Marktkompass Februar 2020

Anleger setzen weiterhin auf Aktien

Nach der Veröffentlichung von „Counterpoint“, unserem Ausblick für 2020, geben wir nun auch unserem Marktkompass einen neuen Anstrich. So ersetzten wir unsere bisherige Empfehlungstabelle auf Seite 2 durch eine granularere Darstellung für alle Anlageklassen – genauso, wie sie in unserem Counterpoint-Jahresausblick auf Seite 35 dargestellt ist. Die meisten Einschätzungen in dieser Publikation sind eher themenbezogen und längerfristiger Natur (über zwölf Monate hinaus) und spiegeln sich daher in der Spalte „Langfristig“ wider.

Unser Investmentprozess bleibt aber nicht handelsorientiert, sondern pragmatisch. Die Spalte „Kurzfristig“ zeigt daher unsere kurzfristigen Einschätzungen, wobei wir Chancen nutzen wollen, um Portfolios an unseren längerfristigen Einschätzungen auszurichten. Das neue Raster soll damit verdeutlichen, in welche Richtung wir anlagestrategisch tendieren. Dazu sollen die neutralen Einschätzungen mit positiver bzw. negativer Tendenz beitragen, um auf dieser Basis Portfolios ohne unnötige Transaktionen zielgerichtet anpassen zu können. Natürlich werden wir unsere Einschätzungen im Laufe des Jahres immer wieder aktualisieren und entsprechend kommunizieren.

Unsere globale Einschätzung bleibt wie im Schlussquartal 2019 konstruktiver als zuvor. Auf makroökonomischer Ebene bleibt unser Szenario des „Durchwurschtelns“ unser Basisszenario. Die Frühindikatoren, die nachlassenden Handelsspannungen und die lockere Geldpolitik deuten weltweit auch für das Jahr 2020 auf ein moderates Wirtschaftswachstum hin. Dieses Umfeld dürfte die Unternehmen stützen, insbesondere, weil die Gewinnerwartungen für 2020 mittlerweile realistisch erscheinen. Wenn 2019 nach den schwachen Markttrends gegen Ende 2018 die Entspannung brachte, dann dürften die Aktienrenditen dank der Marktdynamik und dank Kapitalzuflüssen der Privatanleger in den hohen einstelligen Prozentbereich gehievt werden.

Empfehlungen

Aktuelle Entwicklungen

2020 begann genauso, wie 2019 aufhörte: Nahezu alles, was der Markt sich erhofft und möglicherweise im Großteil des Jahres eingepreist hatte, erfüllte sich im Dezember, und der Januar verlief weitgehend ähnlich.

Erstens gab es immer mehr Belege dafür, dass im Handelskrieg zwischen China und den USA durch den Abschluss des „Phase 1“-Abkommens zwischen beiden Ländern im Januar das Schlimmste vorüber sein könnte. Bis zu einer umfassenden, abschließenden Einigung ist es jedoch noch weit, und baldige weitere Ergebnisse sind nicht zu erwarten. Das „Phase 1“-Abkommen ist vor allem für Präsident Trump im Rahmen seiner Wiederwahlkampagne von Nutzen. Für die Unternehmen ist die Ungewissheit rund um den Handel jedoch lange noch nicht verschwunden, schon weil der Großteil der eingeführten Zölle zwischen den USA und China bestehen bleibt.

Zweitens deuten die Frühindikatoren an der Konjunkturfront nach wie vor darauf hin, dass sich die Weltwirtschaft lediglich leicht abkühlt, aber nicht in eine Rezession abrutscht. Die Einkaufsmanagerindizes zeigen, dass das verarbeitende Gewerbe weltweit die Talsohle zu erreichen scheint, zumal die Neuauftragskomponenten solcher Umfragen wieder stabilere Wachstumsperspektiven nahelegen. Die USA und die Schwellenländer (allen voran China) verzeichneten eine moderate Besserung, während die Eurozone weiter schwächelte – wobei sich das deutsche Ifo-Geschäftsklima seit Herbst von seinem niedrigen Niveau wieder erholt. Unterdessen entwickelt sich der Dienstleistungssektor, der in den meisten großen Volkswirtschaften den Löwenanteil ausmacht, weiterhin gut.

Darüber hinaus wurde im Dezember Großbritanniens Pattsituation im Parlament beendet, denn die Konservative Partei konnte bei den Wahlen zum Unterhaus einen überzeugenden Sieg erringen. In der Folge erholten sich inländische britische Vermögenswerte und das Pfund kräftig. Auch wenn die Tory-Mehrheit einen Teil der Unsicherheit für die Unternehmen beseitigt – ein Labour-Sieg oder unklare Mehrheiten im Parlament hätten sich wohl negativ auf die britische Wirtschaft ausgewirkt – ist die Ungewissheit um den Brexit, obwohl er am 31. Januar Realität wird, keineswegs verschwunden. Denn die Verhandlungen über die künftigen Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU werden bald beginnen.

All die guten Neuigkeiten hievten die Aktienmärkte inklusive des DAX auf Allzeithochs und bremsten Staatsanleihen. Zwar sehen einige technische Indikatoren ähnlich wie im Januar 2018 bedenklich aus. Die Märkte stehen jedoch unterstützt von den Notenbanken auf einer soliden Basis, und ohne größere konjunkturelle Belastungen besteht eine gute Chance, dass das Momentum der Aktienmärkte, gestützt durch Kapitalzuflüsse von Privatanlegern aus Anleihen und Geldmarktinstrumenten in Aktien, erst einmal anhält. Dennoch behalten wir natürlich alle Risikofaktoren, wie neuerdings auch das Coronavirus und seine Folgen, genau im Auge.

Aktien

IT und Gesundheit bleiben unsere Favoritenbranchen

In den vergangenen Wochen entwickeln sich die Aktien von Schwellenländern – coronavirusbedingt zuletzt mit der Ausnahme vor allem von China – besonders gut. Ihnen kommen die nachlassenden Handelsspannungen und die möglichen positiven Auswirkungen zugute. Wir setzen angesichts der attraktiven Sektor-Zusammensetzung, höherer Wachstumsaussichten und attraktiver Bewertungen längerfristig auf die Schwellenländer. Obwohl sowohl der DAX als auch der europäische Leitindex Stoxx 600 neue Höchststände markierten, hinken sie in Sachen Performance weiterhin der Wall Street hinterher. Aufgrund der neuerlichen Stärke des Tech-Sektors bremste ihr geringeres Technologiegewicht die europäischen Indizes. Generell nehmen wir gegenüber Aktien aus Europa, wo wir vereinzeltes Potenzial etwa für dividendenstarke Value-Aktien sehen, eine vorsichtigere Haltung ein. Zudem bleiben wir bei unserer Präferenz für die innovativen, strukturellen Wachstumsbranchen Technologie und Gesundheit.

Anleihen

Zinsaufschläge für Unternehmensanleihen werden immer enger

In einem für Risikoanlagen günstigen Umfeld übertrafen Unternehmensanleihen in jüngster Zeit Staatsanleihen. Staatsanleihen litten zudem unter einem leichten Anstieg der Inflationserwartungen, der inflationsgebundenen Anleihen zugutekam. Am besten entwickelten sich Hochzins-
anleihen, deren Zinsaufschläge sich weiter einengten. Wir sind überzeugt, dass auf kurze Sicht insbesondere bei Kurzläufern im Bereich der Euro-Hochzinsanleihen noch Wertpotenzial vorhanden ist. Gegenüber Anleihen guter Bonität („Investmentgrade“) bleiben wir vorerst bei unserer neutralen Haltung. Deren Zinsaufschläge verengen sich ebenfalls weiter, und die Aufschläge in den USA und Europa erreichten mit knapp unter 1 % fast die Tiefstände von Anfang 2018.

Währungen

Der US-Dollar bleibt zum Euro weiterhin stark

Die Devisenmärkte begannen das neue Jahr einmal mehr mit großen Hoffnungen auf einen weltweiten Reflationshandel, der den US-Dollar abwerten könnte. Die Grenzen der EZB-Geldpolitik im Vergleich zur Möglichkeit einer zusätzlichen Lockerung durch die Fed könnten in niedrigeren Zinsdifferenzen resultieren. Doch solange es keine deutlichen Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung gibt, dürfte der Euro nach wie vor kaum zulegen.

Die stärkste Bewegung in den letzten Monaten gab es beim Pfund Sterling, denn der Sieg der eher wirtschaftsfreundlichen Konservativen Partei beseitigte das politische Risiko. Der Blickpunkt verlagerte sich rasch auf die Unsicherheit um die künftigen Handelsbeziehungen mit der EU. Wir werden dies 2020 genau im Auge behalten.

Rohstoffe

Goldpreis weiter stark - Ölpreis dagegen unter Druck

2020 begann aufgrund der neuerlichen Spannungen zwischen den USA und dem Iran mit einem Knall. Erfahrungsgemäß wäre zu erwarten, dass die im Ölpreis enthaltene Risikoprämie nun für längere Zeit steigen wird. Die schnelle Deeskalation sorgte jedoch für einen raschen Rückgang der Ölpreise, und nach unserer Überzeugung werden die Ölpreise im ersten Quartal 2020 bei einem nach wie vor guten Angebot am Markt niedriger tendieren – sofern Vergeltungsmaßnahmen oder größere Störungen ausbleiben. Momentan belasten Nachfragesorgen angesichts der Ausbreitung des Coronavirus den Ölpreis zusätzlich.

Die Goldpreise legten einen guten Start hin, und obwohl Gold auf kurze Sicht überkauft erscheint, dürfte das zugrunde liegende Umfeld – das heißt lockere Geldpolitik, geopolitische Spannungen und sinkende Opportunitätskosten für Gold angesichts des massiven Volumens negativ rentierlicher Anleihen – die Goldnachfrage weiter stützen.

Quellen: Factset

Merck Finck Asset Allokation

Merck Finck Strategie Ausgewogen

Unser Fokus im Portfolio bleibt auf substanzstarke Aktien und Anleihen solider Emittenten sowie angesichts immer niedrigerer Realzinsen seit geraumer Zeit auch auf die Allokation von Gold gerichtet.

Die Aktienquote liegt angesichts der positiven Trends der letzten Wochen derzeit bei rund 49 %. Im Portfolio haben wir uns in erster Linie auf eine Optimierung der Einzelwerteselektion konzentriert mit dem Ziel, den Aktienteil etwas defensiver zu gestalten. Dem Portfolio möchten wir auf diese Weise eine noch höhere Konvexität geben, um im Falle einer Marktkonsolidierung stabil aufgebaut zu sein.

Rentenseitig haben wir keine erwähnenswerten Anpassungen vorgenommen. Unser Augenmerk bleibt auch hier auf eine robuste Portfoliokonstruktion gerichtet, unter Berücksichtigung von strategischen Positionen über Fonds und ETFs im Bereich europäischer Nachranganleihen und Emerging Market Bonds.

Ihr Ansprechpartner

Robert Greil

Chefstratege +49 89 2104-1516

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