Naher Osten | Wie stark wirken sich die Spannungen auf die Märkte aus?   

Die Anleger verfolgen weiterhin den Konflikt zwischen den USA/Israel und dem Iran. Die geopolitische Bedeutung für die Weltwirtschaft und Finanzmärkte ist offensichtlich und bleibt ein wesentliches Abwärtsrisiko. 
 
Der Ölpreis ist deutlich gestiegen, nachdem die Anleger das Risiko von Versorgungsengpässen einpreisen. Traditionelle sichere Anlagen, wie Staatsanleihen, haben sich angesichts der durch den steigenden Ölpreis ausgelösten Inflationssorgen unterdurchschnittlich entwickelt. Zu Beginn des Konflikts haben wir unser Engagement bei US- und britischen Staatsanleihen reduziert, was sich positiv auf die Portfolios auswirkt. 
 
Auch Gold erwies sich als volatil, da einige Anleger es verkauften, um Verluste in anderen Teilen ihrer Portfolios auszugleichen. Dennoch glauben wir, dass Gold - wie schon in der Vergangenheit - Schutz vor geopolitischen Unsicherheiten und Inflationsrisiken bieten kann. Wir haben kürzlich unser Engagement in Gold auf eine übergewichtete Position erhöht. 
 
Die Aktienvolatilität ist spürbar gestiegen, liegt jedoch noch unter den Spitzenniveaus der vergangenen Jahre. Geopolitische Schocks erschüttern die Märkte in der Regel für einige Zeit, aber solange sie die globalen wirtschaftlichen Fundamentaldaten nicht verändern, hält der Effekt selten lange an. Sobald der anfängliche Schock abgeklungen ist, konzentrieren sich die Anleger in der Regel wieder auf Wachstumstrends, Gewinne und die Politik der Notenbanken und Regierungen. Das sind die eigentlichen Treiber der Vermögenspreise im Laufe der Zeit. 
 
Die entscheidende Frage ist, ob sich der Konflikt hinzieht und die globale Energieversorgung länger stört oder ob er nur von kurzer Dauer ist und die Energieinfrastruktur im Nahen Osten nur begrenzt beschädigt wird. Wenn das Öl weiter fließt, sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen überschaubar bleiben. Eine anhaltende Versorgungslücke wäre eine andere Geschichte, die die Inflation in die Höhe treiben und die Aussichten für Gewinnwachstum und Zinssätze erschweren würde. 

Öl | Werden höhere Preise die Konjunkturperspektiven verändern?  

Unser Basisszenario geht davon aus, dass der Konflikt relativ begrenzt bleibt und nicht länger als ein paar Monate andauert. Der wichtigste wirtschaftliche Kanal sind die Energie-Rohstoffe. Wenn die Öl- und Gaspreise auf einem hohen Niveau bleiben, wenn auch nur vorübergehend, könnte es zu einer kurzen Phase leichter Stagflation kommen: leicht schwächeres Wachstum gepaart mit etwas höherer Inflation. 
 
Unsere Szenarioanalyse deutet auf einen moderaten Rückgang des Wirtschaftswachstums in den USA, Europa und mehreren Öl importierenden Schwellenländern hin, bei nur geringfügig steigender Inflation. Eine solche Entwicklung dürfte die Notenbanken kaum zu größeren Leitzinsänderungen zwingen. Die ölexportierenden Länder würden natürlich davon profitieren. 
 
Sobald der anfängliche bzw. gegenwärtige Druck auf die Energiepreise nachlässt, sollten sich die Fundamentaldaten wieder durchsetzen und ein konstruktives Umfeld für die Märkte schaffen: Die geld- und fiskalpolitischen Unterstützungsmaßnahmen bleiben bestehen, und der mit künstlicher Intelligenz verbundene Investitionszyklus ist weiterhin stark.  
Ein sich über mehr als sechs Monate hinziehender Konflikt würde hingegen das Rezessionsrisiko erhöhen, da die Energiepreise länger auf einem hohen Niveau bleiben würden. Das würde die Marktlage schwieriger machen. 
 
Unsere Portfolio-Positionierung spiegelt dieses Gleichgewicht wider. Wir übergewichten Aktien moderat und untergewichten Anleihen, unterstützt durch Risikominderungsinstrumente, die potenzielle Schocks abfedern sollen. Die Portfolios bleiben über verschiedene Regionen und Anlageklassen hinweg breit diversifiziert, was hilft, Volatilität ohne plötzliche Veränderungen zu bewältigen. Wo möglich, setzen wir auch versicherungsähnliche Instrumente ein, die bei sinkenden Aktienkursen an Wert gewinnen und so dazu beitragen, Abwärtsrisiken zu dämpfen. 
 
Die Kernaussage bleibt unverändert. Anstatt auf Schlagzeilen zu reagieren, empfehlen wir, vorausschauend zu planen, die wichtigsten Annahmen einem Stresstest zu unterziehen und sich auf eine Reihe von Szenarien vorzubereiten. Die aktuelle Situation kann vorübergehend stagflationären Druck erzeugen, ändert jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nichts an unserem mittel- bis langfristigen Ausblick. Unser Ansatz bleibt geduldig, diszipliniert und auf die Fundamentaldaten fokussiert.

 

Diese Woche | Naher Osten, Öl und Inflation im Fokus  

Die Entwicklungen im Nahen Osten dürften weiterhin im Mittelpunkt stehen, wobei die Anleger sehr aufmerksam auf Anzeichen einer Deeskalation achten, die zu einer positiveren Stimmung führen könnten, oder umgekehrt auf eine Eskalation (insbesondere, wenn diese die Energieversorgung und -ströme stören würde), die zu einer negativeren Stimmung führen könnte. 
 
Die Märkte werden auch die neuen Inflationsdaten aufmerksam verfolgen. In den USA werden die Inflationszahlen für Februar (Mittwoch und Freitag) entscheidend sein, um einen Eindruck vom Preisdruck und den möglichen Auswirkungen auf die Zinsentwicklung zu bekommen, aber die Anleger werden anhand dieser Daten noch nicht in der Lage sein, die Auswirkungen der steigenden Ölpreise einzuschätzen.  

 

Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung. informieren.  

Bewahren und pflegen, was Ihnen wirklich wichtig ist

Merck Finck für Privatkunden

*Die dem vorliegenden „Markt- und Investment Update“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten  Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteilzum Zeitpunktder Veröffentlichung des „Markt- und Investment Update“ dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Markt- und Investment Update“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder  eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar.  Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2025: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch

Kontakt