USA | Warum wir gegenüber dem Dollar und US-Staatsanleihen vorsichtig bleiben
Der US-Arbeitsmarktbericht war das Hauptthema der vergangenen Woche. Die Zahlen fielen spürbar besser aus als erwartet. Die Börsen wurden allerdings überrascht. Kevin Hassett, Direktor des amerikanischen National Economic Council, hatte gewarnt, dass die Märkte mit „leicht niedrigeren Beschäftigungszahlen” rechnen sollten. Letztendlich sank die Arbeitslosenquote unerwartet auf 4,3 %. Dennoch schlossen die Märkte den Tag weitgehend unverändert, da einige Nuancen Investoren dazu veranlassten, ihren Optimismus zu dämpfen. Die meisten Neueinstellungen gab es im Gesundheitswesen, sodass die Stärke nicht breit angelegt war. Auch die Revisionen belasteten die Stimmung, da die Beschäftigungszuwächse für 2025 von ursprünglich gemeldeten 49.000 auf 15.000 pro Monat herunter korrigiert wurden.
Insgesamt hält sich der US-Arbeitsmarkt nach einer Phase der Abkühlung weiterhin gut. Dies schwächt die Argumente für eine baldige Senkung der Leitzinsen. Der scheidende Fed-Chef Jerome Powell wird die Leitzinsen bei seinen letzten beiden Fed-Sitzungen im März und April eher nicht ändern, auch wenn die Inflation im Januar energiepreisbedingt stärker als erwartet nachgab. Wir rechnen weiterhin mit zwei Leitzinssenkungen, jedoch erst Mitte oder Ende 2026.
Das größere Risiko für den Markt ist, dass die längerfristig stabile Haltung der Fed mit dem Drängen von Präsident Trump auf deutlich niedrigere Zinsen kollidieren könnte, insbesondere unter der Führung seines Kandidaten für den Fed-Vorsitz, Kevin Warsh. Dies hält die Fragen zur Unabhängigkeit der Fed am Leben, und solche Zweifel belasten tendenziell den Dollar und US-Staatsanleihen. Gleichzeitig wiederholte das Congressional Budget Office seine Warnungen vor steigenden Defiziten und einer zunehmenden Staatsverschuldung.
Vor diesem Hintergrund schützen wir unser US-Engagement weiterhin vor einem schwächeren Dollar und behalten unsere Untergewichtung in Staatsanleihen bei.
Märkte | Wie lässt sich die Branchenrotation erklären?
In den Jahren 2023 und 2024 war die Informationstechnologie (IT) der herausragende Sektor und lag auch 2025 noch auf Platz zwei. Anfang 2026 ist sie plötzlich einer der Nachzügler. Ist dies also das Ende des Aufwärtstrends von Technologie- und KI-Aktien? Wir glauben, dass die Antwort „Nein” lautet.
Die Rotation wird deutlicher, wenn man unter die Oberfläche blickt. Der Druck konzentriert sich primär auf einen Teilbereich der IT-Branche, nämlich auf Software- und Informationsdienstleistungsunternehmen. Die jüngsten Fortschritte im Bereich der agentenbasierten KI haben Investoren verschreckt. Sie sehen darin ein existenzielles Risiko, da diese Entwicklungen darauf hindeuten, dass die Automatisierung auch in hochwertige Arbeitsbereiche wie Rechts-, Compliance- und Forschungsaufgaben vordringt. Wenn ein KI-Agent einen Teil dieses Arbeitsablaufs übernehmen kann, erscheinen die Margen weniger sicher. Das Problem sind nicht die heutigen Ergebnisse, die solide sind. Die Sorge gilt vielmehr der Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Rentabilität.
Der Bereich verschwindet aber nicht, er entwickelt sich weiter. Unternehmen benötigen heute Software sowie proprietäre Daten, eine tiefgreifende Workflow-Integration und native KI-Fähigkeiten. Wir glauben, dass Anbieter mit nur einem Bereich gefährdet sein können. Diejenigen, die die Kontrolle über die Daten, den Vertrieb und die kritischen Anwendungsfälle haben, stehen auf einer solideren Basis.
Warum haben die Märkte dann so heftig reagiert? Weil, sobald die Software-Aktien zu fallen begannen, die normalen Marktmechanismen einsetzten. "Körbe” mit Software-Aktien fielen, Branchen-ETFs wurden verkauft, Fonds reduzierten ihr Engagement im Software-Bereich und Stop-Loss-Niveaus wurden ausgelöst. Der Markt verlagerte sich von der Analyse auf Unternehmensebene zu einem breiten, teils wahllos wirkenden Ausverkauf bei anderen Sektoren. Die Bewertungen von Software-Aktien waren anspruchsvoll, was die Bewegung noch verstärkte. Unterdessen haben sich andere mit KI verbundene Bereiche der IT, Hardware, Ausrüstung und Halbleiter in diesem Jahr weiterhin gut entwickelt, während andere Branchen, die durch KI beeinträchtigt werden könnten, Einbußen hinnehmen mussten.
Deshalb ist Gelassenheit so wichtig. Wir planen und lassen uns nicht beirren. Wir bleiben bei US-Aktien investiert, weil die amerikanische Wirtschaft stabil ist, die Gewinne insbesondere im Technologiesektor stark bleiben und die Investitionen weiter steigen. All dies unterstützt das Wachstum. Aber wir bleiben auch diversifiziert. Anstatt zu versuchen, die monatlichen Gewinner unter den Sektoren vorherzusagen, nutzen wir auch den gleichgewichteten S&P-Index. Wenn der Technologiesektor Einbußen verzeichnet und andere Branchen zulegen, profitieren wir davon und mildern so die Auswirkungen der Volatilität im Technologiesektor. Für plötzliche Kursrückgänge halten wir, soweit es die Vorschriften und das Wissen unserer Kunden zulassen, ein US-Aktienabsicherungsinstrument, das bei fallenden Märkten an Wert gewinnt. Schließlich machen US-Technologie-, Software- und Dienstleistungsaktien weniger als 9 % unseres Aktienportfolios aus, sodass die Auswirkungen dieser Rotation begrenzt sind.
Diese Woche | Alle Augen auf das Fed-Protokoll und die europäischen Einkaufsmanagerindizes
Das Protokoll der Fed-Sitzung vom Januar (Mittwoch) dürfte Aufschluss darüber geben, wie gespalten die Entscheidungsträger in Bezug auf den Zinskurs sind und ob Diskussionen über eine Bilanzverkürzung wieder an Relevanz gewinnen. Am selben Tag veröffentlicht Großbritannien Inflationsdaten, nachdem die Bank of England Anfang des Monats mit einer hauchdünnen Mehrheit von 5:4 gegen eine Zinssenkung gestimmt hatte. Eine stärker als erwartete sinkende Inflation würde die Aussicht auf eine Leitzinssenkung im März oder April näher bringen.
Die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone inklusive Deutschlands und Großbritannien (Freitag) werden einen klaren Eindruck davon vermitteln, wie sich das Wachstum entwickelt. Die USA beenden die Woche mit den Wirtschaftszahlen für das Schlussquartal 2025. Auf den ersten Blick dürften diese solide ausfallen. Allerdings ist die Unsicherheit groß, da der 43-tägige Stillstand der Bundesbehörden zu Beginn des Quartals wahrscheinlich die Ausgaben gebremst hat.
Zu guter Letzt werden die Marktbeobachter auch ihr Augenmerk auf Japan richten. Die wichtigste Veröffentlichung erfolgt am Freitag mit den Inflationsdaten. Diese sind von entscheidender Bedeutung, da die Bank of Japan eine weitere Anhebung des Leitzinses vorbereitet, während die Regierung weiterhin Ausgaben tätigt. Japan hat mit höheren Defiziten, steigenden Renditen, einer volatilen Währung und einer nach wie vor hartnäckigen Inflation zu kämpfen. Das Wachstum muss stabil bleiben, sonst könnte der gesamte Policy-Mix ins Wanken geraten. Wir sind gegenüber japanischen Aktien neutral eingestellt und haben keine Positionen mehr in Yen und japanischen Staatsanleihen.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung. informieren.
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