Der unterschätzte Vorteil
8 mins to read this article
Das Wichtigste in Kürze
- Nachhaltiges Investieren muss nicht zulasten der Rendite gehen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Unternehmen mit guten Nachhaltigkeitsstandards langfristig oft ebenso gute oder bessere Ergebnisse erzielen.
- Greenwashing ist ein reales Risiko, daher sollten Anleger nicht nur auf Labels wie „ESG“ oder „nachhaltig“ achten, sondern die zugrunde liegenden Kriterien prüfen.
- Anleger können mit ihrem Kapital Einfluss nehmen. Als Investoren fördern sie bestimmte Geschäftsmodelle und können über Aktionärsrechte Veränderungen anstoßen.
- Nachhaltigkeit und Rendite sind keine Gegensätze. Nachhaltigkeitskriterien können vielmehr als zusätzlicher Qualitäts- und Risikofilter dienen.
- Frauen investieren überdurchschnittlich häufig nachhaltig, was gut zu Eigenschaften wie langfristigem Denken, Risikobewusstsein und Qualitätsorientierung passt.
Grün und gründlich: Drei Mythen und drei Wahrheiten über nachhaltiges Investieren
Als in diesem Sommer zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen die Thermometer in Deutschland auf Werte nahe 40 Grad kletterten – nach dem historischen Allzeitrekord von 41,8 Grad im Juni –, wurde vielen wieder bewusst, dass der Klimawandel keine ferne Prognose mehr ist, sondern die Gegenwart. Solche Sommer verändern nicht nur, wie wir leben. Sie verändern auch, wie viele Menschen über ihr Geld nachdenken. Denn Kapital ist nie neutral: Es fließt immer irgendwohin, finanziert das eine und eben nicht das andere.
Viele Anlegerinnen möchten heute nicht nur Rendite erzielen, sondern auch wissen, welche Wirkung ihr Kapital entfaltet. Entsprechend überrascht es nicht, dass Frauen beim nachhaltigen Investieren eine Vorreiterrolle einnehmen. Auswertungen der Consorsbank zeigen, dass 2023 in 41,9 Prozent der aktiven Depots von Frauen als nachhaltig eingestufte Fonds und ETFs lagen – ein spürbar höherer Anteil als bei Männern. Doch rund um das nachhaltige Investieren ranken sich hartnäckige Missverständnisse. Es lohnt, drei davon nüchtern zu prüfen – und drei Dinge festzuhalten, die tatsächlich stimmen.
Kostet nachhaltiges Investieren Rendite?
Das ist der beharrlichste Einwand – und der am gründlichsten widerlegte. Die Vorstellung, man müsse sich zwischen gutem Gewissen und guter Rendite entscheiden, hält der Datenlage nicht stand. Eine von der Universität Oxford koordinierte Auswertung von rund 200 Einzelstudien fand, dass gute Nachhaltigkeitsstandards in der überwiegenden Mehrheit der Fälle mit niedrigeren Kapitalkosten, besserer operativer Leistung und einer positiven Aktienkursentwicklung einhergingen. Eine noch umfassendere Metaanalyse des NYU Stern Center for Sustainable Business, die über 1.000 Studien aus den Jahren 2015 bis 2020 zusammenführte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis.
Der Grund ist weniger Idealismus als Betriebswirtschaft: Unternehmen, die ökologische und soziale Risiken ernst nehmen, geraten seltener in teure Skandale, wirtschaften oft vorausschauender und sind für Kundschaft wie Fachkräfte attraktiver. Nachhaltigkeit ist damit weniger ein Verzicht als ein zusätzlicher Qualitätsfilter.
Greenwashing bei nachhaltigen Geldanlagen: Wie groß ist das Problem?
Dieser Einwand hat, anders als der erste, einen wahren Kern – und deshalb verdient er eine ehrliche Antwort statt einer beschwichtigenden. Es gibt Greenwashing. Nicht jeder Fonds mit „grün", „nachhaltig" oder „ESG" im Namen hält, was er verspricht, und die Kriterien, nach denen Anbieter Nachhaltigkeit definieren, gehen weit auseinander. Wer sein Geld allein am Etikett ausrichtet, kann enttäuscht werden.
Doch die richtige Schlussfolgerung ist nicht, das Thema abzuschreiben, sondern genauer hinzusehen. Die EU-Offenlegungsverordnung unterscheidet inzwischen zwischen Produkten, die ökologische und soziale Merkmale bewerben (Artikel 8), und solchen mit ausdrücklichem Nachhaltigkeitsziel (Artikel 9). Solche regulatorischen Leitplanken machen Unterschiede sichtbarer, als sie es noch vor wenigen Jahren waren. Entscheidend ist die Frage hinter dem Etikett: Nach welchen konkreten Kriterien wird ausgewählt? Wird nur ausgeschlossen, oder wird gezielt Positives gefördert? Wer diese Fragen stellt – oder von seiner Beratung beantwortet bekommt –, trennt Substanz von Marketing.
Kann nachhaltiges Investieren wirklich etwas bewirken?
Das Gefühl der Ohnmacht ist verständlich, greift aber zu kurz. Kapital wirkt nicht nur durch die Auswahl von Anlagen, sondern auch durch die Stimme, die mit ihnen verbunden ist. Als Aktionärin ist man Miteigentümerin – mit Rederecht. Ein im Journal of Business Ethics veröffentlichter Beleg zeigt, wie wirksam das aktive Einwirken auf Unternehmen sein kann: Firmen mit anfangs schwachen Nachhaltigkeitswerten übertrafen im Jahr nach einer erfolgreichen Einflussnahme vergleichbare Unternehmen um 7,5 Prozent.
Die eigene Anlageentscheidung ist zudem Teil einer größeren Bewegung. Strengere Regulierung, milliardenschwere staatliche Programme für die Energiewende und die Selbstverpflichtungen großer Konzerne verschieben ganze Kapitalströme. Wer nachhaltig investiert, stellt sich nicht gegen den Markt – sondern frühzeitig in eine Richtung, in die er sich ohnehin bewegt.
Drei Wahrheiten über nachhaltiges Investieren
Drei Dinge lassen sich mit Zuversicht festhalten. Erstens: Nachhaltigkeit und Rendite sind keine Gegensätze; die Forschung deutet eher auf das Gegenteil hin. Zweitens: Greenwashing ist real, aber mit den richtigen Fragen und einem Blick auf die tatsächlichen Kriterien beherrschbar. Und drittens: Wer sein Vermögen an den eigenen Werten ausrichtet, gewinnt etwas, das über die reine Zahl hinausgeht – die Gewissheit, dass das eigene Geld in eine Zukunft investiert, in der man selbst leben möchte.
Genau hier verbinden sich die Stärken, die viele Frauen ohnehin mitbringen – ein langer Anlagehorizont, ein Blick für Qualität und Risiko –, auf natürliche Weise mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Es geht nicht darum, Rendite gegen Haltung zu tauschen, sondern beides zusammenzudenken.
Unser Ansatz für nachhaltiges Investieren
Nachhaltigkeit ist bei Merck Finck und unserer Muttergesellschaft Quintet kein Zusatz, sondern Teil des Anlageprozesses selbst. Wir sind überzeugt, dass das Verständnis wesentlicher ökologischer, sozialer und die Unternehmensführung betreffender Faktoren die Qualität von Investmententscheidungen erhöht – und langfristig zu besseren Ergebnissen führen kann. Zugleich nehmen wir Greenwashing ernst und schauen genau hin, was hinter einem Nachhaltigkeitsversprechen steht. Gleichzeitig ist zu beachten, dass eine starke Konzentration auf nachhaltige Anlagen das investierbare Universum einschränken und damit die Diversifikation reduzieren kann. Dies kann zeitweise zu einer schwächeren Wertentwicklung gegenüber breiter aufgestellten Portfolios führen. Wenn Sie Ihr Vermögen so anlegen möchten, dass es Ihre Werte widerspiegelt, ohne Kompromisse bei der Sorgfalt, sprechen Sie mit uns.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kundinnen oder Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrer Kundenberaterin bzw. ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
Bildhinweis: Das verwendete Bild wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
*Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteil zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrags dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss. Der Beitrag stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar. Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragen er finanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2026: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch
