Market Flash zum Brexit: Der Ball liegt wieder im Feld der Briten

Wie reagieren die Märkte?

Der Brexit vermittelt bisweilen das Gefühl eines Tennisspiels mit Brüssel, bei dem man im ständigen Wechsel angreift und zurückweicht. Nach den jüngsten Entwicklungen liegt der Ball nun wieder im Feld der Briten. Das Vereinigte Königreich und die EU haben einen weiteren Aufschub des Brexit vereinbart, dieses Mal mit einem längeren Zeitraum und mit mehr Flexibilität.

  1. Ein Brexit-Aufschub „nur so lange wie nötig“ und „höchstens bis zum 31. Oktober“, um die Ratifizierung des Austrittsabkommens zu ermöglichen.
  2. Das Vereinigte Königreich „muss an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilnehmen“. Sollte es dies nicht tun, scheidet es am 1. Juni aus der EU aus.
  3. Das Vereinigte Königreich kann die EU jederzeit verlassen, wenn das Austrittsabkommen im Parlament beschlossen wurde.
  4. Der Europäische Rat bekräftigt abermals, dass das Austrittsabkommen nicht erneut verhandelt werden kann.


Theresa May muss nun mit ihrer eigenen Partei und den anderen arbeiten, um eine Mehrheit dafür zu finden, wie der Austritt des Vereinigten Königreichs die EU von statten gehen soll,. Dies klingt einfach, doch die Premierministerin ist bereits drei Mal gescheitert, und alles, was mit dem Brexit zusammenhängt, war bisher alles andere als unkompliziert.

Wir sprachen bereits über verschiedene Szenarien, die nun eintreten könnten. Aus den jüngsten Gesprächen zwischen Konservativen und der Labour-Partei ging eine „Zollunion 2.0“ als früher Favorit hervor. Diese Lösung weicht jedoch vom aktuellen Austrittsabkommen ab. Sie müsste daher der EU vorgelegt und von ihr ratifiziert werden. Ein längerer Aufschub könnte in mehreren, eingehender zu prüfenden Optionen resultieren, die zu einem weiteren Referendum, einer Parlamentswahl oder einer Vertragsversion führen könnten, die dann dem ursprünglichen Abkommen von Theresa May ähnlich ist. Letzteres erscheint wahrscheinlicher, denn die EU betonte gestern Abend erneut, dass das Austrittsabkommen nicht neu verhandelt werden wird.

In Anbetracht der Aussage Theresa Mays, dass sie als Premierministerin zurücktreten werde, falls ihr Abkommen angenommen wird, könnte dieser Aufschub überdies die Spekulationen um den Kampf um den Parteivorsitz in der Konservativen Partei befeuern.

Überdeutlich ist nach wie vor, dass sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU eine Sache nicht möchten: einen Austritt ohne Abkommen. Hierauf legte sich das Unterhaus in der vergangenen Woche fest, wenn auch nur mit hauchdünner Mehrheit. Die Entscheidung für einen Aufschub zeigt, dass die EU ebenfalls einen ungeregelten Brexit vermeiden möchte. Dies ist in Anbetracht der wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen, denen sich Europa derzeit gegenübersieht, nicht überraschend. Es verdeutlicht anderen Ländern, dass ein EU-Austritt kein einfacher Prozess ist.

Wie reagieren die Märkte?

Die Währungs- und Aktienmärkte waren in den letzten Wochen trotz der anhaltenden politischen Entwicklungen um den Brexit relativ entspannt. Das Pfund Sterling, der beste Indikator für die laufenden Verhandlungen, notiert zum Euro weiter bei rund 0,86. Der britische Aktien-Leitindex FTSE 100 wird weiterhin durch das bislang positive globale Aktienmarktumfeld 2019 getragen.
Obwohl die Märkte den Aufschub mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, waren die Bewegungen seit Mittwochabend unerheblich, weil dies gemeinhin erwartet worden war. Am Anleihenmarkt legten die Renditen auf Staatsanleihen geringfügig zu, und Unternehmensanleihen verzeichneten durch die Nachrichten ein leichtes Plus.

Wir bleiben bei unserer längerfristigen und eher globalen Sicht

Die Marktkommentare der letzten Zeit konzentrierten sich in der Regel auf das kurzfristige „Getöse“, das insbesondere durch die täglichen politischen Entwicklungen um den Brexit bedingt war. Wir legen unser Augenmerk weiterhin auf das globale Umfeld und breiter gefasste Faktoren, die die Märkte beeinflussen, und nicht vorrangig auf den Brexit.