Blick über die Märkte vom 21. Oktober 2019

Bessere Stimmungsdaten und ein positives Fazit von Mario Draghi.

Wochensicht

In der vergangenen Woche trieben die Einigung zwischen Großbritanniens Premierminister Boris Johnson und der EU bei den Brexit-Verhandlungen sowie die anhaltende Hoffnung auf ein Handelsabkommen zwischen den USA und China die Aktienmärkte zusammen mit einer relativ gut angelaufenen Quartalszahlensaison. Doch der Reihe nach: In Sachen Brexit gab es am Wochenende anders als geplant noch kein grünes Licht vom britischen Parlament. Heute oder morgen soll nun ein weiterer Versuch folgen, den geregelten Austritt zum 31. Oktober zu besiegeln. Im Handelskonflikt scheint China mit den USA nachverhandeln zu wollen - jedenfalls ist es noch alles andere als sicher, dass die beiden Staatspräsidenten Trump und Xi wie anvisiert bei ihrem nächsten Treffen am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels (APEC) in Chile tatsächlich ein substantielles Abkommen unterzeichnen. Und die Berichtssaison lief mit den meisten US-Banken, Netflix oder in Europa mit Firmen wie SAP, ASML oder LVMH gut an. Da in den USA die Analystenschätzungen für die durchschnittlichen Gewinne je Aktie der S&P 500-Firmen im dritten Quartal um 3% gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken sind, dürften diese stark gesenkten Erwartungen wie in den Vorquartalen übertroffen werden können. In Europa rechnen die Analysten für den Stoxx 600-Index dagegen mit einem durchschnittlichen Gewinnanstieg von fast 7%, was trotz des Rückenwinds durch den schwächeren Euro für exportorientierte Unternehmen ambitionierter erscheint. Wachstumsseitig senkte der Internationale Währungsfonds erwartungsgemäß seine weltweite Prognose zum fünften Mal in Folge. Er rechnet jetzt für 2019/2020 noch mit 3,0% bzw. 3,4% Zuwachs der Wirtschaftsleistung. In Deutschland prognostiziert er dieses Jahr nur noch einen mageren halben Prozentpunkt mehr Bruttoinlandsprodukt als 2018.

Dazu passen die im Oktober leicht rückläufigen deutschen Konjunkturerwartungen der Ökonomen laut ZEW-Umfrage. In den USA bestätigte die Fed die nachlassende wirtschaftliche Wachstumsdynamik. Die US-Industrie produzierte im September etwas weniger als im August, und auch regionale Stimmungsindizes trübten sich auf Firmenseite etwas ein. Daneben gaben nach längerem im September auch die  Einzelhandelsumsätze nach. Eine sinkende Dynamik  zeigt auch das chinesische Wirtschaftswachstum im dritten Quartal von nur noch 6,0%. Im zweiten Quartal legte sie noch um 6,2% zu. Sowohl die Industrie, die im dritten Monat in Folge geringere Preise als im Vorjahresmonat durchsetzen konnte, wie auch der Einzelhandel legten im September aber wieder etwas mehr als zuvor zu. Dennoch unterstützen die Zahlen fast unisono die vom IWF reduzierten Wachstumsprognosen.

Diese Woche sind die Makrodaten-Highlights auf Unternehmensseite die Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag sowie das deutsche Ifo-Geschäftsklima am Freitag. Gerade für die deutsche Industrie ist zumindest eine Stabilisierung wichtig, um nicht noch tiefer in den Rezessionsstrudel hineingezogen zu werden. Auch auf Verbraucherseite stehen am Mittwoch Vertrauensdaten für die Eurozone sowie am Freitag das finale Michigan-Verbrauchervertrauen in den USA und das deutsche GfK-Konsumklima an. Damit werden die Ergebnisse der Ifo- und GfK-Umfrage beide am selben Tag veröffentlicht. Neben den Sentimentdaten und den Brexit-Entwicklungen ist die letzte EZB-Sitzung unter der Leitung von Mario Draghi, bevor er den Staffelstab zum Monatswechsel an Christine Lagarde übergibt, das Thema der Woche. Draghi wird dabei wohl ein positives Fazit seiner achtjährigen Amtszeit ziehen – und nochmals eindringlich allen voran Deutschland zu fiskalpolitischen Maßnahmen auffordern. Nur wird Berlin auch dieses Mal seinen Rufen kaum nachkommen. In den USA werden morgen und am Donnerstag neue Zahlen zu Häuserverkäufen zeigen, ob der Immobilienmarkt so stark wie zuletzt bleibt. Wichtig werden zudem die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im September am Donnerstag. Und auf Unternehmensseite nähert sich die US-Berichtssaison ihrem Höhepunkt, während sie in Europa erst richtig ins Rollen kommt.      

Empfehlungen 

Die weiter moderateren Konjunkturperspektiven sowie die politische Unsicherheit gerade in Sachen Handelskonflikte sprechen für eine vorsichtige Anlagepolitik. Unser Minus für Aktien bedeutet keine starke, sondern nur eine sehr leichte Untergewichtung.

Für die Rentenseite bleiben wir ebenfalls vorsichtig. Zu unseren Favoriten gehören nach wie vor US-Staatsanleihen. Im Euroraum bevorzugen wir weiterhin Unternehmensanleihen guter Bonität gegenüber Staatspapieren sowie Papieren aus Schwellenländern.                                   

Markttechnik          

Nachdem der DAX den Widerstand bei 12.150 Punkten geknackt hatte, nahm er auch die 12.500 Punkte und schloss am Freitag nur knapp unter dem wichtigen Widerstand bei 12.650. Heute scheint er diesen zu knacken - gelingt ihm dies nachhaltig, wäre der Weg in Richtung 13.000 frei.

Nachdem sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von ihren historischen Tiefständen erholt hatte, pendelte sie bisher im Bereich zwischen -0,4% und -0,8%. Gelingt der Ausbruch über -0,4%, dann läge der nächste Widerstand auf dem Weg zu wieder positiven Renditen bei -0,10%.

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