Geopolitik | Schlagzeilen bewegen die Märkte, Fundamentaldaten geben aber weiter den Ton an
Die Aussicht auf ein geringeres Energierisiko und weniger Handelsbeeinträchtigungen reichte vergangene Woche aus, um die Stimmung rasch zu wenden. Aktien legten auf breiter Front zu, als die Stagflationsängste nachließen. Aktien aus Schwellenländern führten die Aufwärtsbewegung an, unterstützt durch einen schwächeren US-Dollar. Innerhalb des Aktienmarktes stachen Halbleiter weiterhin hervor. AMD legte nach starken Gewinnen zu, die von der Nachfrage nach KI-Agenten getrieben wurden, während asiatische Hardware-Unternehmen wie SK Hynix, Samsung Electronics und SMIC ebenfalls gut abschnitten. Staatsanleihen schlossen sich der Rallye an. Da die geopolitischen Risiken als weniger akut angesehen wurden, schraubten die Märkte ihre Erwartungen hinsichtlich weiterer geldpolitischer Kurswechsel zurück.
Insgesamt wirkte sich diese Entwicklung positiv auf unsere Portfolios aus, da wir Aktien moderat übergewichten. Wir haben diese Gesamtpositionierung während der jüngsten Volatilitätsphasen aus zwei Gründen beibehalten: Erstens zeigt die Geschichte, dass geopolitische Schocks in der Regel nur kurzlebige Auswirkungen haben, da sich die Fundamentaldaten oft recht schnell wieder durchsetzen. Zweitens sehen diese Fundamentaldaten nach wie vor solide aus. Der US-Arbeitsmarkt hält sich gut, und die Unternehmensgewinne bleiben stark. Zwar spiegeln die Ergebnisse des ersten Quartals die jüngsten geopolitischen Entwicklungen noch nicht vollständig wider, doch deuten die bisherigen Ergebnisse auf eine gute Widerstandsfähigkeit hin.
Zwar stützte der Bericht über eine Deeskalation die Märkte, doch wurde nichts Konkretes angekündigt, und es bestehen nach wie vor zahlreiche offene Fragen darüber, ob eine dauerhafte Einigung erreichbar ist. Die Spannungen flammen weiterhin zeitweise auf, was zur Vorsicht mahnt. Deshalb bleibt Diversifizierung ein zentraler Bestandteil unseres Investmentansatzes. Sie ist die praktische Brücke zwischen Risikobewusstsein und Marktengagement.
Rohstoffe | Wo könnten sich die Ölpreise einpendeln?
Für jeden Energiehändler, der versucht, diese Schwankungen zeitlich abzupassen, wäre es eine anstrengende und unberechenbare Woche gewesen. Genau aus letzterem Grund jagen wir keinen Schlagzeilen hinterher. Wir bevorzugen Portfolios, die in verschiedenen Szenarien funktionieren, anstatt uns darauf einzustellen, dass eine einzelne Prognose genau zutrifft.
Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir weiterhin, dass sich der Brent-Ölpreis ohne ein dauerhaftes Friedensabkommen in einer Spanne von 95 bis 120 US-Dollar je Barrel bewegen wird. Sollten die Preise länger als zwei Quartale auf diesem Niveau bleiben, würde sich dies spürbar negativer auf das Wachstum auswirken und gleichzeitig das Risiko steigender Inflation und höherer Notenbankzinsen erhöhen.
Zudem darf die Angebotsseite nicht außer Acht gelassen werden. Der CEO von Shell erklärte kürzlich gegenüber Investoren, dass dem globalen Ölmarkt ein Versorgungsdefizit von rund einer Milliarde Barrel droht und dass dieses Defizit mit jedem Tag, an dem der Konflikt andauert, wächst. Selbst eine rasche diplomatische Lösung würde nicht zu einer sofortigen Erholung der Produktion führen. Die Reparatur beschädigter Infrastruktur und unterbrochener Lieferketten braucht Zeit. Zudem müssen die Länder ihre strategischen Vorräte wieder aufbauen, die in den letzten Monaten unter Druck geraten sind.
Daher erwarten wir nicht, dass der Ölpreis wieder auf das Vorkonfliktniveau zurückspringt. Vielmehr dürfte er sich, sobald sich die Spannungen entspannen, in einem niedrigeren, aber immer noch erhöhten Bereich einpendeln, unter 95 US-Dollar, aber über 75 US-Dollar je Barrel.
Diese Woche | Inflationsdaten vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Nahen Osten
Der US-Kalender bleibt auch jenseits der Inflation voll: Einzelhandelsumsätze für April (Donnerstag), gefolgt von der Industrieproduktion (Freitag). In Europa richtet sich die Aufmerksamkeit ebenfalls auf die harten Daten. Für Deutschland werden am Dienstag die finalen April-Inflationsdaten sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht und für die Eurozone die Industrieproduktion für März und die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal (Mittwoch). Im Vereinigten Königreich folgen das vorläufige Bruttoinlandsprodukt am Mittwoch und die Industriedaten für März am Donnerstag. Die Wirtschaftsdaten werden wichtig sein, da die regierende Labour-Partei bei den Kommunalwahlen letzte Woche schwere Verluste erlitten hat. Wir sind bei britischen Anlagen neutral investiert.
Auch in Japan stehen Preisdaten im Fokus: Die Erzeugerpreise (Freitag) könnten die Erwartungen hinsichtlich weiterer Leitzinserhöhungen durch die Bank of Japan beeinflussen. Schließlich zieht neben den geopolitischen Entwicklungen auch die Berichtssaison weiterhin die Aufmerksamkeit der Märkte auf sich.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
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