Marktkompass November 2019

Liquidität und schwindende geopolitische Risiken stützen die Märkte.

Im Oktober setzten die Risikomärkte ihre Erholung von der durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China bedingten August-Korrektur fort, da die Anleger aus der weltweiten geldpolitischen Lockerung und den nachlassenden geldpolitischen Risiken Mut schöpften. Die US-Notenbank senkte Ende Oktober ihren Leitzins bereits zum dritten Mal in diesem Jahr, während die EZB den Einlagensatz für Banken weiter kappte und ein neues Anleihekaufprogramm ab diesem Monat ankündigte. Die geopolitischen Risiken schwanden, da Präsident Trump in der Hoffnung, eine rechtzeitige Stärkung der US-Konjunktur könne ihm die Wiederwahl bescheren, einen „Phase 1“-Deal mit den Chinesen anstrebte. Die Entwicklungen um den Brexit mündeten zwar in einer grundsätzlichen Einigung, jedoch auch in einer Fristverschiebung auf Ende Januar 2020. Immerhin: Die Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens ist gesunken. Nun stehen im Königreich am 12. Dezember erst einmal Neuwahlen an. In der Folge legten die Aktienmärkte zu, und die Renditen von Staatsanleihen verließen ihre Tiefstände von Anfang September.

Gleichzeitig hat sich das weltweite wirtschaftliche Umfeld kaum verbessert, denn die Liquidität braucht Zeit, um in der Wirtschaft anzukommen, und das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher benötigt ebenfalls seine Zeit, um sich im Falle eines überzeugenden Deals im Handelskrieg und beim Brexit zu erholen. Die US-Konjunktur bleibt zwar in einer relativ guten Verfassung, muss jedoch nachlassende fiskalische Anreize verkraften. In Europa scheint die EZB ihre Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft zu haben, doch massive fiskalische Anreize sind nach wie vor unwahrscheinlich, nicht zuletzt weil Deutschland unbeirrt weiterhin Haushaltsüberschüsse anstrebt. Die Konjunktur in China kühlt sich weiter ab, da Belebungsversuche durch den angepeilten Schuldenabbau ausgebremst werden. Daher bleibt der Ausblick für die globale Konjunkturdynamik moderat. Wir behalten somit unsere leicht vorsichtige Positionierung gegenüber Risikoanlagen bei.

Aktuelle Entwicklungen

Aktien Small & Mid Caps
  Asisatische Technologie-Aktien
Anleihen US-Staatsanleihen
  Anleihen in norwegischen Kronen
  Europäische forderungsbesicherte Anleihen (ABS)
  Schwellenländeranleihen
Alternativen Gold

Die US-Notenbank hat nach ihren Leitzinssenkungen im Juli und September Ende Oktober noch eine dritte Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,5–1,75 % hinterhergeschoben. Gleichzeitig deutete die Fed an, dass sie erst einmal eher nicht mehr an der Zinsschraube drehen will. Wir erwarten aber im Einklang mit den Markterwartungen für 2020 zwei weitere Zinssenkungen. Fed-Chef Powell betonte, dass die US-Geldpolitik jetzt „angemessen“ sei. Ein
Handelsabkommen zwischen den USA und China könnte, selbst wenn nur eine Teileinigung gelänge, die Bedenken um den US-Konjunkturausblick lindern. Diese beziehen sich wie andernorts vornehmlich auf die schwächelnde Industrieproduktion und die Exporte, während die Verbraucherausgaben angesichts des auch von Powell als stark hervorgehobenen Arbeitsmarktes relativ robust bleiben. Im September und Oktober sah sich die Fed zur Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung genötigt und kaufte kurzlaufende US-Staatsanleihen an, um Spannung aus Teilen des US-Geldmarktes zu nehmen. Dieser litt unter einem Mangel an Liquidität, als das US-Finanzministerium versuchte, seine ausgelaugten Barreserven wieder aufzustocken, und hierdurch einen drastischen Anstieg der Interbanken-Tagesgeldsätze auslöste. Auch wenn dies ein vorübergehendes Liquiditätsproblem zu sein scheint, will die US-Notenbank weiterhin kurzlaufende Anleihen kaufen und somit zusätzliche Liquidität unter anderem zur Stärkung der Bankreserven zur Verfügung stellen.

Der Ende Oktober aus seinem Amt als EZB-Präsident ausgeschiedene Mario Draghi nutzte seine letzte Pressekonferenz dazu, seine einen Monat zuvor angekündigten und von einigen Mitgliedern des EZB-Rates offen kritisierten Lockerungsmaßnahmen zu verteidigen. Er behauptete, dass die negativen Zinssätze der Wirtschaft gut getan hätten, während schlechtere harte Daten und schwächelnde Umfragen im Oktober bestätigt hätten, dass die Risiken für das Wachstum im Euroraum weiter hoch seien und die Ungewissheit auf mittlere Sicht nach wie vor beträchtlich sei. Offensichtlich gehen der EZB die geldpolitischen Möglichkeiten aus. Daher wird Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde ihr ganzes Verhandlungsgeschick benötigen, um die Regierungen des Euroraums zur Steigerung der fiskalischen Anreize zu bewegen. Obwohl gerade die deutsche Industrie weiterhin schwächelt, plant Berlin keine kurzfristigen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur. Und obwohl die EZB ihren Einlagesatz von –0,4 % auf –0,5 % kappte – und zugleich rund 40 % der Bankenreserven von diesen Strafzinsen befreite –, sorgte das neue Staffelzinssystem für einen leichten Anstieg der kurzfristigen Interbankensätze und entlastete somit die europäischen Banken etwas.

Aktien

Aktienmärkte global mit Rückenwind

Die September-Erholung setzte sich im Oktober fort, obwohl schwache Konjunkturdaten auch aus den USA vereinzelte Rückschläge auslösten. Dennoch markierte die Wall Street gemessen am US-Leitindex S&P 500 neue Allzeithochs, und auch Europas Aktienmärkte konnten inklusive des DAX weiter zulegen. Dass sich zudem die Anleiherenditen insbesondere in Europa weiter erholten, half insbesondere dem Finanzsektor.

In defensiven Branchen wie etwa bei Basiskonsumgütern und Gesundheit tendierten viele Aktienkurse schwächer. Dies zeigt, dass die Sorgen der Anleger um den weltweiten Konjunkturausblick nachließen. Die Berichtssaison für das dritte Quartal lief insbesondere in den USA positiv an. Jedoch bleiben die Analystenerwartungen für das Gewinnwachstum für 2020 von rund 10 % sowohl in Amerika wie auch in Europa nach wie vor zu optimistisch.

Anleihen

Wieder etwas höhere Renditen für zehnjährige Staatsanleihen

Die Renditen von Staatsanleihen entfernten sich weiter von ihren Anfang September erreichten Tiefständen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg von 1,5 % auf 1,8 %, und die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen erholte sich von –0,8 % auf über –0,4 %. Die Zinsaufschläge von Unternehmensanleihen verengten sich leicht und begrenzten die Verluste bei Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen. Obwohl die Fundamentaldaten europäischer Unternehmensschuldtitel weiterhin solide sind und diese Titel von der Wiederaufnahme des EZB-Kaufprogramms profitieren dürften, halten wir ihr Risiko-Rendite-Profil auch angesichts oft dünner Handelsvolumina für weniger attraktiv. Wir bleiben allerdings bei unserer Präferenz für kurzlaufende Euro-Unternehmensanleihen guter Bonität („Investmentgrade“) gegenüber Euro-Staatsanleihen und setzen weiterhin bei Staatspapieren auf die höher rentierenden US-Titel..

Währungen

US-Dollar nähert sich unserem Kursziel von 1,12 je Euro an

Da der Euroraum einer der Hauptnutznießer einer Deeskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China sein dürfte, bleiben wir bei unserem Euro-Dollar-Kursziel von 1,12. Während wir das immer weiter ausufernde US-Budgetdefizit längerfristig als Belastungsfaktor für den Dollar sehen, sollte er auf Basis der stabileren US-Konjunktur und in seinem Status als „sicherer Währungshafen“ vorerst gut unterstützt bleiben.

Das Pfund Sterling legte gegenüber dem Euro zu, da das Risiko eines ungeregelten Brexits geringer wurde, obwohl die Lösung in der Brexit-Frage ungewiss bleibt. Typische sichere Fluchtwerte wie der japanische Yen und der Schweizer Franken gaben einen Großteil ihrer jüngsten Zugewinne wieder ab, denn die Anleger legten ihre Risikoscheu etwas ab.

Rohstoffe

Goldpreis pendelt vorerst weiterhin um 1.500 US-Dollar je Feinunze

Der Goldpreis fiel auf rund 1.500 US-Dollar je Feinunze zurück, da sich die Anleiherenditen erholten und die Opportunitätskosten für den Besitz von Gold stiegen. Doch das Gold konnte seine Zuwächse der letzten Zeit größtenteils halten und bleibt zur Diversifizierung von Portfolios und als sicherer Fluchtwert attraktiv. Die Käufe von Gold-ETFs sind auf Rekordniveaus gestiegen, und auch viele Zentralbanken kaufen weiter Gold. Daher heben wir unser Preisziel auf Sicht von sechs Monaten von 1.500 auf 1.650 US-Dollar je Feinunze an.

Bei reichlich vorhandenen weltweiten Ölförderkapazitäten (u. a. US-Schieferöl) und nach wie vor schleppender Nachfrage dürfte sich der Ölpreis weiterhin in einer engen Bandbreite bewegen. Daher bleiben wir bei unserem Zielpreis für Brent von 55 US-Dollar je Barrel. Die Abwärtsrisiken für den Ölpreis sind aufgrund der Fördersenkungen der OPEC und der extrem vorsichtigen derzeitigen Positionierung von Hedgefonds begrenzt.

Quellen: Factset

Merck Finck Asset Allokation

Merck Finck Strategie Ausgewogen

Unser Fokus im Portfolio ist auf substanzstarke Aktien und Anleihen solider Emittenten sowie angesichts immer niedrigerer Realzinsen seit geraumer Zeit auch auf die Allokation von Gold gerichtet.

Unsere Aktienquote haben wir im Oktober leicht ausgebaut und uns dabei auch auf eine Optimierung der Einzelwerteselektion konzentriert.

Rentenseitig haben wir im Monatsverlauf Gewinne bei europäischen Unternehmensanleihen mitgenommen sowie unsere Gewichtung in US-Staatsanleihen erhöht, wobei wir auf längere Laufzeiten im Bereich von neun Jahren gesetzt haben..

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Robert Greil, Chefstratege, über die Marktentwicklung

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