Marktkompass Februar 2019

Markterholung nach deutlicher Dezember-Korrektur

Die Geopolitik bestimmt weiterhin die Finanzmärkte. Aber auch insgesamt schwächere Makrodaten sorgen für Schlagzeilen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft erneut. Die Aktienmärkte hatten aber damit gerechnet und bereits im Dezember Kursverluste verzeichnet. Die enormen Kapitalabflüsse deuteten jedoch auf übertriebenen Pessimismus hin. In der Folge holten die Aktienmärkte einige Verluste des vergangenen Jahres wieder auf. Sie nutzten überdies den Rückenwind durch die US-Notenbank, die auf ihre Bereitschaft verwies, gegebenenfalls eine Pause in Sachen Leitzinsanhebungen einzulegen. Hintergrund ist neben dem offensichtlich langsameren globalen Wachstum das anhaltende Patt zwischen Demokraten und Präsident Trump hinsichtlich der Grenzmauer zu Mexiko, der zur längsten Haushaltssperre der US-Geschichte führte.

Auch die Erwartungen für das Gewinnwachstum sanken aus dem prozentual zweistelligen in Richtung eines mittleren einstelligen Bereichs weiter. Obwohl dies realistischer erscheint, könnte dieser Trend aus unserer Sicht noch weitergehen. Auch die Anleihenmärkte behaupteten sich, allen voran Unternehmensanleihen und US-Ramschanleihen. Da wir nach wie vor überzeugt sind, dass der US-Dollar seine starke Performance des vergangenen Jahres nicht wiederholen wird und sogar an Boden verlieren könnte, erscheinen uns Schwellenländeranleihen in lokaler Währung attraktiver. Angesichts ihrer auch ansprechenden Zinsaufschläge nehmen wir sie auf unsere Empfehlungsliste auf der Anleihenseite auf.

Insgesamt bestätigen wir jedoch unsere vorsichtige Anlagestrategie, da zahlreiche wichtige Ereignisse bevorstehen – vom Brexit bis hin zu den anhaltenden Handelsgesprächen zwischen den USA und China.

Aktuelle Entwicklungen

Aktien Small & Mid Caps USA
Anleihen Inflationsgeschützte Staatsanleihen Euroland und USA
  Kurzlaufende US-Staatsanleihen
  Europäische Hochzinsanleihen (kurze Laufzeiten)
  Anleihen in norwegischen Kronen
  Europäische forderungsbesicherte Anleihen (ABS)
  Neue Empfehlung: Schwellenländeranleihen in lokaler Währung
Alternative Marktneutrale Aktienstrategien
  Absolute-Bondreturn-Strategien
  Bold

Das Thema Brexit entwickelt sich immer mehr zu einer endlosen Geschichte. Mehrere Abstimmungen in Londons Unterhaus mündeten in einer angepeilten Nachverhandlung vor allem hinsichtlich der Nordirland-Frage mit Brüssel. Jedoch herrscht dort laut bisherigen Statements keine Bereitschaft zu Nachverhandlungen. Ob hier doch noch ein mehrheitsfähiger Kompromiss gefunden werden kann oder ob es auf ein zweites Referendum, eine Verlängerung der Frist von Artikel 50, gar Neuwahlen oder sogar auf einen Brexit ohne Austrittsvertrag hinausläuft, vermag niemand wirklich zu sagen. Ein harter Brexit würde das Wachstum in Großbritannien und in der Eurozone auf jeden Fall belasten.

Stillstand ist jedoch nicht nur eine britische Eigenheit. In den USA führte der Streit zwischen Demokraten und Präsident um die Grenzmauer zu Mexiko zur längsten Haushaltssperre der US-Geschichte. Die Folgen liegen auf der Hand. 800.000 Staatsbedienstete wurden nicht bezahlt. Laut Analysten könnte jede Woche der Haushaltssperre 0,08 % US-Wirtschaftswachstum kosten. Immerhin wurde der Stillstand nach 35 Tagen beendet – aber laut Präsident Trump nur für drei Wochen, sofern keine Einigung mit dem Kongress erzielt wird. Zudem spüren US-Unternehmen, die Geschäfte in China machen, die Zuspitzung des Handelsstreits. So ist etwa Apples Gewinnwarnung angeblich ausschließlich auf einen schwächeren Konsum in China zurückzuführen.

Die chinesischen Behörden sind derweil ebenfalls nicht untätig. Peking hat mit einer stärkeren Verlangsamung zu kämpfen, und die Wachstumsrate fiel von 6,5 % im dritten Quartal auf 6,4 % im vierten. Daher ist weiterhin mit Stützungsmaßnahmen zu rechnen. Geldpolitisch gehört dazu die kürzliche Senkung des Mindestreservesatzes um 100 Basispunkte. Für den Export-, Konsum- und Produktionsbereich werden fiskalpolitische Anreize umgesetzt. Anders als früher setzt Peking jedoch nicht nur Infrastrukturmaßnahmen als Hebel ein, denn dies hatte massiv zu Überangebot und -kapazitäten geführt. Nun wird auf breiterer Basis an mehreren Stellschrauben gleichzeitig gedreht.

Die Zentralbanken verfolgen immer aufmerksamer die weltweite Wachstumsverlangsamung und den Rückgang der Inflationstrends. In den USA signalisierte die US-Notenbank mehr Flexibilität bei ihrem restriktiven Kurs, sollte dies auf Basis der Daten erforderlich werden. In Japan senkte die Zentralbank ihre Inflationserwartungen, und die EZB scheint bereit, es ihr gleichzutun, da die jüngsten Daten den Abwärtstrend belegen. Daher stellt sich die Frage, ob wir erneut in eine Phase sogenannter säkularer, durch niedriges Wachstum und Desinflation gekennzeichneter Stagnation eingetreten sind.

Aktien

Aktien mit Erholung von den Dezember-Tiefs

Aktien vollführten im Dezember einen wilden Ritt, und es kam zu massiven Kapitalabflüssen. Die Wachstumsverlangsamung, die ausbleibende Lösung bei der US-Haushaltssperre und auch der Handelskrieg forderten ihren Tribut. Unterdessen sanken die Prognosen für das Gewinnwachstum 2019 aus dem zweistelligen in Richtung des mittleren einstelligen Bereichs. Auch dies könnte noch zu optimistisch sein. Die niedrigeren Erwartungen behagten den Aktienmärkten nicht, jedoch sorgten Hoffnungen auf eine Lösung des Handelskonfliktes USA/China im Januar auf Basis der überverkauften Kursniveaus vom Jahresende für eine spürbare Erholung an den Börsen. Anleger konzentrieren sich zunehmend auf die Qualität der Bilanzen. Daher bleiben solide aufgestellte Unternehmen mit attraktiven Dividenden erste Wahl. Unsere regionalen Präferenzen bleiben vorerst unverändert.

Anleihen

Schwellenländeranleihen in lokaler Währung hatten bereits im September die Talsohle erreicht

Die Lage am Anleihenmarkt verbesserte sich insbesondere in Europa, wo die Inflation wieder zurückgeht und die Zweifel, dass die EZB die Zinssätze anheben wird, zunehmen. Der große Abverkauf bei Unternehmensanleihen zum Ende des vergangenen Jahres kehrte sich im Januar insbesondere im US-Hochzinsbereich in eine deutliche Erholung um. Aber auch am Markt für Schwellenländeranleihen ist der Hunger zurück. Aus unserer Sicht zu Recht. Falls die Fed eine Pause bei ihren Leitzinsanhebungen einlegt, verliert der US-Dollar für die Währungen der Schwellenländer seinen Schrecken. Daher könnten die Anleger weiter zurückkehren, um von den verlockenden Zinsaufschlägen zu profitieren. Daher empfehlen wir nun Schwellenländeranleihen in lokaler Währung. Unsere grundsätzliche Haltung gegenüber Staats- und Unternehmensanleihen im Euroraum bleibt unverändert.

Währungen

Vorerst anhaltender Seitwärtstrend

Der Euro-Dollar-Wechselkurs bleibt in der Spanne zwischen 1,12 und 1,15 im Seitwärtstrend. Dennoch verlor die US-Währung seit Ende November gegenüber Schwellenländerwährungen an Boden. Dies war dem geänderten Ausblick und der Haushaltssperre zuzuschreiben. Auch das wachsende Defizit ist keine Hilfe. Natürlich werfen Brexit und Haushaltsprobleme, die in Europa nach wie vor sehr gegenwärtig sind, die Frage nach dem Potenzial der Einheitswährung auf. Vorhersagen zum Pfad des britischen Pfunds hängen vor allem von der Lösung der Brexit-Frage ab. Und falls das weltweite Wirtschaftswachstum ins Schlingern gerät und die Märkte unruhiger werden, wird dies dem Yen und dem Schweizer Franken zugutekommen. Insofern ändern sich unsere Währungseinschätzungen nicht.

Rohstoffe

Momentum beim Goldpreis gewinnt an Stärke

Wir haben unsere Sechsmonats-Prognosen für den Öl-und Goldpreis geändert. Im Hinblick auf das Öl bleibt aus unserer Sicht die US-Förderung der preisbestimmendste Faktor. Höhere Ölpreise bedeuten eine höhere US-Förderung, niedrigere Preise das Gegenteil. Angesichts einiger Zweifel am Wachstum und somit an der Nachfrage haben wir unsere Prognose für Brent von bislang 70 US-$ auf 60 US-$ je Barrel reduziert. Im Hinblick auf Gold sprechen die zunehmende Unsicherheit und das Potenzial für zusätzliche Schwankungen an den Finanzmärkten für eine höhere Nachfrage der Anleger. Auch die nachlassende Dollar-Stärke beflügelt den Goldpreis. Wir erhöhten unsere Sechsmonats-Kursziel von 1.300 auf 1.350 US-$ je Feinunze. Da die meisten Anleger bei Gold nach wie vor untergewichtet sind, hat das Edelmetall noch mehr Potenzial.

Quellen: Factset

Merck Finck Asset Allokation

Merck Finck Strategie Ausgewogen

Innerhalb unserer ausgewogenen Vermögensverwaltung bleiben wir der robusten Asset Allocation treu. So haben wir im Januar unser Aktien-Exposure nochmal leicht reduziert, um unserer vorsichtigen Anlagestrategie gerecht zu werden. Wir haben Japan reduziert, da sich das ökonomische Bild abgeschwächt hat und wir antizyklisch nach der Markterholung Gewinne mitnehmen, um die Aktienquote etwas abzusenken. Zudem stocken wir Schwellenländer-Aktien leicht auf. Da wir zudem aufgrund attraktiver Renditeaufschläge Emerging-Markets-Anleihen empfehlen, haben wir auf der Rentenseite Emerging Markets Bonds aufgestockt.

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Robert Greil, Chefstratege, über die Märkte im Februar 2019.

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