Prognose für den Ölpreis von 70 auf 55 US-Dollar pro Barrel reduziert

Ölpreis sinkt erneut.

Im ersten Quartal 2019 erholte sich der Ölpreis aufgrund der Sanktionen gegen den Iran, der geopolitischen Spannungen und eines günstigen globalen Konjunkturumfelds deutlich. Seitdem hat sich die Lage geändert. Mittlerweile liegt der Ölpreis ungefähr auf dem gleichen Niveau wie zu Beginn dieses Jahres. Die Hauptgründe für diese Entwicklungen sind der negative Verlauf des Handelskrieges zwischen den USA und China und der damit zusammenhängende korrigierte Ausblick für das weltweite Wirtschaftswachstum. Zusammengenommen führen all diese Faktoren zu einem Rückgang bei der Ölnachfrage.

Zielpreis aufgrund des globalen Umfelds auf 55 Barrel reduziert

Das weltweite Wirtschaftswachstum gerät zunehmend unter Druck. In fast allen Regionen sinken die Einkaufsmanagerindizes und senken die Zentralbanken die Zinssätze. Daher haben die Weltbank und der IWF den Ausblick für das weltweite Wachstum nach unten korrigiert.

In ihrem monatlichen Ausblick für den Ölmarkt berichtet die IEA, dass die Daten auf einen möglichen Angebotsüberhang im kommenden Jahr hindeuten. Die Förderung der Nicht-OPEC-Staaten dürfte vornehmlich aufgrund der USSchieferölproduktion um 2,1 Millionen Barrel pro Tag auf 67 Millionen Barrel pro Tag zulegen. Diese Steigerung wird durch die Inbetriebnahme der Cactus-II-Gaspipeline vom Permischen Becken nach Texas unterstützt werden. Zwei weitere Pipelines (EPIC und Gray Oak) sollen ebenfalls noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden und permisches Rohöl an die Golfküste befördern. Die Steigerung der Exporte wird die Steigerung der weltweiten Nachfrage um 1,4 Millionen Barrel pro Tag übersteigen. Mit anderen Worten werden weniger OPEC-Barrel nötig sein, um den prognostizierten Gesamtverbrauch von 101,7 Millionen Barrel pro Tag zu erreichen.

Öl zurück auf dem niedrigsten Preis des Jahres

Dieses Umfeld führte binnen kurzer Zeit zu einem drastischen Rückgang bei Öl in einen Baissemarkt. Zur Bewältigung der Situation einigten sich die OPEC und ihre Verbündeten Ende Juni darauf, die Vereinbarung zur Verringerung der Rohölförderung mindestens bis Ende März 2020 zu verlängern. Bisher zeigte es aufgrund der rückläufigen Nachfrage kaum Wirkung.

Unterdessen prüft Saudi-Arabien Möglichkeiten, den Verfall der Ölpreise zu stoppen. Ein erster Schritt wäre die Sicherstellung dessen, dass alle Unterzeichner der aktuellen Kürzungsvereinbarung sie zumindest einhalten. Anschließend könnten weiter gehende Kürzungen in Erwägung gezogen werden.                        

Wir beließen den Zielpreis zuvor aufgrund einer geopolitischen Risikoprämie, die im Zuge des Konflikts im Nahen Osten stieg, bei 70 US-Dollar. Allerdings dürfte die weltweite Konjunkturabkühlung die Ölnachfrage beeinträchtigen. Dies scheint die stimulierende Wirkung von Lieferunterbrechungen  aufzuwiegen.

Mit der Eskalation des Handelskrieges und den stärkeren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft wird die Nachfrage nach Öl niedriger sein als erwartet. Im zweiten Halbjahr 2020 könnte es sogar zu einem Überhang bei Öl kommen.

Fazit

Vor diesem Hintergrund senken wir unsere Prognose für den Ölpreis auf 55 US-Dollar.
Potenzielles Risikoszenario: Schärfere Sanktionen gegen den Iran, stärkere geopolitische Spannungen oder ein Handelsabkommen zwischen China und den USA könnten den Ölpreis stützen.

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