„Blauer Tsunami“ ändert Machtverhältnis in Washington

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen einen Erdrutschsieg errungen und sowohl die Mehrheit im Repräsentantenhaus als auch im Senat übernommen. 
     
  • Da Kongress und Weißes Haus nun von gegnerischen Parteien kontrolliert werden, werden größere Änderungen in den Bereichen Steuern, Ausgaben und Regulierung schwieriger. Dies könnte zu mehr politischer Kontinuität führen, auch wenn Spannungen in Bereichen wie Handel und KI wahrscheinlich anhalten. 
     
  • Das Ergebnis ändert nichts an unserer Anlagestrategie. Wir bleiben bei einer leichten Übergewichtung von Aktien und US-Staatsanleihen und erwarten, dass sich der US-Dollar weitgehend seitwärts bewegen wird. 

Washington steht vor zwei Jahren des politischen Stillstands 

Die endgültigen Ergebnisse der „Midterms" müssen noch bestätigt werden, doch der politische Ausgang steht bereits fest. Die Demokraten haben sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewonnen und übernehmen damit für die zweite Hälfte der Amtszeit von Präsident Trump die Kontrolle über den Kongress. 

Damit ist die Macht in Washington geteilt. Da die Demokraten den Kongress und die Republikaner das Weiße Haus kontrollieren, werden weitreichende Gesetzesänderungen nun erheblich schwieriger. 

Für Anleger könnte diese geteilte Regierung weniger politische Veränderungen mit sich bringen. Keine der beiden Seiten wird in der Lage sein, wichtige Gesetze allein durchzusetzen, was die Wahrscheinlichkeit umfassender Änderungen bei Steuern, Ausgaben oder Regulierung verringert. Kompromisse und Pattsituationen könnten daher das Bild in Washington in den Jahren 2027 und 2028 prägen. 

Zusammensetzung des neuen US-Kongresses nach den Zwischenwahlen

Quellen: Internes Research, CNN (eindeutig zugewiesene Sitze zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels) 

Die Kontrolle über beide Kammern verschafft den Demokraten erheblich mehr Einfluss auf die zweite Hälfte der Amtszeit von Präsident Trump. Der Senat wird eine wichtige Rolle bei der Bestätigung hochrangiger Ernennungen spielen, darunter Richter und Vertreter der Federal Reserve (Fed), während das Repräsentantenhaus die Zuständigkeit für Bereiche wie Ausgaben, Steuern, Haushalte und die Aufsicht durch den Kongress hat. 

Da die Verabschiedung wichtiger Gesetze schwieriger wird, könnte sich Präsident Trump zunehmend auf Bereiche konzentrieren, in denen die Befugnisse des Präsidenten stärker sind. Handelspolitik, Zölle und Außenpolitik könnten daher in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit an Bedeutung gewinnen. 

Dennoch erwarten wir eher eine größere politische Kontinuität als einen grundlegenden finanz- oder regulierungspolitischen Kurswechsel. Einige Sektoren könnten stärker in den Fokus rücken, insbesondere Bereiche, die von der Trump-Regierung bevorzugt werden, wie fossile Brennstoffe und künstliche Intelligenz. Eine strengere Überprüfung des Ausbaus von Rechenzentren in einigen Bundesstaaten könnte beispielsweise die regulatorischen Bedenken im Zusammenhang mit dem Investitionszyklus im Bereich der künstlichen Intelligenz verstärken. 

Für die Wirtschaft insgesamt hat sich unsere Einschätzung jedoch nicht geändert. Das Wahlergebnis verändert unseren Ausblick für das US-Wachstum bis 2028 nicht wesentlich. Zum jetzigen Zeitpunkt rechnen wir weiterhin damit, dass das Wirtschafts- und Gewinnwachstum in den USA solide bleiben wird. 


Ein „Blue Sweep“ beseitigt das politische Risiko nicht

Verstärkte gesetzgeberische Einschränkungen sollten nicht mit politischer Ruhe verwechselt werden. 

Die unmittelbare Zeit nach der Wahl könnte weiterhin von Unsicherheit geprägt sein, falls die Ergebnisse angefochten werden oder zu rechtlichen Auseinandersetzungen, Demonstrationen oder einer umfassenderen politischen Konfrontation führen. Die Märkte könnten zudem zeitweise mit Spannungen im Zusammenhang mit Haushaltsverhandlungen, Regierungsstillständen und der US-Schuldenobergrenze konfrontiert sein. 

Die Außenpolitik ist ein weiterer Bereich, in dem der Kongress grundsätzlich weniger Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse haben wird. Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Iran und der Ukraine könnten weiterhin Unsicherheit hervorrufen, während weitere Änderungen der US-Handelspolitik oder der Zölle möglich bleiben. 

Diese Risiken könnten zu Phasen der Marktvolatilität führen. Sobald jedoch die unmittelbare Wahlunsicherheit nachlässt, dürfte eine geteilte Regierung die Wahrscheinlichkeit plötzlicher, weitreichender Veränderungen in der Innenpolitik verringern. 

Die Aufmerksamkeit dürfte sich dann wieder auf die Faktoren richten, die einen nachhaltigeren Einfluss auf die Märkte haben: Inflation, Fed-Politik, Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne und der anhaltende Investitionszyklus rund um KI. 

 

Das Ergebnis bestätigt unsere Anlagestrategie  

Wir bewerten das Wahlergebnis für US-Aktien auf sehr kurze Sicht als leicht negativ. Die ersten Marktreaktionen spiegelten Bedenken hinsichtlich der geringeren Aussichten auf eine weitere fiskalische Expansion sowie potenzieller regulatorischer Hindernisse für KI wider. 

Diese Bedenken ändern jedoch nichts an unserer allgemeinen mittelfristigen Anlageeinschätzung. Politische Blockaden haben in der Vergangenheit die Wahrscheinlichkeit erheblicher politischer Kurswechsel verringert und können Unternehmen und Anlegern eine klarere Planungsgrundlage bieten. Wir behalten daher unsere leicht übergewichtete Position in Aktien bei, wobei wir den Schwerpunkt auf qualitativ hochwertige Unternehmen und widerstandsfähige Gewinne legen. 

Für US-Staatsanleihen erscheint das Ergebnis leicht positiv. Die demokratische Kontrolle über den Kongress dürfte die Wahrscheinlichkeit einer weiteren großen fiskalischen Expansion verringern und damit auch einen Teil des Drucks auf weitere Erhöhungen der Staatsverschuldung mindern. Inflation und Geldpolitik werden jedoch weiterhin die wichtigeren Einflussfaktoren auf die Anleiherenditen bleiben. Wir halten weiterhin eine leicht übergewichtete Position von US-Staatsanleihen, die für Erträge und Diversifizierung innerhalb der Portfolios sorgen. 

Die unmittelbaren Auswirkungen auf den US-Dollar scheinen ebenfalls leicht negativ zu sein, da die Währung zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts gegenüber dem Euro etwas schwächer notiert. Wir halten dennoch an unserer Einschätzung fest, dass sich der Kurs in den kommenden Monaten weitgehend seitwärts bewegen wird. 

 

Die Geschichte gibt Anlass zur Zuversicht 

Es ist unwahrscheinlich, dass die Märkte bis zum Amtsantritt des neuen Kongresses am 3. Januar 2027 warten werden, bevor sie auf die veränderte politische Landschaft reagieren. Historisch betrachtet war die Zeit nach den Zwischenwahlen oft günstig für US-Aktien. 

Bei unserer Analyse vergleichbarer Zeiträume seit 1970 folgte auf vier der sechs starken Zwischenwahljahre ein weiteres positives Jahr. Das dritte Jahr des US-Präsidentschaftszyklus, das im aktuellen Zyklus auf das Jahr 2027 fällt, war historisch gesehen zudem das stärkste Jahr für den Leitzindex S&P 500. Eine noch längerfristige Analyse der Entwicklung an der Wall Street in den Wochen nach den Zwischenwahlen zeigt eine positive durchschnittliche Performance bis zum Jahresende. 

 

Wall Street verzeichnete nach Zwischenwahlen in der Regel bis zum Jahresende Kursgewinne

S&P 500 Midterm Cycle

Quellen: Internes Research, Bloomberg. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. 


Die Geschichte dient allerdings eher als nützlicher Anhaltspunkt denn als Prognose. Jede Wahl findet vor einem anderen wirtschaftlichen und geopolitischen Hintergrund statt, und die Wertentwicklung in der Vergangenheit sagt nichts darüber aus, wie sich die Märkte in Zukunft entwickeln werden. Sie untermauert jedoch unsere allgemeine Einschätzung, dass die Midterms selbst den Anlageausblick wohl nicht bestimmen werden. Letztendlich erwarten wir, dass Wirtschaftswachstum, Inflation, Zinssätze und Unternehmensgewinne eine größere Rolle spielen werden als Washington 

 

Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.  

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