Blick über die Märkte vom 24. Juni 2019

Die Konjunkturdaten zeichnen insgesamt ein sich zunehmend stabilisierendes Bild.

Wochensicht

Angesichts von Ankündigungen sowohl von Fed- wie auch von EZB-Seite in Richtung weiterer möglicher Zinssenkungen legten die Aktienmärkte erneut zu. Dabei stärkte die US-Notenbank die Aussicht auf Lockerungsmaßnahmen, sollten sich die konjunkturellen Aussichten nicht verbessern. Zahlreiche Fed-Mitglieder gehen jetzt von ein bis zwei Leitzinssenkungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt bis Jahresende aus. Wir rechnen auf dieser Basis jetzt mit zwei Schritten. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel daraufhin fast auf 2,0 %. Tags zuvor hatte bereits Mario Draghi auf der EZB-Konferenz in Sinatra verlauten lassen, dass neuerliche geldpolitische Lockerungsmaßnahmen bereits bei unveränderten konjunkturellen Perspektiven im Euroraum eingeleitet werden könnten. Eine weitere positive Nachricht für die Märkte gab es in Sachen Handelskonflikt zwischen China und den USA. So wurde das von Donald Trump vehement geforderte Treffen der beiden Staatsoberhäupter am Rande des anstehenden G20-Gipfels bestätigt. Gedämpft wurde die Euphorie allerdings durch einen Zwischenfall im Nahen Osten. Der Abschuss einer US-Drohne durch iranische Streitkräfte stellt eine weitere Eskalation im Konflikt mit den USA dar. In der Folge schnellte der Ölpreis um fünf Prozent in die Höhe. Am Donnerstag wurde ein von der US-Seite bereits geplanter Gegenschlag vermeintlich in letzter Minute abgebrochen. In Großbritannien setzten sich Boris Johnson und Jeremy Hunt im parteiinternen Kampf um den Sitz des Premierministers durch. Ein Sieg des favorisierten Johnson würde das Szenario eines No-Deal Brexits wahrscheinlicher machen.

Die Konjunkturdaten zeichnen insgesamt ein sich zunehmend stabilisierendes Bild. Für die Eurozone wie für Deutschland stabilisierten sich die Einkaufsmangerindizes im Juni. Heute Morgen gab jedoch das Ifo-Geschäftsklima bereits wieder zum dritten Mal in Folge nach, was an schwächeren Erwartungen der deutschen Unternehmen lag. Zuvor hatten sich bereits die ZEW-Konjunkturerwartungen der Finanzexperten für die deutsche Wirtschaft spürbar eingetrübt. Auf Verbraucherseite ließ der Optimismus in der euroraumweiten Umfrage etwas nach. In den USA nahm der Optimismus der Firmen auf Basis mehrerer Umfragen leicht ab. Insgesamt sprechen die Daten weiterhin für eine moderate Wachstumsabschwächung der Weltwirtschaft, jedoch für keinen Einbruch. Die politischen Konflikte, allen voran auf Seiten der Handelspolitik rund um die USA, bleiben aber der wichtigste Risikofaktor für die globale Konjunktur. Hier ruhen die Hoffnungen auf dem politischen Highlight dieser Woche am Freitag und Samstag in Osaka: dem G20-Gipfel, bei dem Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping aufeinander treffen und über eine Lösung ihrer Handelskonflikte sprechen.

Diese Woche stehen in Deutschland nach dem heutigen Ifo-Geschäftsklima am Mittwoch das GfK-Konsumklima sowie am Donnerstag die vorläufigen Inflationszahlen für Juni im Fokus. Die entsprechenden Inflationszahlen für den gesamten Euroraum werden am Freitag veröffentlicht. Zudem ist für den gesamten Währungsraum insbesondere das Wirtschaftsvertrauen am Donnerstag von Bedeutung. In den USA folgen auf das morgige Juni-Verbrauchervertrauen am Mittwoch die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im Mai, bevor am Donnerstag die dritte Schätzung des Bruttoinlandsprodukts im Startquartal 2019 mit Details ansteht. Am Freitag schließen Zahlen zu den Konsumausgaben, den privaten Einkommen, zur Kerninflation sowie das finale Michigan-Verbrauchervertrauen die amerikanische Datenwoche ab. In Asien sind Japans Arbeitsmarktbericht mit Einzelhandels- und Industriezahlen am Donnerstag sowie Chinas Einkaufsmanagerindizes am Sonntag in einer Woche die Highlights.

Empfehlungen  

Die weiterhin nicht überzeugenden Konjunkturperspektiven, die politische Unsicherheit in Europa sowie die Ausweitung in Sachen Handelskonflikten sprechen nach wie vor für eine vorsichtige Anlagepolitik. Unter den drei oben genannten Aktienregionen sehen wir Europa unverändert am skeptischsten.

Für die Rentenseite bleiben wir ebenfalls vorsichtig. Zu unseren Favoriten gehören nach wie vor US-Staatsanleihen. Im Euroraum bevorzugen wir weiterhin Unternehmensanleihen guter Bonität gegenüber Staatspapieren, deren Renditen teils neue historische Tiefstände erreichten.

Markttechnik

Der kurzzeitigen DAX-Erholung auf 12.300 Punkte folgte wieder eine Korrektur, die ihn unter die 12.000er-Marke und in die Nähe der Unterstützungszone bei 11.400 - 11.600 Punkten führte. Die nächsten wichtigen Widerstände liegen bei 12.400 und in der Zone 12.700 - 12.900.    

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen blieb unter Druck und erreichte mit -0,32% einen weiteren historischen Tiefstand. Damit verharrt sie unter dem 2016er-Tief bei -0,19%. Nach oben ist die Zone von 0,08-0,10 Basispunkten der nächste bedeutende Widerstand.               

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