Geopolitik | Schlagzeilen bewegen die Märkte, Fundamentaldaten geben aber weiter den Ton an 

In der vergangenen Woche rückte die Lage im Nahen Osten wieder in den Vordergrund. Die Märkte reagierten positiv auf einen Bericht, wonach die USA und der Iran kurz davor stünden, sich auf eine Beendigung des Konflikts zu einigen und einen Rahmen für detailliertere Atomgespräche zu schaffen. Dem Bericht zufolge würde der Iran die Urananreicherung aussetzen, während die USA Sanktionen aufheben und eingefrorene iranische Gelder freigeben würden. Beide Seiten würden zudem die Beschränkungen rund um die Straße von Hormus lockern. Allerdings hat Donald Trump die jüngsten Vorschläge des Iran heute Morgen als “völlig inakzeptabel” bezeichnet.

Die Aussicht auf ein geringeres Energierisiko und weniger Handelsbeeinträchtigungen reichte vergangene Woche aus, um die Stimmung rasch zu wenden. Aktien legten auf breiter Front zu, als die Stagflationsängste nachließen. Aktien aus Schwellenländern führten die Aufwärtsbewegung an, unterstützt durch einen schwächeren US-Dollar. Innerhalb des Aktienmarktes stachen Halbleiter weiterhin hervor. AMD legte nach starken Gewinnen zu, die von der Nachfrage nach KI-Agenten getrieben wurden, während asiatische Hardware-Unternehmen wie SK Hynix, Samsung Electronics und SMIC ebenfalls gut abschnitten. Staatsanleihen schlossen sich der Rallye an. Da die geopolitischen Risiken als weniger akut angesehen wurden, schraubten die Märkte ihre Erwartungen hinsichtlich weiterer geldpolitischer Kurswechsel zurück.

Insgesamt wirkte sich diese Entwicklung positiv auf unsere Portfolios aus, da wir Aktien moderat übergewichten. Wir haben diese Gesamtpositionierung während der jüngsten Volatilitätsphasen aus zwei Gründen beibehalten: Erstens zeigt die Geschichte, dass geopolitische Schocks in der Regel nur kurzlebige Auswirkungen haben, da sich die Fundamentaldaten oft recht schnell wieder durchsetzen. Zweitens sehen diese Fundamentaldaten nach wie vor solide aus. Der US-Arbeitsmarkt hält sich gut, und die Unternehmensgewinne bleiben stark. Zwar spiegeln die Ergebnisse des ersten Quartals die jüngsten geopolitischen Entwicklungen noch nicht vollständig wider, doch deuten die bisherigen Ergebnisse auf eine gute Widerstandsfähigkeit hin.

Zwar stützte der Bericht über eine Deeskalation die Märkte, doch wurde nichts Konkretes angekündigt, und es bestehen nach wie vor zahlreiche offene Fragen darüber, ob eine dauerhafte Einigung erreichbar ist. Die Spannungen flammen weiterhin zeitweise auf, was zur Vorsicht mahnt. Deshalb bleibt Diversifizierung ein zentraler Bestandteil unseres Investmentansatzes. Sie ist die praktische Brücke zwischen Risikobewusstsein und Marktengagement. 


Rohstoffe | Wo könnten sich die Ölpreise einpendeln? 

Die vergangene Woche hat erneut gezeigt, wie volatil der Ölmarkt sein kann, wenn Schlagzeilen den Handel dominieren. Der West Texas Intermediate (WTI), die US-Rohöl-Benchmark, fiel zeitweise um fast 6 % und rutschte kurzzeitig unter 90 US-Dollar je Barrel. Auslöser war zunächst der Optimismus hinsichtlich einer möglichen Wiederöffnung der Straße von Hormus. Dieser Aufschwung hielt jedoch nicht an. Die Preise erholten sich dann um fast 10 % aufgrund von Berichten über erneute Spannungen zwischen den USA und dem Iran, fielen um weitere 1,5 % und stiegen erneut um rund 2 %, sobald die Feindseligkeiten bestätigt wurden. 

Für jeden Energiehändler, der versucht, diese Schwankungen zeitlich abzupassen, wäre es eine anstrengende und unberechenbare Woche gewesen. Genau aus letzterem Grund jagen wir keinen Schlagzeilen hinterher. Wir bevorzugen Portfolios, die in verschiedenen Szenarien funktionieren, anstatt uns darauf einzustellen, dass eine einzelne Prognose genau zutrifft.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir weiterhin, dass sich der Brent-Ölpreis ohne ein dauerhaftes Friedensabkommen in einer Spanne von 95 bis 120 US-Dollar je Barrel bewegen wird. Sollten die Preise länger als zwei Quartale auf diesem Niveau bleiben, würde sich dies spürbar negativer auf das Wachstum auswirken und gleichzeitig das Risiko steigender Inflation und höherer Notenbankzinsen erhöhen.

Zudem darf die Angebotsseite nicht außer Acht gelassen werden. Der CEO von Shell erklärte kürzlich gegenüber Investoren, dass dem globalen Ölmarkt ein Versorgungsdefizit von rund einer Milliarde Barrel droht und dass dieses Defizit mit jedem Tag, an dem der Konflikt andauert, wächst. Selbst eine rasche diplomatische Lösung würde nicht zu einer sofortigen Erholung der Produktion führen. Die Reparatur beschädigter Infrastruktur und unterbrochener Lieferketten braucht Zeit. Zudem müssen die Länder ihre strategischen Vorräte wieder aufbauen, die in den letzten Monaten unter Druck geraten sind. 

Daher erwarten wir nicht, dass der Ölpreis wieder auf das Vorkonfliktniveau zurückspringt. Vielmehr dürfte er sich, sobald sich die Spannungen entspannen, in einem niedrigeren, aber immer noch erhöhten Bereich einpendeln, unter 95 US-Dollar, aber über 75 US-Dollar je Barrel. 


Diese Woche | Inflationsdaten vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Nahen Osten 

Alle Augen sind diese Woche auf die USA gerichtet. Die Inflationsdaten für April (Dienstag) werden wahrscheinlich einen weiteren Anstieg der Verbraucherpreise zeigen. Nach 3,3 % im März dürfte die Gesamtinflation näher an 4 % liegen, was vor allem auf höhere Energiepreise zurückzuführen ist. Das ist politisch von Bedeutung. Amerikanische Wählerumfragen zeigen durchwegs, dass die Inflation das wichtigste Thema ist, das die Wahlabsichten für die Zwischenwahlen Anfang November prägt. Vor diesem Hintergrund steht die Trump-Regierung unter Druck, schnelle Abhilfe zu schaffen. Dies bestärkt uns in unserer Ansicht, dass eine kurzfristige Einigung zur Wiederöffnung der Straße von Hormus, die darauf abzielt, die Ölpreise zu senken, eine realistische Perspektive ist (wenn auch noch keine beschlossene Sache).

Der US-Kalender bleibt auch jenseits der Inflation voll: Einzelhandelsumsätze für April (Donnerstag), gefolgt von der Industrieproduktion (Freitag). In Europa richtet sich die Aufmerksamkeit ebenfalls auf die harten Daten. Für Deutschland werden am Dienstag die finalen April-Inflationsdaten sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht und für die Eurozone die Industrieproduktion für März und die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal (Mittwoch). Im Vereinigten Königreich folgen das vorläufige Bruttoinlandsprodukt am Mittwoch und die Industriedaten für März am Donnerstag. Die Wirtschaftsdaten werden wichtig sein, da die regierende Labour-Partei bei den Kommunalwahlen letzte Woche schwere Verluste erlitten hat.  Wir sind bei britischen Anlagen neutral investiert.

Auch in Japan stehen Preisdaten im Fokus: Die Erzeugerpreise (Freitag) könnten die Erwartungen hinsichtlich weiterer Leitzinserhöhungen durch die Bank of Japan beeinflussen. Schließlich zieht neben den geopolitischen Entwicklungen auch die Berichtssaison weiterhin die Aufmerksamkeit der Märkte auf sich. 

 


Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
 

Bewahren und pflegen, was Ihnen wirklich wichtig ist

Merck Finck für Privatkunden

*Die dem vorliegenden „Markt- und Investment Update“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten  Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteil zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des „Markt- und Investment Update“ dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Markt- und Investment Update“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder  eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar.  Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2026: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch

Kontakt