Blick über die Märkte vom 14. September 2020

Finanzmärkte werden wieder risikofreudiger.

Wochensicht

Trotz steigender Corona-Zahlen sind die Finanzmärkte wieder risikofreudiger geworden. Zwar meldete die WHO gestern erstmals weltweit 300.000 Neuinfektionen an nur einem Tag, wobei die stärkere Ausbreitung in Europa (v.a. in Spanien und Frankreich) mittlerweile zu mehr bestätigten Fällen als in den USA führte. Jedoch vertrauen Investoren wie von uns erwartet weiterhin der Politik und den Notenbanken in Sachen Unterstützungsmaßnahmen. So beschloss die EZB am Donnerstag bei ihrer Sitzung zwar keine weiteren Schritte. Ihre Chefin Christine Lagarde machte aber auch klar, dass man dafür bereit ist, wenn es nötig werden sollte. Den zuletzt stärkeren Euro beobachte die EZB aufmerksam, wobei Lagarde gestern bei einer Rede noch klar stellte, dass die jüngste Euro-Aufwertung den expansiven EZB-Maßnahmen den inflationsfördernden Schub genommen habe. Schließlich ist die eurolandweite Inflationsrate im August mit -0.2% erstmals seit 2016 wieder leicht in den negativen Bereich abgerutscht. Deflationsrisiken sieht die EZB aber - aus unserer Sicht mit Blick auf die anhaltende moderate Konjunkturerholung - zurecht keine. In Sachen Neudefinierung des Inflationsziels - wie kürzlich durch die Fed avisiert - will sich die EZB noch Zeit lassen, ließ Lagarde durchblicken. Diese Woche richten sich die Blicke insbesondere am Mittwoch auf ihren Fed-Kollegen Jerome Powell, ob er das neue Fed-Ziel einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% etwa hinsichtlich des Zeitraums und auch möglicher Abweichungen näher definiert. Indes bleiben News zur Impfstoffentwicklung im Fokus der Börse. Dass diese nicht nur für Kursschübe sorgen, zeigte vergangene Woche der Stopp einer der wichtigsten laufenden Studien des Pharmakonzerns AstraZeneca. Bei den Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien gab es indes keine echten Fortschritte - allerdings konnten die Briten ein für sie positiv zu wertendes Freihandelsabkommen mit Japan unter Dach und Fach bringen.rend dagegen leicht rückläufig. Im Zentrum steht hier aber die Hoffnung auf weitere Fortschritte in Sachen Impfstoffe.

Die finalen Wirtschaftszahlen für den Euroraum im zweiten Quartal zeigen einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes zum Vorjahresquartal um -15 Prozent. Dass seither die Erholung voranschreitet, belegen aber diverse Zahlen, unter anderem die im Juli gegenüber Juni um vier Prozent gestiegene Industrieproduktion (in Deutschland ebenfalls um vier Prozent) oder auch die zugleich um fünf Prozent erholten deutschen Exporte. In Großbritannien kletterte die Produktion sogar um gut fünf Prozent. In den USA spiegelt sich die Erholung anders als in Euroland bereits in steigenden Inflationszahlen wider - im August kletterte die Rate auf 1.3 Prozent, ohne die Berücksichtigung von Energie- und Nahrungsmittelpreisen sogar um 1.7 Prozent. In Japan, wo die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau lag, erholte sich  die Industrieproduktion im Juli gegenüber Juni sogar um neun Prozent, und diverse Stimmungsbarometer zeigen auch im Land der aufgehenden Sonne zumindest wieder moderat nach oben.  

Auch wenn die Finanzmärkte primär auf zukunftsgerichtete Indikatoren wie etwa Stimmungsindikatoren schauen, täuschen diese oft über die tatsächlichen Entwicklungen hinweg. Während derzeit gerade viele Unternehmens-Stimmungsbarometer bereits wieder Normalität vorgaukeln, ist die Realität noch lange nicht soweit. Schon daher sollten Anleger diese Woche ein wachsames Auge z.B. auf die weiteren Industriezahlen werfen. Die meisten harten Daten sollten dabei unser Szenario einer U-förmigen Konjunkturerholung bestätigen. Mit diesem Rückenwind – die klare Mehrheit der Makrodaten übertrifft aktuell die Markterwartungen – sollten auch die künftigen Gewinntrends vieler Unternehmen besser als befürchtet bleiben. Zusammen mit dem politischen und monetären Rückenwind sind Risikoanlagen wie Aktien damit nach wie vor gut unterstützt. Die „harte“ Datenwoche geht nach den heutigen Industrieproduktionszahlen für Euroland und Japan morgen mit denen für die USA weiter, wo in der zweiten Woche auch zahlreiche „harte“ Zahlen zum Immobilienmarkt veröffentlicht werden. Weitere wichtige Termine sind die Publikation der Handelsbilanz für Euroland sowie Japan am Mittwoch, die Einzelhandelsumsätze am Mittwoch in den USA und am Freitag in Großbritannien sowie insbesondere der chinesischen Industrie- und Einzelhandelszahlen für den Monat August am Dienstag. Neben wichtigen politischen Themen wie der ersten EU-Parlamentssitzung nach der Sommerpause von heute bis Donnerstag (Hauptthema: EU-Aufbaufonds) sowie den drei Notenbanktreffen in den USA (am Mittwoch) und in Großbritannien sowie Japan (beide am Donnerstag) kommen auch ein paar „weiche“ Daten: Dazu gehören morgen die ZEW-Konjunkturerwartungen und am Freitag das Michigan-Verbrauchervertrauen in den USA.

Empfehlungen 

Unsere Anlagestrategie bleibt stark auf Diversifikation ausgerichtet, wobei unserer unverändert konstruktiven Aktiensicht weiterhin diversifizierende Anlageformen wie US-Staatsanleihen und Gold als Empfehlungen gegenüber stehen. Aktienseitig bleiben wir für die USA und die Schwellenländer optimistischer als für Europa, wobei wir Europa neutral gewichten. Auf Branchenseite lauten unsere strukturellen Favoriten unverändert Gesundheit und Informationstechnologie.

Auch auf der Rentenseite bleiben wir generell vorsichtig und bevorzugen in Europa hochverzinsliche Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen. Zudem setzen wir unverändert auf US-Staatspapiere sowie Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Alternative Investments wie beispielsweise Gold, auf das wir ebenfalls weiterhin setzen, werden zur Diversifizierung von Portfolios immer wichtiger.

Markttechnik

Der DAX hangelte sich vergangene Woche weiter nach oben und hat heute seinen wichtigen Widerstand bei 13.330 Punkten angetestet. Damit hat er die 13.000er-Marke wieder geknackt und hätte bei einem Ausbruch über die genannte Marke charttechnisch Chancen auf ein neues Allzeithoch. Wichtig bleibt, dass die 12.800er-Marke hält, sonst droht technisch ein Abrutschen in Richtung 12.200.

Weiterhin wenig Bewegung gab es bei der Rendite der zehnjähriger Bundesanleihen, die in ihrer Seitwärtszone zwischen -0,6% und -0,2% zementiert erscheint. Ein Ausbruch über den Widerstand um -0,2% nach oben würde ein mittelfristiges Kaufsignal in Richtung positiver Renditen erzeugen. Die wichtigste Unterstützung bleibt bei -0,6%, gefolgt vom Allzeittief bei -0,86%.

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