Marktkompass September 2019

Handelskonflikt beherrscht weiterhin die Märkte.

Der August sollte in Sachen Handelskonflikt zwischen den USA und China eigentlich ein ruhiger Urlaubsmonat werden, denn die Wiederaufnahme der Verhandlungen war erst für September angedacht. Donald Trump ist aber immer für eine Überraschung gut, so dass der Konflikt kurz nach der am 31. Juli erfolgten Ankündigung der Fed, die US-Leitzinsen erstmals seit 2007 zu senken, eskalierte. In der Folge verzeichneten die Aktienmärkte eine Korrektur, und viele Anleihenrenditen fielen auf Rekordtiefstände. Die Börsen korrigierten aber weniger heftig als bei vorherigen Eskalationen des Handelsstreits, denn die Anleger scheinen sich langsam mit der Vorstellung vertraut zu machen, dass die Spannungen zwischen China und den USA Teil eines Machtkampfes sind, der Jahrzehnte andauern könnte. Doch je länger dieser Prozess aus Eskalations- und Deeskalationsphasen anhält, desto stärker wird das Vertrauen der Unternehmen ausgehöhlt – mit negativen Konsequenzen insbesondere für die weltweiten Investitionstrends.

Aufgrund der zunehmenden Angst vor einer weltweiten Rezession lockern die Zentralbanken in aller Welt ihre Geldpolitik. Sie sind jedoch, wie Fed-Chef Powell vor kurzem in seiner Rede auf der Konferenz in Jackson Hole feststellte, nicht allmächtig. Die amerikanische Notenbank dürfte ihre Leitzinsen im September erneut senken, aber aufgrund der weltweit bereits niedrigen Leitzinsniveaus signalisieren die Zentralbanken den Regierungen zunehmend, dass es nun an ihnen liegt, mithilfe von Steuersenkungen und Investitionsprogrammen Anreize zu bieten. Deutschland, dessen Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gegenüber dem Startquartal 2019 leicht schrumpfte, wird hier aufgrund seines Haushaltsüberschusses regelmäßig besonders dazu aufgefordert. Doch Berlin zeigt sich davon bisher wenig beeindruckt. Der Ausblick für die Weltwirtschaft bleibt in Anbetracht des fortdauernden Handelskrieges und des nahenden Brexit-Termins nebulös. Daher behalten wir unsere leicht vorsichtige Positionierung bei risikobehafteten Anlageformen wie Aktien bei und setzen weiterhin auf Substanz und Diversifikation. 

Aktuelle Entwicklungen

Aktien Small & Mid Caps
  Asisatische Technologie-Aktien
Anleihen US-Staatsanleihen
  Anleihen in norwegischen Kronen
  Europäische forderungsbesicherte Anleihen (ABS)
  Schwellenländeranleihen
Alternativen Gold

Mit einem amerikanischen Leitindex S&P 500 fast auf Höchststand und der von der Fed verkündeten ersten Zinssenkung seit gut einem Jahrzehnt fühlte sich Präsident Trump sicher genug, den Handelskrieg mit China wieder anfachen zu können. Am 1. August kündigte er Zölle von 10 % auf die verbleibenden, noch nicht mit Zöllen belegten chinesischen Importgüter im Wert von 300 Milliarden US-Dollar an. Die Situation eskalierte vollends, als China am 23. August Zölle auf US-Importe im Wert von 75 Milliarden US-Dollar ankündigte und Präsident Trump dies zum Anlass nahm, mit weiteren Vergeltungsmaßnahmen zu drohen. Trotz zwischenzeitlichem teilweisem Zurückrudern ist noch kein Ende dieser Spirale absehbar. Unterm Strich führten die USA per 1. September neu 15-prozentige Importzölle auf chinesische Waren im Wert von 125 Milliarden Dollar ein – im Gegenzug erhob China weitere Zölle auf US-Produkte. Donald Trump droht darüber hinaus, seine bisherigen 25 %-Importzölle per
1. Oktober um 5 % anzuheben, und weitere Drohungen stehen von beiden Seiten ab Mitte Dezember im Raum. Je länger dieser Prozess andauert, desto mehr schadet er dem Vertrauen der Wirtschaft und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession.

Gegenwärtig beeinträchtigt die Unsicherheit vorwiegend den verarbeitenden Sektor, der unter den Belastungen für den Welthandel leidet. Eine Lösung im Handelskrieg USA/China wäre hier wünschenswert, doch immer mehr Anleger gehen davon aus, dass dieser Konflikt niemals vollständig gelöst werden kann. Nicht zuletzt angesichts der Schwäche der Autoindustrie schrumpfte das deutsche Bruttoinlands-
produkt gegenüber den drei Monaten von Januar bis März leicht. Der Dienstleistungssektor sollte aber weiterhin stabiler als die Industrie bleiben, wie die Einkaufsmanagerindizes zeigen. Ähnlich sieht es, trotz leichter Einbußen, angesichts des weiter guten Verbrauchervertrauens für den privaten Konsum aus.

Die Eskalation an der Handelsfront verstärkte den Druck auf die Fed, ihren Leitzins erneut zu senken. Die Anleger erwarten für September eine weitere Senkung um 0,25 %, die die Finanzmärkte etwas stützen dürfte, obwohl die wirtschaftlichen Vorteile fraglich sind. Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, dass die Geldpolitik nicht viel mehr bewirken könne. Vielmehr sollten die Regierungen der Flaute entgegenwirken. Das G7-Treffen in Biarritz erbrachte jedoch keine wichtigen Initiativen. Mit dem anstehenden Brexit-Termin am 31. Oktober ist Europa einer weiteren Quelle von Unsicherheit ausgesetzt, denn niemand weiß, wie diese Sache ausgehen wird. Auch wenn von der EZB ein quantitatives Lockerungsprogramm erwartet wird, sind ihre Möglichkeiten, im September weitere geldpolitische Unterstützung zu gewähren, begrenzt. Die Weltwirtschaft wird sich zur Fortsetzung ihres Wachstums weitgehend auf die Verbraucher verlassen müssen. 

Aktien

US-Aktienmarkt hält sich vergleichsweise wacker

Als Reaktion auf die Eskalation des Handelskrieges verzeichneten die Aktienmärkte im August erst eine Korrektur, im Zuge derer China und andere Schwellenländer sogar um fast 10 % einbrachen. In dem unsicheren Umfeld blieb der Trend zur Risikovermeidung vorherrschend. Hierbei hielten sich Large Caps besser als Small Caps, und defensive Sektoren mit Konsumbezug schnitten besser ab als Rohstoffsektoren. Erst zum Monatsende erholten sich die Aktienmärkte angesichts von Entspannungsanzeichen in Sachen Handelskonflikten wieder etwas. Obwohl die Berichtssaison für das zweite Quartal nicht enttäuschte, ist das Gewinnwachstum weltweit nach wie vor begrenzt, und die Erwartungen für das Schlussquartal 2019 und für das Jahr 2020 könnten sich als zu optimistisch erweisen. Wir bleiben bei unserer leicht vorsichtigen Aktienpositionierung und setzen weiterhin auf substanzstarke Werte. 

Anleihen

Rendite selbst 30-jähriger Bundesanleihen jetzt negativ

Obwohl Importzölle inflationär wirken, fürchteten sich die meisten Anleger mehr vor den deflationären Effekten einer weltweiten Konjunkturabkühlung, was zu einem weiteren Rückgang der Inflationserwartungen führte. Diese Erwartungen wurden zusätzlich auch noch durch die rückläufigen Ölpreise unterminiert. Die Renditen von Staatsanleihen fielen, und sogar die Rendite deutscher Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit wurde negativ. Die äußerst wichtige Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe erreichte wieder ihre Allzeittiefs von 1,5 % der Jahre 2012 und 2016. Der Anleihenmarkt ist im Hinblick auf die Inflationsrisiken möglicherweise zu selbstgefällig. Angesichts des schlechten Verhältnisses zwischen Risiko und Ertrag bei Staatsanleihen und der Zinsaufschläge von durchschnittlich rund einem Prozent bleiben wir bei unserer Präferenz für Investmentgrade-Anleihen gegenüber Staatsanleihen, wobei US-Staatspapiere anders als Bundesanleihen weiterhin positive Renditen bieten.

Währungen

Der Euro wird zum US-Dollar immer schwächer

Der US-Dollar wurde durch die Zinssenkung der Fed Ende Juli nicht in Mitleidenschaft gezogen, da die meisten Zentralbanken die geldpolitischen Bedingungen lockern. Gestützt durch die relative Stärke der US-Wirtschaft, wahrte der Dollar seine Stärke gegenüber den meisten Währungen mit Ausnahme der üblichen Fluchtwährungen wie des japanischen Yen.

Wir reduzieren unser Ziel für den Euro-Dollar-Kurs von 1,16 auf 1,12 US-Dollar je Euro. Da ein ungeregelter Brexit immer wahrscheinlicher wird, schwächte sich das britische Pfund ab. Erwähnenswert ist zudem, dass China seine Währung weiter abwertete.

Rohstoffe

Goldpreis robust, doch anfällig für kurzfristigen Rückschlag

Im August verringerten wir unseren Zielpreis für ein Fass Öl der Sorte Brent auf 55 US-Dollar, nachdem wir ihn als Reaktion auf die Spannungen mit dem Iran in der Straße von Hormus bei 70 Dollar hatten. Die weltweite Konjunkturabkühlung und der anhaltende starke Anstieg der US-Schieferölförderung dürften zu einem Überangebot führen, falls die OPEC die Produktion nicht ausreichend drosselt.

Der Goldpreis stieg weiter auf über 1.500 Dollar je Feinunze, da die Realzinsen fielen und damit die Opportunitätskosten für den Besitz von Gold sanken. Gold bleibt als Diversifikationsinstrument für Portfolios und als sicherer Fluchtwert attraktiv. Wir belassen unseren Zielpreis für Gold jedoch bei 1.500 Dollar, denn das Metall erscheint auf kurze Sicht für einen Rückschlag anfällig.

Quellen: Factset

Merck Finck Asset Allokation

Merck Finck Strategie Ausgewogen

Innerhalb der ausgewogenen Vermögensverwaltung le¬gen wir unser Augenmerk unverändert auf eine defensive, robuste Asset Allocation. Unser Aktienanteil blieb zuletzt unverändert. Im jüngsten Rückgang an den Aktienmärkten zeigte sich erneut die Stärke unserer bewusst defensiven, substanzorientierten Struktur im Rahmen der Einzeltitelselektion.

Im Kontext des sich weiter zuspitzenden Handelskonfliktes der USA mit China und des sich verschlechternden konjunkturellen Umfeldes hat die Zuflucht in sichere Anlagen wie Anleihen und Gold nochmals stark zugenommen. Die Aussicht auf wieder zunehmend lockere Geldpolitik der Notenbanken hat diesen Effekt zusätzlich unterstützt.

Von unserer Aufstockung des Goldanteils Anfang Juli konnten wir sehr gut profitieren und haben zuletzt teilweise Gewinne mitgenommen. Bei den Anleihen konnten wir aufgrund des starken Renditerückgangs deutliche Kursgewinne bei der spanischen Staatsanleihe realisieren. Die frei gewordene Liquidität wird zunächst gehalten.

 

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Robert Greil, Chefstratege, über die Marktentwicklung

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