Der Nahe Osten dominiert weiterhin die Börsen
Am Wochenende verhandelten die USA und der Iran im Rahmen eines von US-Präsident Donald Trump verkündeten 14-tägigen Waffenstillstands, der am 22. April auslaufen soll. Die Lage bleibt höchst ungewiss, denn bislang waren die Verhandlungen nicht erfolgreich: Die USA und der Iran verließen Pakistan, wo die Gespräche stattfanden, ohne eine Einigung. Mehrere zentrale Fragen sind noch ungelöst. Dazu gehören das iranische Atomprogramm, die Rolle Israels in der Region, der Konflikt mit dem Libanon und – für die Weltwirtschaft am wichtigsten – der Status der Straße von Hormus.
In den vergangenen Tagen haben nur wenige Schiffe diesen kritischen Engpass passiert. Unter normalen Umständen werden hier etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte sowie andere wichtige Güter wie Düngemittel und Spezialgase, darunter Helium, transportiert. Berichten zufolge hat der Iran zudem Transitgebühren von bis zu 2 Millionen US-Dollar pro Schiff erhoben, deren Aufhebung Trump gefordert hat. Zudem droht die US-Regierung nun, den gesamten Schiffsverkehr in und aus iranischen Häfen und Küstengebieten noch heute zu blockieren. Dies steht im Gegensatz zu ihrem ursprünglichen Plan, der am vergangenen Mittwoch angekündigt wurde, die Meerenge unverzüglich wieder zu öffnen, um die Energieflüsse wiederherzustellen und zur Senkung der globalen Energiepreise beizutragen.
Die Energiepreise sind in der vergangenen Woche zwar stark gefallen. Die Märkte bleiben jedoch skeptisch, sowohl was die Dauer des Waffenstillstands angeht als auch hinsichtlich der Frage, ob es einen klaren Weg zu einer umfassenderen Deeskalation gibt. Brent-Rohöl erholte sich unterdessen von einem kurzen Tiefstand knapp unter 95 US-Dollar wieder auf knapp über 100 US-Dollar. Diese Preisentwicklung steht im Einklang mit unserem Basisszenario, wonach der Konflikt ein bis zwei Quartale andauern wird. In diesem Szenario erwarten wir, dass Brent-Rohöl zwischen etwa 95 und 120 US-Dollar gehandelt wird. Wir erwarten, dass dies im Jahr 2026 zu einem schwächeren Wachstum und einer höheren Inflation führen würde als bisher erwartet.
Die jüngsten Konjunkturdaten deuten bereits auf eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik hin. Die Einkaufsmanagerindizes und die Kennzahlen zum Verbrauchervertrauen sind im März in den meisten Regionen gesunken. Gleichzeitig verzeichneten die chinesischen Erzeugerpreise zum ersten Mal seit Oktober 2022 wieder ein positives Wachstum im Jahresvergleich. Auch die Inflation in den westlichen Volkswirtschaften hat wieder angezogen und lag in der Eurozone im März bei 2,5 %, im Vereinigten Königreich bei 3,5 % und in den USA bei 3,3 %. Auf dieser Basis rechnen wir in diesem Jahr mit je einer Leitzinsanhebung durch die Europäische Zentralbank und die Bank of England. Die US-Notenbank könnte 2026 noch eine Zinssenkung vornehmen – doch all dies hängt davon ab, wie sich der Iran-Konflikt und die Energiepreise entwickeln.
Besser investiert bleiben als zu versuchen, den Markt zu timen
Trotz anhaltender Unsicherheit sind der Waffenstillstand und die Verhandlungsbemühungen ermutigend. Wir stehen daher weiter hinter unseren jüngsten Transaktionen zur Verbesserung der Portfolioqualität als Absicherung gegen geopolitische Risiken. Zuletzt haben wir unsere Rentenallokation gestärkt, indem wir das Engagement bei europäischen und US-Staatspapieren sowie bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen erhöht haben. Zudem haben wir unser Engagement im US-Dollar wieder auf ein neutrales Niveau zurückgeführt, da dieser in Zeiten von Marktstress tendenziell an Wert gewinnt. Angesichts des jüngsten Aktienausverkaufs hat sich unser „Teilversicherungsinstrument” – in den Portfolios, in denen dieses enthalten ist – im Wert erhöht, sodass wir beschlossen haben, Gewinne mitzunehmen und den Rest zu halten.
Wir bleiben bei Anleihen untergewichtet und bevorzugen weiterhin Aktien und Rohstoffe, einschließlich Gold. Die Aktienmärkte werden auf längere Sicht in der Regel stärker von den Unternehmensgewinnen als von geopolitischen Entwicklungen bestimmt. Unser Fokus richtet sich daher auf die bevorstehende Berichtssaison für das erste Quartal in den USA, die diese Woche beginnt. Anstatt auf kurzfristige Schlagzeilen zu reagieren, verfolgen wir den Ansatz, die Portfolios am Markt investiert zu halten. Dies wird durch eine breite, qualitativ hochwertige Diversifizierung über verschiedene Anlageklassen wie Gold, inflationsgeschützte Anleihen und explizite Absicherungen gegen Inflations- und geopolitische Risiken gestützt.
Diese Woche | USA-Iran-Gespräche, Inflationsdaten und Berichtssaison
Die Märkte müssen zudem die gestrigen Wahlen in Ungarn verdauen, bei denen Viktor Orbán nach 16 Jahren abgewählt wurde und sein Mitte-Rechts orientierter, EU-freundlicher Rivale Péter Magyar die Macht übernahm. Neben dem Start der Berichtssaison an der Wall Street liegt der makroökonomische Schwerpunkt dieser Woche auf den Preisdaten. Dazu gehören die endgültigen Inflationszahlen für die Eurozone für März (Mittwoch) sowie die Erzeugerpreisdaten aus den USA (Dienstag), wo sich der jüngste Aufwärtstrend aus China widerspiegeln dürfte. In den USA sollte das „Beige Book“ der Fed für Februar (Mittwoch) ein robustes wirtschaftliches Umfeld bestätigen. Darauf folgen die Daten zur Industrieproduktion für März (Donnerstag).
In China wird am Freitag das Wirtschaftswachstum für das erste Quartal veröffentlicht, das wir auf knapp 5 % schätzen. Gleichzeitig werden die Daten zu Einzelhandelsumsätzen und Industrieproduktion für März veröffentlicht, die das Bild einer relativ soliden Dynamik untermauern sollten, insbesondere im exportorientierten Industriesektor. Dennoch dürften die Finanzmärkte weiterhin auf die Entwicklungen im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die Energiepreise fokussiert bleiben. Ein erneuter preislicher Aufwärtsdruck könnte die Sorgen um eine Stagflation weiter verstärken, auch wenn die Bundesregierung heute für Deutschland eine temporäre Energiesteuersenkung beschlossen hat, die Benzin und Diesel zwei Monate lang um 17 Cent billiger machen soll.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
*Die dem vorliegenden „Markt- und Investment Update“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteilzum Zeitpunktder Veröffentlichung des „Markt- und Investment Update“ dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Markt- und Investment Update“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar. Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2025: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch



