Kryptowährungen: Die zwei Seiten der Medaille

Market Flash April 2019.

Laut einer 2017 veröffentlichten Studie hatten 78,5 % der US-Bürger von Bitcoin gehört, jedoch lediglich 14 % von ihnen jemals Bitcoin besessen. Hervorzuheben ist hier die Kluft zwischen der Kenntnis von Kryptowährungen, die vor allem aus den Massenmedien stammt, und der anderen Seite der Medaille. Ohne in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen, verdient es der Erwähnung, dass Kryptowährungen sowohl eine gute als auch eine schlechte Seite haben.

Eine alternative Absicherung?

Kryptowährungen korrelieren nur wenig mit den Schwankungen der Aktien- und Anleihenmärkte. Aufgrund ihrer hohen, unvorhersehbaren Volatilität sind sie jedoch nicht als Absicherung geeignet. Auch wenn die Anlage in (beispielsweise) Bitcoin die Portfoliodiversifizierung verbessern kann, erscheinen die Kursbewegungen beim digitalen Gold nach wie vor wie eine Achterbahnfahrt.

Daher sind Kryptos nicht für die Portfolioabsicherung gemacht. Doch können sie vor der Aushöhlung der Kaufkraft schützen? In einigen extremen Fällen wie Venezuela und Simbabwe sind staatlich gestützte Währungen in einem Umfeld der Hyperinflation und Korruption eingebrochen. Dies sind nicht die einzigen instabilen Volkswirtschaften, wo die Politik die Landeswährung drastisch deformiert oder extrem entwertet hat. Das Bitcoin-Netzwerk, das ein festgesetztes Angebot hat, ist der Versuch, geldbezogene Themen über ein digitales System anzugehen, das von den Zentralbanken nicht verändert werden kann. Gleichzeitig steckt Bitcoin noch in den Kinderschuhen. Es weist noch eine ganze Reihe von Fehlern auf, wie z.B.langsame digkeiten, begrenzte Verbreitung und Handelsplätze,

Kriminelles Geld?

2013 kamen Kryptowährungen in die Schlagzeilen, als das FBI gegen Silk Road vorging und 144.000 Bitcoins beschlagnahmte. Silk Road war im Darknet der größte Schwarzmarkt für Drogen mit einem weltweiten Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar. Bitcoin wurde wegen der von ihm gebotenen Pseudonymität genutzt, die die Nachverfolgung gelegentlicher Banküberweisungen erschwert. Ein Bitcoin-Nutzer ist jedoch nicht anonym, da er einen Schlüssel (eine Zahlenreihe) nutzt, um von der Blockchain identifiziert zu werden. Die Hauptidee dahinter war der bessere Schutz der Privatsphäre, nicht Geheimhaltung. „Eine private Angelegenheit möchte man nicht der ganzen Welt mitteilen, aber eine geheime Angelegenheit soll niemand anderes erfahren. Privatsphäre ist die Macht, sich in ausgewählten Fällen der Welt zu öffnen“, so Eric Hughes, einer der ursprünglichen Cypherpunks.

Sogar die Abteilung für Terrorismusbekämpfung des Europäischen Parlaments erklärte, dass es nur sehr wenige Beweise für die Nutzung von Kryptowährungen durch Dschihadisten und Rechtsextremisten gibt, da Bitcoin nicht wirklich anonym ist und die Netzwerke von Kryptowährungen zentralisierte „Nadelöhre“ in Form von Handelsplätzen haben. In der Öffentlichkeit bisher weniger bekannt ist die philanthropische Dimension von Kryptowährungen. Im Dezember 2017 spendete der Pineapple Fund, ein von einer anonymen Privatperson geleitetes Projekt, Bitcoins im Wert von 86 Millionen US-$ an 60 Wohltätigkeitsorganisationen.

Ein ungeschütztes System?

Die breite Öffentlichkeit verbindet Kryptowährungen in aller Regel mit illegalen Geschäften und glaubt, dass der Besitz von Kryptobeständen riskant ist. In Wirklichkeit ist die Technologie, die digitalen Währungen zugrunde liegt, sicherer als das gegenwärtig im traditionellen Banking verwendete Verschlüsselungssystem, und mit der Zeit wird es noch schwieriger werden, in die Blockchain einzudringen. Die größte Gefahr liegt im Aufkommen der Quantencomputer (QC), also superschneller Rechner, die den Blockchain-Schutz knacken können. Ein hinlänglich großer QC könnte Kryptobestände ohne Einwilligung der betreffenden Personen weiterverteilen, doch diese Technologie wird erst frühestens 2030 bis 2040 verfügbar sein. In der Zwischenzeit könnte der Bitcoin-Algorithmus verbessert werden, um gegenüber Quantenrechnern sicher zu werden.

Eine Beute für Hacker?

Für die vielen Diebstähle bei Kryptowährungen darf nicht ihr Konzept verantwortlich gemacht werden. Tatsächlich liegt der Hauptfehler bei den Handelsplattformen. Jeder erinnert sich an den Einbruch bei Mt. Gox im Jahr 2014, als Bitcoin im Wert von fast einer Milliarde Dollar gestohlen wurden. Dies war lediglich durch die mangelnde Sorgfalt des Betreibers begründet. Als zentralisierte Schwachstellen sind Kryptohandelsplätze die bevorzugte Beute von Hackern. Es gibt jedoch Lösungen zum Schutz von Geldern, wie z. B. „Kühlraum-Tresore“, mit denen die Anleger ihre Bestände geschützt vor Hackern offline aufbewahren können. Die folgende Übersicht zeigt Hacks und Betrügereien im Kryptobereich im Zeitraum von Juni 2011 bis Juni 2018 und wirft ein Licht auf die Mängel von zentralisierten Handelsplätzen.

Eine Umweltkatastrophe?

Wir legen den Schwerpunkt auf Bitcoin, die Kryptowährung, die am weitesten verbreitet ist und am meisten „gemined“ wird. 2018 verbrauchte das Mining von Bitcoin elektrischen Strom in einer Größenordnung zwischen 56 und 73 TWh. Zum Vergleich: Dies entspricht rund 0,22 % des weltweiten Stromverbrauchs beziehungsweise dem Jahresstromverbrauch von 4,6 Millionen Privathaushalten in den USA. Auf dem derzeitigen Stand ist Bitcoin-Mining eindeutig nicht nachhaltig, insbesondere, da Forschungen nahelegen, dass alleine Bitcoin die Erderwärmung binnen weniger als drei Jahrzehnten auf über 2 °C heben könnte.

Nun, da wir wissen, wie viel Umweltverschmutzung ein Bitcoin verursacht, werfen wir einen Blick auf unsere Banknoten. Banknoten werden aus Baumwolle (nicht Bäumen), einer der am wenigsten umweltfreundlichen Pflanzen, hergestellt. In die Betrachtung einbeziehen müssen wir auch noch tausende von Quadratmetern für Rechenzentren mit Servern für die Betrugserkennung und Abwicklung und sämtliche Kosten im Zusammenhang mit Geldüberweisungen und Sicherheit. Berücksichtigt man auch diese weniger offensichtlichen externen Effekte, gestaltet sich die Lage nicht so einseitig.

Zudem ist Mining eine der wenigen geografisch unabhängigen Tätigkeiten, die sich die günstigste Stromquelle aussuchen kann. Da die Miner ihren Fokus ausschließlich auf Kostenrationalisierung richten, werden sie sich an Orten konzentrieren, an denen das Stromangebot die Nachfrage übersteigt. In Ländern wie China oder Island wird viel Energie aus alternativen Quellen erzeugt. Doch die Batterien sind noch nicht effizient genug, um all diese Energie zu speichern. Dies führt zu einem Verlust. Mining-Erlöse aus ungenutzter Elektrizität können nun als Zuschuss für teure alternative Energievorhaben fungieren und dazu beitragen, dass sie sich in einem kürzeren Zeitraum amortisieren.

Bitcoin, die digitale Leitwährung der Zukunft

Geld in physischer Form ist aufgrund des täglichen Kassensturzes, der Geldtransporte und der Gefahr von Überfällen eine Belastung für Einzelhändler und Bankfilialen. Debitkarten haben diese Probleme bereits teilweise gelöst. Schweden, wo 80 % der Transaktionen über Karten abgewickelt werden, steht kurz davor, eine bargeldlose Volkswirtschaft zu werden. Dies führte zu einem Rückgang bei Verbrechen wie Diebstahl, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Schwarzmarktgeschäften. Aber Sicherheit hat ihren Preis, und dieser Preis trägt viele Namen: Anmeldegebühr, Jahresgebühr, Händlergebühren für Debitkarten. Der Trend zur Bargeldlosigkeit ist ein Geschenk des Himmels für Anbieter wie Visa oder Mastercard, aber er schadet kleinen Händlern und wird die zwei Milliarden Menschen, die kein Bankkonto besitzen, weiter an den Rand drängen. Krypto-Kreditkarten versuchen, das Beste aus beiden Welten zu verbinden, doch ihre Gebühren sind immer noch unerschwinglich.

Da wir nun wissen, warum weder Bargeld noch Kreditkarten erstrebenswert sind, stellen wir uns zwei diametral entgegengesetzte Szenarien vor, bei denen Kryptos aus dem Schatten des Papiergeldes treten. Eine derzeit von der Bank of Japan geprüfte Möglichkeit sieht vor, dass Staaten die Blockchain einführen und eine Digitalwährung der Zentralbanken (CBDC) implementieren. Auch wenn es der krypto-anarchistischen Ideologie zuwiderläuft, könnte eine solche zentralisierte Kryptowährung zum Preis einiger Abstriche bei der Privatsphäre das Wirtschaftswachstum ankurbeln, die Dollar-Abhängigkeit verringern und die Geldpolitik optimieren (bessere Nachverfolgung der Geldmenge). Nach Angaben der Bank of Canada könnte der Austausch des Bargeldes gegen eine CBDC in Kanada und in den USA Wohlfahrtsgewinne von bis zu 0,64 % beziehungsweise 1,6 % bewirken.

Falls Massenüberwachung und Regulierung zu aufdringlich werden, könnten Kryptotransaktionen alternativ als Möglichkeit zur Umgehung der Behörden und zur Wahrung der Privatsphäre dienen. Vielen Kritikern zufolge werden die Wachhunde das niemals zulassen, aber niemand kann das Internet abschalten. In diesem allerdings unrealistischen Fall könnten die Nutzer internationale Geschäfte sicherer tätigen als im elektronischen Zahlungsverkehr und zudem ohne Deckelung, ohne das Risiko des Einfrierens von Vermögen, mit niedrigeren Gebühren und schneller. Und alles ohne eine Verbindung zwischen ihrem Namen und der Transaktion.

Kryptowährungen können manche Mängel von Bargeld und Debitkarten beheben. Nichtsdestotrotz müssen die digitalen Währungen ihre Nutzerbasis erweitern und hierfür müssen sie ihre Probleme mit der Skalierbarkeit lösen. Als der BTC vor einem Jahr auf seinem Allzeithoch stand, überschwemmte eine massive Flut von Transaktionen das Netzwerk. Die Bestätigungszeit stieg ebenso wie die Gebühr stark an und erreichte erstaunliche 55 US-Dollar, um eine Transaktion binnen 10 Minuten zu verarbeiten (gegenüber 0,2 US-Dollar in normalen Zeiten). Dies bedeutet, dass der derzeitige Algorithmus von Bitcoin nicht imstande ist, alle weltweiten Transaktionen zu bearbeiten. Heerscharen von Programmieren arbeiten jedoch an den Beschränkungen bei Gebühren und Volumen und haben bereits einige Fehler ausgemerzt. Beispiele wie das Lightning Network (fast gebührenfreie Beschleunigung von Transaktionen), ein Proof-of-Stake-System (stromfreier Konsensprozess) oder eine harte Abzweigung (Hard Fork/Modifizierung des Bitcoin-Codes zur Erhöhung der Transaktionen pro Sekunde) könnten Kryptowährungen zu brauchbaren Medien für den Handel machen. Vorerst sind Kryptos vorwiegend für große internationale Transaktionen geeignet. Am 16. Oktober 2018 transferierte ein Bitcoin-Nutzer BTC im Wert von 194 Millionen US-Dollar für eine Gebühr von 0,1 US-Dollar. Eine Transaktion, die normalerweise zehntausende von Dollar kosten würde.

Mehr Infos und Grafiken finden Sie in unserem Market Flash.

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