Marktkompass April 2020

Regierungen und Zentralbanken bekämpfen Auswirkungen der COVID-19-Krise.

Der Kampf gegen das Coronavirus führt zu weitreichenden Ausgangssperren und Einschränkungen im öffentlichen Leben Europas und der USA – während China Schritt für Schritt wieder zur Normalität übergeht. Auch wenn dieser „Schwarze Schwan“ die Lieferketten, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Finanzmärkte wie ein Erdbeben erschütterte, ist es noch zu früh, um die konjunkturellen Auswirkungen wirklich beurteilen zu können. Da wir den Schock als vorübergehendes Ereignis betrachten, gehen wir in unserem Basisszenario von einer signifikanten Erholung später im Jahr aus, die durch weitere umfangreiche steuer- und finanzpolitische Maßnahmen sowie einen niedrigeren Ölpreis gestützt wird. In Anbetracht massiver Ausgangssperren mindestens für einige Wochen in europäischen Ländern und amerikanischen Bundesstaaten einschließlich New York rechnen wir mit einer klaren Rezession in Europa und den USA. Unser Basisszenario für 2020 ist bestenfalls noch ein Nullwachstum für die Weltwirtschaft.

Maßnahmen der Politik und der Zentralbanken werden jedoch die Auswirkungen abmildern. Vergangene Woche haben weltweit 39 Zentralbanken die Zinsen gesenkt. EZB und Fed veröffentlichten riesige Wertpapier-Kaufprogramme, im Rahmen derer die EZB jetzt auch griechische Anleihen kauft, um die Peripherieländer zu schützen und eine neue Eurokrise zu verhindern. Neben umfangreichen Liquiditätsspritzen entschied sich die Fed sogar für eine unbegrenzte quantitative Lockerung. Die Regierungen lassen gewaltige finanzpolitische Programme anlaufen, wie sie beispielsweise diese Woche von der Bundesregierung und der US-Administration verabschiedet wurden. Sie umfassen u. a. Staatsgarantien, Steuererleichterungen, Kurzarbeiterregelungen sowie direkte Unterstützungen der Menschen.

Trotzdem ist weiter mit einer erhöhten Marktvolatilität zu rechnen, bis Investoren ein echtes Licht am Ende des Corona-Tunnels sehen – sei es in Form rückläufiger Neuansteckungen, reduzierter Eindämmungsmaßnahmen oder positiver Impfstoffmeldungen. In diesem Umfeld bleiben gut diversifizierte Portfolios mit begrenztem Risiko, einschließlich Gold und US-Staatsanleihen, von größter Wichtigkeit. Alternative Anlagen können in solchen Ausnahmezeiten zur weiteren Diversifizierung beitragen.

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Aktuelle Entwicklungen

Seit Februar hat sich das Coronavirus von China über die westliche Welt verbreitet. Während es in China weitgehend eingedämmt zu sein scheint und die Ausgangssperren im größten Teil der Provinz Hubei beendet wurden, trifft das auf den Rest der Welt beileibe nicht zu. Inzwischen hat sich das Virus in Europa und mit leichter Verzögerung in den USA und anderen Ländern ausgebreitet. In Anbetracht des schlechten amerikanischen Sozialsystems, das keine komplette medizinische Grundversorgung und Lohnfortzahlungen bietet, ist der private Konsum in Amerika besonders gefährdet.

Die Serie von Ausgangssperren von Kalifornien über europäische Länder bis in andere Weltregionen schränkt nicht nur das öffentliche Leben ein, sondern in zunehmendem Maße auch die Unternehmens- und Verbraucheraktivitäten. Die ersten Abstürze der Stimmungsindizes für Unternehmen, wie Einkaufsmanagerindizes oder das Ifo-Geschäftsklima, aber auch Verbraucherstimmungs-Indikatoren deuten den gesamtwirtschaftlichen Schaden bereits an. Je länger die Einschränkungen und die Ausgangssperren andauern, desto gravierender sind die wirtschaftlichen Auswirkungen und desto höher liegen die Kosten. Auch wenn der wirtschaftliche Schaden in Anbetracht der Entwicklungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht real eingeschätzt werden kann, prognostiziert unser Basisszenario einerseits einen starken konjunkturellen Abschwung im zweiten Quartal, der 2020 kein positives globales Wachstum mehr zulassen dürfte, andererseits aber auch eine deutliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte, die sich 2021 fortsetzen sollte.

Weltweit betreiben die Zentralbanken eine expansive Geldpolitik und erhöhen mit beispiellosen Geldspritzen die Liquidität der Märkte, um die Folgen des Coronavirus zu bekämpfen – und die Fed beschloss zum ersten Mal überhaupt eine uneingeschränkte quantitative Lockerung. Das sehr flexible Pandemie-Notfallpaket der EZB, einschließlich zusätzlicher 750 Milliarden Euro für den Ankauf von Anleihen, trug zur Stabilisierung der Märkte und zur Begrenzung der Risikoaufschläge von Peripherieanleihen bei, die bereits die wachsenden Gefahren einer neuen Eurokrise zeigten. Die Regierungen haben gewaltige Schutzprogramme anlaufen lassen, die vorwiegend darauf abzielen, den Finanzierungs- und Liquiditätsbedarf der Unternehmen zu überbrücken und die Verbraucher zu schützen.  Hierzu gehören das 756-Milliarden-Euro-Programm in Deutschland sowie das US-amerikanische Zwei-Billionen-Dollar-Programm.

Allerdings halten Anleger weiter primär nach positiven Virusmeldungen Ausschau. China hat sechs Wochen nach Einführung der Quarantänemaßnahmen begonnen, das öffentliche und das wirtschaftliche Leben wieder hochzufahren. Das dürfte als Hinweis zu deuten sein, dass es bis Mai dauern könnte, bis sich die Situation in den westlichen Volkswirtschaften allmählich bessert. Trotzdem ist auch offensichtlich, dass die Staatsverschuldung aufgrund der Maßnahmenpakete steil ansteigt und wesentliche Auswirkungen auf längerfristige Wirtschafts- und Marktentwicklungen mit sich bringt.

Aktien

Aktien jetzt im Bärenmarkt

In Anbetracht des Drucks auf die Wirtschaft reduzieren Analysten ihre Gewinnschätzungen weiter. So erwarten sie beispielsweise in Europa bereits jetzt für 2020 durchschnittlich rückläufige Profite der Unternehmen. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen etwa bezüglich Ausgangssperren werden sich die Negativauswirkungen verstärken und 2020 wohl zu einem prozentual zweistellig negativen Gewinntrend sowohl in Europa als auch in den USA führen. Auch wenn die Bewertungen attraktiver geworden sind, sollten Anleger jetzt auf Qualität und starke Bilanzen setzen, die trotz allem stabile Dividenden ermöglichen. Deshalb stufen wir Value-Aktien auf kurzfristige Sicht auf neutral zurück. Anleger sollten defensiven Aktien gegenüber zyklischen Aktien den Vorzug geben. Wir favorisieren weiterhin den Gesundheits- und IT-Sektor und auf regionaler Ebene US-Aktien und Aktien der Schwellenländer gegenüber den europäischen.

Anleihen

Klar ausgeweitete Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen

Da sogar aus den Märkten für Staatsanleihen Geld abfloss, erholten sich die Renditen „sicherer Häfen“, wie von Bundesanleihen und US-Staatspapieren, von ihren historischen Tiefstwerten. Aber die historischen Korrelationen sollten weiterhin gelten, weshalb etwa amerikanische Staatsanleihen ein wichtiger diversifizierender Bestandteil in Portfolios bleiben. Durch die Ankündigung der Fed, eine uneingeschränkte quantitative Lockerung einzuführen, sollten die teilweise ausgetrockneten US-Märkte für Unternehmensanleihen wieder Unterstützung erhalten. Allerdings bleiben amerikanische Hochzinspapiere, die mit nahezu 14 % vom Energiesektor dominiert werden, gefährdet, während der europäische „High Yield“-Markt stabiler wirkt. Die EZB hat ihr jetzt flexibleres Ankaufprogramm für Staatsanleihen bis zum Jahresende auf nun insgesamt eine Billion Euro angehoben, was die Peripheriemärkte für Staatsanleihen, wie Italien und Griechenland, schützen dürfte und die Gefahr einer weiteren Krise der Eurozone senkt.

Währungen

Der US-Dollar profitiert weiterhin von seinem Status als „sicherer Hafen“

Der US-Dollar zeigte sich in letzter Zeit höchst volatil, u. a. weil ein Engpass bei Dollarfinanzierungen Zentralbanken zu Interventionen zur Stabilisierung des Dollarmarktes veranlasste. Obwohl der „Greenback“ – wie der Schweizer Franken – als Fluchtwährung gilt, dürften die gesunkene Renditedifferenz zwischen den USA und der Eurozone sowie die uneingeschränkte quantitative Lockerung der Fed den Dollar belasten. Wir bestätigen daher unser Sechsmonatsziel von 1,12 Dollar je Euro. Als weitere Fluchtwährung, insbesondere in Asien, dürfte auch der Yen stark bleiben und, auf Sicht von Monaten gesehen, auf 115 Yen pro Euro ansteigen. Für das Pfund Sterling sehen wir kurzfristige Gefahren, da das Pfund wie eine Risk-off-Währung gehandelt wird, aber wir behalten unsere positive mittel- bis langfristige Einschätzung bei und bestätigen unsere Prognose von 0,84 zum Euro.

Rohstoffe

Ölpreis stürzt ab – Gold stabilisiert sich

Da beim jüngsten Treffen der OPEC+ mangels Einigung zwischen Saudi-Arabien und Russland überraschenderweise keine Kürzung der Ölfördermengen beschlossen wurde, stürzte der Brentpreis auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Die schwächere Weltkonjunktur, kennzeichnend für eine geringere Nachfrage, trug zum Ungleichgewicht von bereits heute hohem Angebot bei geringerer Nachfrage bei. Die Ölpreise dürften vorerst unter Druck bleiben, bis eine Vereinbarung zwischen Russland und Saudi-Arabien zustande kommt oder positive Wirtschaftsentwicklungen einsetzen. Obwohl der Goldpreis angesichts des durch Auflösung spekulativer Positionen ausgelösten Liquiditätsbedarfs anfangs nicht stieg, bleibt das gelbe Metall der ultimative „sichere Hafen“ und wegen seiner langfristigen Negativkorrelation zu Risikoanlagen ein wichtiger Diversifizierungsfaktor in Portfolios. Wir bestätigen unser Preisziel von 1.750 US-Dollar je Feinunze.

Quellen: Factset

Merck Finck Asset Allokation

Merck Finck Strategie Ausgewogen

Unser Fokus im Portfolio bleibt auf substanzstarke Aktien und Anleihen solider Emittenten sowie angesichts immer niedrigerer Realzinsen seit geraumer Zeit auch auf die Allokation von Gold gerichtet. Dies hat sich besonders im aktuellen Marktumfeld bewährt.

Nachdem wir antizyklisch vor Beginn der Marktkorrektur Gewinne mitgenommen hatten und das Portfolio-Beta reduziert haben, liegt die Aktienquote angesichts der schwachen Trends der vergangenen Woche derzeit marktbereinigt bei rund 46 %.

Im Portfolio haben wir uns in diesem Kontext wie erwähnt auf eine Optimierung der Einzelwerteselektion konzentriert, mit dem Ziel, den Aktienteil noch defensiver zu gestalten, was gelungen ist.

Unser Augenmerk bleibt bis auf weiteres auf eine robuste Portfoliokonstruktion gerichtet, in der „sichere Häfen“ wie Gold und US-Staatsanleihen eine wichtige Diversifikationsquelle bleiben.

Ihr Ansprechpartner

Robert Greil

Chefstratege +49 89 2104-1516

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