Der unterschätzte Vorteil
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Das Wichtigste in Kürze
- Studien zeigen: Frauen erzielen beim Investieren häufig bessere Renditen als Männer.
- Hauptgründe sind ein langfristiger Anlagehorizont, breitere Diversifikation und weniger impulsive Entscheidungen.
- Die größte Herausforderung ist nicht das Investieren selbst, sondern überhaupt den Schritt an den Kapitalmarkt zu wagen.
- Geduld, Disziplin und Besonnenheit können langfristig zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Vermögensaufbau gehören.
Der unterschätzte Vorteil: Warum Frauen oft die besseren Anlegerinnen sind
Es gibt ein hartnäckiges Bild von der Frau und dem Geld: vorsichtig, zögerlich, lieber auf dem Sparbuch als am Kapitalmarkt. Dieses Bild wird gern als Schwäche erzählt. Die Daten erzählen eine andere Geschichte. Wenn man untersucht, wer am Ende tatsächlich die besseren Renditen erzielt, zeigt sich über Studie um Studie hinweg ein bemerkenswert stabiles Ergebnis: Frauen schneiden im Schnitt besser ab als Männer. Nicht, weil sie die klügeren Aktien auswählen – sondern weil sie seltener die Fehler machen, die auf lange Sicht wirklich Geld kosten. Das ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Haltung. Und diese Haltung lässt sich verstehen, benennen und gezielt einsetzen.
Frauen und Geldanlage: Was die Daten wirklich zeigen
Beginnen wir mit der Studie, die das Thema begründet hat. Die Finanzwissenschaftler Brad Barber und Terrance Odean werteten in ihrer viel zitierten Untersuchung „Boys Will Be Boys" die Depots von rund 35.000 Haushalten aus. Ihr Befund: Männer handelten etwa 45 Prozent häufiger als Frauen – und genau dieses häufige Handeln schmälerte ihre Rendite. Bei Männern kostete das Übermaß an Aktivität rund 2,65 Prozentpunkte Rendite pro Jahr, bei Frauen nur 1,72 Prozentpunkte.
Das ist kein Einzelbefund. Fidelity untersuchte über zehn Jahre hinweg 5,2 Millionen Depots und fand, dass Frauen ihre männlichen Pendants im Schnitt um 0,4 Prozentpunkte pro Jahr übertrafen. Das klingt nach wenig – über Jahrzehnte und mit Zinseszins wird daraus ein erheblicher Unterschied. Die Warwick Business School kam bei 2.800 untersuchten Anlegerinnen und Anlegern sogar auf einen Vorsprung von 1,8 Prozentpunkten jährlich. Und Vanguard dokumentierte, dass Frauen sich nur halb so oft in ihre Depots einloggen wie Männer.
Warum Anlegerinnen häufig bessere Renditen erzielen
Der gemeinsame Nenner all dieser Studien ist nicht Begabung, sondern Verhalten. Drei Muster tauchen immer wieder auf.
- Erstens: weniger handeln. Jeder Kauf und Verkauf kostet – Gebühren, Steuern und, am teuersten, das Risiko, zum falschen Zeitpunkt aus dem Markt zu gehen. Frauen halten ihre Anlagen im Schnitt länger und schichten seltener um. In turbulenten Marktphasen zeigt sich das besonders deutlich: An zwei extremen Verlusttagen des Jahres 2018 waren männliche Anleger 76 beziehungsweise 87 Prozent häufiger bereit zu verkaufen als weibliche. Ruhe zu bewahren, wenn andere in Panik verkaufen, ist einer der wertvollsten Reflexe an der Börse.
- Zweitens: breiter streuen. Auswertungen von Vanguard und Fidelity zeigen, dass Frauen tendenziell ausgewogenere, stärker diversifizierte Portfolios halten, statt auf einzelne Wetten zu setzen. Diversifikation ist der einzige Rendite-Baustein, den man geschenkt bekommt – sie senkt das Risiko, ohne die erwartete Rendite zu opfern.
- Drittens: realistische Selbsteinschätzung. In einer FINRA-Befragung bewerteten nur 29 Prozent der Frauen ihr Anlagewissen als hoch, gegenüber 46 Prozent der Männer – und das, obwohl die Frauen im Schnitt die besseren Ergebnisse erzielten. Was auf den ersten Blick nach Zurückhaltung aussieht, ist in Wahrheit ein Schutz vor Selbstüberschätzung, dem teuersten Reflex überhaupt.
Die zwei Seiten der Medaille
Ehrlich betrachtet hat dieselbe Zurückhaltung auch eine Kehrseite, und die verschweigen wir nicht. Wer aus Vorsicht ganz am Kapitalmarkt vorbeigeht und Vermögen jahrelang auf dem Konto liegen lässt, verschenkt Rendite an die Inflation – und diese Gefahr trifft Frauen empirisch häufiger. Der entscheidende Punkt ist aber: Das ist ein überwindbarer Punkt, kein Wesensmerkmal. Es geht nicht darum, die eigene Besonnenheit abzulegen. Es geht darum, sie mit dem entscheidenden ersten Schritt zu verbinden – dem Schritt in den Markt hinein. Besonnenheit plus Beteiligung ist die stärkste Kombination, die es beim Anlegen gibt.
Genau darin liegt die eigentliche Botschaft: Die Eigenschaften, die Frauen oft mitbringen – Geduld, Disziplin, ein nüchterner Blick auf die eigenen Grenzen –, sind keine zu behebenden Defizite. Sie sind der Rohstoff hervorragender Anlageentscheidungen. Was es braucht, ist nicht ein anderer Charakter, sondern die richtige Struktur, in der diese Stärken wirken können.
Unsere Rolle dabei
Wir bei Merck Finck kennen beide Seiten dieser Medaille – die strukturellen Hürden, vor denen Frauen beim Vermögensaufbau stehen, ebenso wie die Stärken, die sie mitbringen. Unsere Aufgabe sehen wir nicht darin, Ihnen einen bestimmten Anlagestil überzustülpen, sondern darin, Ihre vorhandenen Stärken in eine Strategie zu übersetzen: diszipliniert, breit aufgestellt und vor allem auf lange Sicht angelegt. Als eine der ältesten Privatbanken Deutschlands begleiten wir Sie dabei mit Erfahrung und ohne Hektik. Wenn Sie Ihre Stärken zur Grundlage Ihrer Vermögensstrategie machen möchten, sprechen Sie mit uns.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung. informieren.
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