Investment mit „doppelter“ Rendite

Ein Meinungsbeitrag von Georg Kaaserer.

Geld investieren, Erträge erwirtschaften und dabei Gutes tun: Dies wünscht sich so mancher Investor, weiß aber nicht, welches Anlagevehikel dafür geeignet ist. Eine mögliche Lösung sind Mikrofinanzfonds. Sie bündeln das Geld der Investoren und vergeben relativ kurz laufende Darlehen an sogenannte Mikrofinanzinstitute. Diese Institutionen, teilweise besitzen sie Banklizenzen, sitzen vorwiegend in Schwellenländern und versorgen ihre Kunden – arme und ärmste, aber unternehmerisch aktive Menschen – mit Kleinstkrediten, beispielsweise 100 US-Dollar in der jeweiligen Landeswährung.

Anleger erhalten eine „doppelte Rendite“: Neben dem ökonomischen wird auch ihr soziales Engagement belohnt, denn ihr Geld hilft den Mikrokreditnehmern, sich und ihre Familien aus der Armut zu befreien. Zudem beschleunigt die Tätigkeit der Mikrofinanzinstitute den Aufbau eines funktionierenden Geld- und Wirtschaftskreislaufs in den jeweiligen Ländern, und verschafft den Armen Zugang zu Basisfinanzdienstleistungen, von denen sie bislang weitgehend ausgeschlossen waren. Schätzungen der Weltbank zufolge haben ein Drittel aller erwerbsfähigen Erwachsenen weltweit kein Konto bei einer formellen Finanzinstitution.

Hoher Frauenanteil

„Hilfe zur Selbsthilfe“ ist die Idee dahinter, die neben anderen vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus in Bangladesch vorangetrieben wurde und die sich mittlerweile über die ganze Welt ausgebreitet hat. Trotzdem die Kreditnehmer oft keine Sicherheiten zu bieten haben, sind die Ausfallraten der Kleinstkredite extrem niedrig, was u.a. an der Ausreichung an Kollektive (die Einzelkreditnehmer bürgen füreinander) und dem Stolz der Schuldner liegt. Bemerkenswert ist der hohe Frauenanteil unter den Kreditnehmern . Oft helfen die Institute auch bei der Businessplanung und geben Schulungen.

Mikrofinanzkreislauf

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Manchmal wird den Mikrofinanzinstituten vorgeworfen, von den Schuldnern viel höhere Zinsen zu verlangen als nötig. Tatsächlich sind die Kreditkosten optisch hoch und können sich – je nach Land und Institut – auch in Regionen über 10 oder 20 Prozent bewegen. Der Grund sind die Arbeitsbedingungen der Institute: Die Zinsniveaus in Schwellenländern sind generell deutlich höher als in etablierten Volkswirtschaften, auch aufgrund der meist höheren Inflation. Die lokale Währung kann nur schwer und unter hohen Kosten gegenüber den großen Währungen wie Euro oder US-Dollar abgesichert werden.

Die Vertriebskosten für die Mikrofinanzinstitute sind sehr hoch, da sie oft in entlegenen Gegenden mit schlechter Infrastruktur operieren. All das führt zu höheren Zinsen, als sie in westlichen Ländern gewohnt sind. Die Alternative ist oft nur der örtliche Wucherer, der noch weit höhere Zinsen verlangt und dem die Menschen dann ausgeliefert wären, gäbe es keine Mikrofinanzinstitute.

Diversifizierung und Durchleuchtung

Risiken gibt es mehr auf Seiten der Mikrofinanzinstitute selbst, beispielsweise durch Betrug, oder durch externe Einflüsse wie Politik, Umweltkatastrophen, Kriege, Wäh-rungsschwankungen oder Liquidität der Fonds. Des Öfteren schon mussten Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren einzelne Darlehen teilweise oder ganz abschreiben. Die meisten kalkulieren dies mit ein und versuchen, den Einzelrisiken mit Diversifizierung und einer genauen Durchleuchtung („Due Diligence“) der Institute, an die sie die Darlehen vergeben, zu begegnen.

Ähnlich wie bei Immobilienfonds sind Mikrofinanzfonds nicht täglich erwerb- oder verkaufbar, meist gibt es einen Termin pro Monat, an dem dies möglich ist. Mikrofinanzfonds bergen für den Investor also Kurs- und Liquiditätsrisiken. Unter dem Strich hat sich die Wertentwicklung der Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren als recht schwankungsarm – etwa im Bereich von Geldmarktfonds – herausgestellt. Sie ist überdies weitgehend unabhängig von den Bewegungen an den großen Aktien- und Rentenmärkten der Welt und von daher als Beimischung dazu geeignet, das Gesamtportfoliorisiko zu senken.

Dennoch ist auch diese Asset-Klasse vom weltweiten Niedrigzinsumfeld beeinflusst. Renditen von vier oder fünf Prozent pro Jahr, wie sie teilweise vor der Finanzkrise üblich waren, gehören der Vergangenheit an. Heute hat ein Mikro-finanzfonds gut gearbeitet, wenn er für den Euro-Anleger ein oder zwei Prozent pro Jahr nach Kosten erwirtschaften kann. Dafür sind die durchschnittlichen Restlaufzeiten der Kredite im Fonds mit ein bis drei Jahren relativ gering.

Mikrofinanzfonds gibt es seit Jahren auf dem Markt, dennoch ist die Assetklasse relativ unbekannt. Lange Zeit waren die Fonds aufgrund regulatorischer Vorschriften in Deutschland nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Im Jahr 2011 erhielt der erste Fonds, der Invest in Visions Mikrofinanzfonds, seine Zulassung. Seitdem sind einige weitere dazugekommen.

Fazit

Merck Finck ist für seine Kunden seit einigen Jahren in Mikrofinanzfonds engagiert. Wir sind davon überzeugt, dass diese Anlagevehikel weiterhin eine gute Portfoliobeimischung darstellen: Sie senken durch ihren geringen Gleichlauf mit anderen Asset-Klassen das Portfoliorisiko, weisen ein sehr geringe Volatilität auf und liefern dem Anleger nicht nur „eine“, sondern eben gleich „zwei“ Renditen.

Georg Kaaserer ist Finanzanalyst bei Merck Finck Privatbankiers AG. Die in diesem Dokument enthaltenen Aussagen und Ansichten sind diejenigen des Autors zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels und können sich ändern. Dieser Artikel ist zudem allgemeiner Natur und stellt keine Rechts-, Wirtschafts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

 

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Georg Kaaserer - Finanzanalyst bei Merck Finck Privatbankiers AG