Marktkompass Juli 2019

Zentralbanken eilen zu Hilfe.

Die US-Notenbank brauchte lediglich gut sechs Monate, um eine komplette Kehrtwende zu vollziehen. Ihre letzte Sitzung deutete nicht auf mögliche Leitzinsanhebungen, sondern eindeutig auf Senkungen Ende Juli hin. In diesem Zeitraum hat sich also vieles verändert. Mit ihrem Kurswechsel reiht sich die US-Notenbank in den Reigen moderat agierender Zentralbanken wie der EZB, der Schweizer Notenbank oder der Bank of Japan ein. EZB-Präsident Mario Draghi, der im November von der bisherigen IWF-Chefin Christine Lagarde abgelöst wird, äußerte, dass die EZB noch ausreichend Munition zur Ankurbelung von Wachstum und Inflation besäße.

Letztendlich werden die Zentralbanken gerade von der Wirklichkeit eingeholt. Die Konjunkturdaten sind alles andere als überwältigend. Die Geopolitik mit ihren Turbulenzen am Golf und den anhaltenden Handelsspannungen zwischen China und den USA bietet ebenfalls keine Hilfe. Doch nicht nur China steht in der Schusslinie. Auch Indien und die EU stehen auf der Liste des US-Präsidenten. Berücksichtigt man zudem, dass Präsident Trump seine Wahlkampagne begonnen hat, dürften seine Entscheidungen und die Inhalte seiner Twitter-Beiträge künftig noch mehr von seinem politischen Programm getrieben sein.

Die Anleger haben ihre Entscheidung jedoch bereits getroffen. Aktuelle Erhebungen unter Fondsmanagern zeigen einen klaren Rückgang ihres Aktienengagements und einen Anstieg der Barbestände auf hohe Niveaus. Kurzum, es gibt keine Euphorie im Markt, was positiv ist. Unterdessen erschwert der anhaltende Rückgang der Anleihenrenditen bis in den negativen Bereich Investoren das Leben immer mehr. Je tiefer die Renditen ins Minus abrutschen, desto stärker scheint der Goldpreis zu steigen. Aber mit dem Anstieg des Goldpreises und der Kurse von Staatsanleihen stehen zwei sichere Fluchtwerte in Gegensatz zu den zuletzt robusten Aktienmärkten.
Nun steht jedoch die Berichtssaison für die Halbjahresergebnisse an. Die Gewinnerwartungen wurden jüngst gekappt. Die Anleger werden die Ergebnisse und Ausblicke hinsichtlich der Geschäftsperspektiven genau unter die Lupe nehmen. Wir bleiben vorsichtig.  

Aktuelle Entwicklungen

Aktien Small & Mid Caps 
Anleihen US-Staatsanleihen
  Anleihen in norwegischen Kronen
  Europäische forderungsbesicherte Anleihen (ABS)
   
Alternativen Gold

Die Angst vor einer Rezession ist gestiegen, allerdings in einem Ausmaß, dass sie die am meisten erwartete Rezession aller Zeiten wäre. Zugegebenermaßen ist das Rezessionsrisiko laut den Parametern der Federal Reserve gestiegen. Die Konjunkturdaten außerhalb der USA sind durchwachsen und enttäuschend. Amerikas Arbeitsmarktdaten lagen im Mai deutlich unter den Erwartungen und erholten sich im Juni wieder. Allerdings enttäuschte die Stimmung bei Verbrauchern und vor allem weiterhin bei den Produzenten. Der anhaltende Handelsstreit beeinträchtigt die Investitionen und die Stimmung insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Es besteht die zunehmende Befürchtung, dass die schwache Produktion letztlich auf den Dienstleistungssektor übergreifen und das Verbrauchervertrauen belasten könnte.

Vor diesem Hintergrund änderte die US-Notenbank ihre Haltung und deutete baldige Zinssenkungen an, sollte dies nötig sein. Dennoch waren nicht alle Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed gänzlich von der Idee von Zinssenkungen überzeugt, denn nur die Hälfte von ihnen erwartet niedrigere Sätze. Allerdings preisen die Finanzmärkte laut den Geldmarkt-Futures bereits drei Zinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten in den nächsten zwölf Monaten ein. Es besteht die Gefahr, der Wirklichkeit zu weit vorauszueilen. All die Fantasien um Zinssenkungen haben zu einem ernstzunehmenden Rückgang der Anleihenrenditen rund um den Globus geführt. Der Prozentanteil der Anleihen mit negativen Renditen in den G10-Ländern hat einen neuen Rekord erreicht. Die Rentenmärkte erhielten auch Unterstützung von der EZB, da Mario Draghi eine noch lockerere Geldpolitik zur Ankurbelung von Konjunktur und Inflation andeutete. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen rutschten immer tiefer in den negativen Bereich ab.

Während vor allem Anleihen gekauft wurden, traf dies auf Aktien weniger zu. Laut aktuellen Erhebungen erhöhten die Anleger ihre Barbestände und reduzierten das Aktienengagement. Die Zunahme der „Cash-Bestände“ von Fondsmanagern zum Vormonat im Juni unterstreicht, dass die Anleger in Aktien alles andere als übergewichtet sind. Es gibt keine Anzeichen von Euphorie, die häufig ein Vorläufer für Abverkäufe am Markt ist. Daher ist die Positionierung der Anleger für die Aktienmärkte eigentlich ziemlich stützend. Ob dies ausreichen wird, um die Aktienkurse kurzfristig noch weiter nach oben zu treiben, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Im Juli werden die Unternehmensgewinne im Rahmen der Halbjahreszahlensaison, die Geopolitik und natürlich die makroökonomischen Daten über das Schicksal der Anleihen- und Aktienmärkte entscheiden. Die Analysten werden die Gewinne der US-Unternehmen in den kommenden Wochen besonders genau beobachten. An den Aktienmärkten sind defensive Titel seit Jahresbeginn besonders gut gelaufen. Wichtig wäre jetzt eine Bestätigung dafür, dass sich die Gewinnperspektiven von ihrer anhaltenden Talfahrt seit Jahresbeginn erholen, damit das Vertrauen der Anleger beflügelt wird. 

Aktien

DAX & Wall Street fast im Gleichschritt nach oben

Im Juni glichen die Börsen die im Mai erlittenen Verluste wieder aus und stiegen im Anschluss sogar noch etwas weiter. Um noch weiter emporzuklettern, sind gute Nachrichten vonnöten – wie ein Handelsabkommen zwischen den USA und China oder unerwartet hohe Gewinne. Doch abgesehen von einer einzigen Unterbrechung waren die Anpassungen der Gewinnprognosen von Analysten für 2019 insgesamt fast durchgehend negativ. Die Erwartungen für 2020 sind dagegen noch weitgehend unverändert. Daher sind die aktuellen Aktienkurse das Ergebnis einer Bewertungsexpansion. Aber obwohl die absoluten Bewertungsniveaus gestiegen sind, bleiben die relativen Niveaus vorwiegend aufgrund der sinkenden Anleihenrenditen attraktiv. Der veränderte Tonfall der US-Notenbank stützt höhere Kursniveaus, doch die Anleger dürften sich hüten, zu viel für künftige Gewinne zu zahlen. Um neue Rekordniveaus zu erreichen, werden aus unserer Sicht positive Gewinnmeldungen benötigt.  

Anleihen

Zehnjährige Staatsanleihenrenditen tauchen weiter ab

Mit Ausnahme von Norwegen schlugen die großen Zentralbanken der Industrieländer alle einen moderateren Kurs ein. Aufgrund der lockereren Geldpolitik sackten die Anleihenrenditen generell ab. Ein möglicher Stolperstein ist die Kluft, die sich zwischen den Erwartungen um Zinssenkungen und der Wirklichkeit der künftigen Zentralbankpolitik insbesondere im Hinblick auf die USA auftut. Es werden drei Zinssenkungen erwartet, auch wenn der aktuelle Offenmarktausschuss laut dem sogenannten offiziellen „Dot Plot“-Punktdiagramm der Fed mit einer geringeren Anzahl rechnet. Dennoch bleiben wir schon aus Risikogesichtspunkten in den trotz der jüngsten Renditerückgänge weiter attraktiv verzinsten sicheren US-Staatsanleihen engagiert. Auch halten wir nach wie vor Schwellenländeranleihen für attraktiv. 

Währungen

Hat der Euro die Talsohle erreicht?

Der Euro behauptete sich zumindest im Juni gegenüber dem US-Dollar gut. Dies war der erste positive Monat für die Einheitswährung. Dabei spielten einige Aspekte eine Rolle: Relativ betrachtet entwickelten sich die Wirtschaftsdaten für die USA im Vergleich zu den Markterwartungen schlechter als für die EU. Darüber hinaus ist der Renditeabstand zwischen aktuellen und prognostizierten Geldmarktsätzen geschrumpft. Auch das doppelte Defizit wird nicht kleiner, und Äußerungen aus dem Weißen Haus hatten angedeutet, dass die US-Währung überbewertet sei. Wir rechnen bis Jahresende weiterhin mit einem Kurs von 1,16 Dollar je Euro.
Das Pfund Sterling schwächelte infolge der gestiegenen Wahrscheinlichkeit für einen ungeregelten Brexit. Der norwegischen Krone kamen die restriktive Geldpolitik und die höheren Rohölpreise hingegen zugute. 

Rohstoffe

Die Goldbullen sind wieder da

Die Goldbullen sind wieder da. Der Preis des glänzenden Metalls hat die Marke von 1.400 US-Dollar je Unze geknackt und besitzt laut den meisten technischen Analysten noch weiteres Potenzial. Dieser Anstieg ist das Ergebnis der fallenden Realzinsen bzw. der erwarteten US-Leitzinssenkungen. Aber das Risiko, dass ein Handelskrieg zu einem Währungskrieg führen würde, könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Präsident Trump ist der Auffassung, dass der Dollar gegenüber den anderen Währungen zu stark ist und dass die anderen Zentralbanken eine Währungsabwertung ins Auge fassen. Dies könnte ein Teil der Wahrheit sein, doch der Umstand, dass die Anleihen renditen zunehmend in den negativen Bereich abrutschen, bedeutet, dass die Kosten für den Besitz von Gold günstiger werden. Da wir keine Änderung dieser Situation erwarten, dürfte der Goldpreis weiter steigen. Unsere Zielmarke bis Jahresende liegt nun bei 1.500 US-Dollar je Feinunze.

Quellen: Factset

Merck Finck Asset Allokation

Merck Finck Strategie Ausgewogen

Innerhalb der ausgewogenen Vermögensverwaltung legen wir unser Augenmerk unverändert auf eine defensive, substanzstarke Asset Allocation. Praktisch unverändert im Vergleich zum Vormonat blieb die Aktienquote, die lediglich aufgrund der starken Börsenerholung der jüngsten Zeit und einer Aufstockung eines Einzelwertes etwas angestiegen ist. Angesichts der Aussicht auf sinkende Realzinsen im Kontext der sich rapide ändernden Zinspolitik der US-Notenbank haben wir zuletzt unsere Goldallokation auf rund vier Prozent als Teil der alternativen Investments aufgestockt. Der Goldpreis konnte im Juni aus einer über sechs Jahre währenden Konsolidierungszone nach oben ausbrechen.

Rentenseitig nahmen wir im Bereich Schwellenländera nleihen einen Tausch vor, indem wir ein aktiv gemanagtes Fondsvehikel in zwei ETFs allozierten, die zum einen in US-Dollar-„Hard Currency“-Anleihen (auf Euro-Basis abgesichert), zum anderen in Schwellenländeranleihen in lokaler Währung investieren.

 

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Robert Greil, Chefstratege, über die Marktentwicklung

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