Blick über die Märkte vom 11. Juli 2022

Blick über die Märkte vom 11. Juli 2022

Nach der leichten Aktienmarkterholung der Vorwoche stehen die Kurse heute Vormittag überwiegend unter Druck.

Nach der leichten Aktienmarkterholung der Vorwoche stehen die Kurse heute Vormittag überwiegend unter Druck. Schwerwiegende politische Nachrichten, angefangen vom Rückzug des britischen Noch-Premierministers Boris Johnson als Parteivorsitzender der Konservativen bis zur Ermordung des wichtigsten japanischen Politikers des letzten Jahrzehnts, dem für seinen "Abenomics" getauften Wirtschaftskurs bekannten Shinzo Abe, prallten an den Märkten ab. Denn an der Börse dominieren derzeit vor allem zwei andere Themen: 1. wann die Fed damit beginnt, ihren Fuß zumindest etwas von der geldpolitischen Bremse zu nehmen, und 2. künftige Gaslieferungen aus Russland, wobei ab heute wegen geplanter Wartungsarbeiten für etwa zehn Tage kein Gas mehr durch die wichtigste russische Pipeline nach Deutschland, Nordstream I, fließt. Die große Frage ist dabei, ob Russland danach wieder Gas liefern wird und wenn wie viel. Positiv könnte dabei wirken, dass der Westen nun trotz aller Sanktionen eine gewartete riesige Gasturbine an Russland liefern will - allerdings bleibt trotzdem fraglich, ob Moskau etwa ab dem 22. Juli wieder Gas durch die Pipeline schickt oder nicht. Jedenfalls bastelt die Bundesregierung schon an Gesetzen, die dem Bund Beteiligungen an Energieunternehmen ermöglichen, sollten diese in Schieflage kommen. Klar ist: Die Lage ist kritisch, die Angst vor Gasengpässen im nächsten Winter nimmt derzeit zu - und damit die Rezessionswahrscheinlichkeit in Deutschland und der Eurozone, denn diese Entwicklung verunsichert Verbraucher wie Unternehmen.
Die Konjunkturdaten der vergangenen Woche deuten auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, aber keinen Absturz hin. Dies spricht für eine gemächlichere Dynamik der Anleiherenditen. Besonders wichtig ist der starke US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag: Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft übertraf die Konsenserwartungen (372.000 gegenüber 265.000 erwarteten neuen Jobs). Auf dieser Basis rechnen die Märkte für die nächste Fed-Sitzung am 27. Juli mit einer erneuten Leitzinserhöhung um 75 Basispunkte auf dann 2,25 % bis 2,50 %. Der chinesische Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor erholte sich im Juni sehr deutlich. Der Bericht enthielt aussagekräftige Details, die auf weitere Fortschritte hindeuten: Die befragten Unternehmen gaben an, dass die verbesserte chinesische Covid-Situation und die Lockerung der Beschränkungen die Erholung unterstützten. In den USA sank der wichtigste Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Juni weniger stark als befürchtet und avisiert damit weiterhin Wachstum, deutet aber auf einen Rückgang der Auftragseingänge und der Neueinstellungen hin. Und in Deutschland rutschte die Handelsbilanz im Mai erstmals in ein Defizit, nachdem die Exporte im Monatsvergleich leicht sanken, die Importe dafür aber spürbar zulegten. Die Auftragseingänge stagnierten im Mai gegenüber April und blieben - wie auch die deutsche Produktion - unter Vorjahresniveau. In diesem gerade für die Eurozone mehr und mehr für eine mögliche Rezession sprechenden Umfeld wertete der Euro zum US-Dollar weiter ab und näherte sich der Parität, was nicht zuletzt an den Energiesorgen hier zu Lande und in Westeuropa generell liegt. China hat immer noch ein ehrgeiziges Wachstumsziel von 5,5 %, das ohne zusätzliche fiskalische Unterstützung wahrscheinlich nicht erreicht werden kann. Eine Ankurbelung der chinesischen Infrastrukturausgaben könnte die Preise für Industriemetalle stützen, die sich in diesem Jahr bisher unterdurchschnittlich entwickelt haben. Auch der chinesische Aktienmarkt könnte davon profitieren. Der Goldpreis hat sich unterdurchschnittlich entwickelt, was hauptsächlich auf den starken Dollar und die steigenden Realrenditen zurückzuführen ist. Ein gewisser Aufwärtsimpuls für den Goldpreis könnte sich einstellen, sobald der Markt mehr Anzeichen für eine Mäßigung des Straffungstempos der Fed sieht. Im Moment ist dies allerdings noch nicht der Fall, da der Arbeitsmarkt angespannt ist.

RELATIVE TAKTISVCHE ASSET-ALLOKATION
Unsere Anlagestrategie bleibt weiterhin auf Diversifikation ausgerichtet. Dabei bleiben wir bei unserer übergewichteten Aktienposition mit einer anhaltenden Präferenz für die USA gegenüber Europa und Japan. Zudem übergewichten wir auch Aktien der aus unserer Sicht insgesamt attraktiv bewerteten Schwellenländer, in denen mit Blick nach vorne teilweise auch wieder mehr geldpolitische Lockerungsmaßnahmen wahrscheinlich sind. Unsere strukturellen Branchenfavoriten lauten nach wie vor Technologie und Gesundheit.
Auf der Rentenseite favorisieren wir weiterhin Schwellenländer-Staatsanleihen in Hartwährung, nachdem wir unsere Übergewichtung von asiatischen Hochzinsanleihen gegenüber niedrig verzinslichen Anleihen beendet haben, da die Ausfallerwartungen für asiatische Hochzinspapiere gestiegen sind und Chinas Lockerungsschritte nicht zu sinkenden Risikoaufschlägen geführt haben. Gold bleibt ein Kernbestandteil von Portfolios. 

Das vollständige PDF zum Herunterladen finden Sie hier.



 





*Die dem vorliegenden „Blick über die Märkte“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten  Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteilzum Zeitpunktder Veröffentlichung des „Blicks über die Märkte“dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Blick über die Märkte“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder  eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar.  Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2020: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch