage für die Börse ist China: Nach besseren Stimmungsdaten deuten jetzt weitere Konjunkturzahlen wie die im März deutlich erholten Exporte (+14 %) sowie auch die wieder dynamischer wachsende Geldmenge eine wirtschaftliche Erholung an, die auch dem Rest der Weltwirtschaft Rückenwind verleihen könnte. All dies hilft den Aktienmärkten, ihre jüngsten Kursgewinne zu verteidigen und Negativnachrichten, wie die geplante Einführung von US-Strafzöllen auf EU-Importe in Höhe von 11 Mrd. US-Dollar, zu überkompensieren. Selbst die erneute Senkung der Wachstumsschätzungen des IWF für die Weltwirtschaft in diesem Jahr auf 3,3 % (und für Deutschland auf 0,8 %) belastetet kaum. In diesem Umfeld erholten sich auch die Renditen an den Rentenmärkten wieder.

Mario Draghi ließ nach der EZB-Sitzung durchblicken, dass eine Inflationsrate von über 2 % im Euroraum eine Weile ohne größere Maßnahmen tolerierbar sei. Mit vorläufig 1,4 % im März lag sie aber davon noch ein gutes Stück entfernt. Andererseits deutete er auf Basis der vorhandenen Unsicherheit an, dass die Notenbank sogar noch niedrigere Leitzinsen in Betracht ziehe. Jedenfalls gebe es ausreichend Optionen, sollte sich der Konjunktur- und Inflationsausblick für die Eurozone noch mehr eintrüben.

Mit der in den USA am Freitag mit zwei Banken gut gestarteten und in Kürze auch in Europa anlaufenden Zahlensaison für das erste Quartal 2019 steht den Märkten eine wichtige Nagelprobe bevor. Zum ersten Mal seit vier Jahren rechnet der Konsens global für ein Quartal mit einem leichten Rückgang der Gewinne je Aktie im Jahresvergleich. Gerade angesichts der starken Aktienmärkte sind die Quartalszahlen und noch mehr die Ausblicke der Unternehmen ein wichtiger Test. Die deutlich gesunkenen Markterwartungen sollten zumindest leicht übertroffen werden, um die jüngste Rally zu untermauern. Die Unternehmen werden aber wahrscheinlich erneut vorsichtiger in die Zukunft blicken. An Konjunkturdaten stehen in der Karwoche vor allem die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für April am Freitag an. Sie werden zeigen, ob die zunehmenden Hoffnungen auf einen Handelsdeal zwischen den USA und China schon für eine bessere Stimmung insbesondere auf Seiten der Industriemanager geführt haben. In Deutschland kommen zudem morgen die ZEW-Konjunkturerwartungen und am Donnerstag die Produzentenpreise für März. In Euroland  werden am Mittwoch die finalen März-Inflationszahlen veröffentlicht. In den USA folgen auf die morgige Industrieproduktion im März am Donnerstag die entsprechenden Einzelhandelsumsätze, bevor am Freitag eine Reihe von Immobilienmarktdaten die Woche abschließen. Und in Asien richten sich am Mittwochmorgen alle Blicke auf das Wirtschaftswachstum im Startquartal 2019 sowie die Monatszahlen aus Industrie und Einzelhandel für März.

Empfehlungen  

Die weiterhin nicht überzeugenden Konjunkturperspektiven sprechen unter Berücksichtigung der Erholung der Aktienmärkte seit Jahresanfang nach wie vor für eine vorsichtige Anlagepolitik. Unter den drei oben genannten Aktienregionen sehen wir  Europa unverändert am skeptischsten.

Für die Rentenseite bleiben wir ebenfalls vorsichtig. Zu unseren Favoriten gehören nach wie vor kurzlaufende US-Staatsanleihen sowie Schwellenmarkt-Anleihen in lokaler Währung. Im Euroraum bevorzugen wir weiter Unternehmens- gegenüber Staatspapieren.

Markttechnik

Der DAX hat sich in der Vorwoche über 11.700 Punkten und damit auch über der 200-Tage-Linie behauptet. Aktuell kämpft er wieder mit der 12.000er-Marke. In der derzeit technisch überkauften Situation liegt die nächste wichtige Widerstandsmarke bei 12.400 Punkten.

Nachdem die zehnjährige Rendite für Bundesanleihen unter ihre Unterstützungszone bei 0,08 - 0,10 Basispunkten und sogar in den negativen Bereich gefallen war, ist sie zurück in positivem Terrain. Charttechnisch könnte sie aber kurzfristig weiter unter Druck kommen.

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