Geopolitik & Märkte | Erhöhung des US-Dollar-Engagements angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheit
Die jüngsten Ereignisse zeigen einmal mehr, wie schnell sich geopolitische Entwicklungen ändern können. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten erinnert daran, dass die Märkte abrupt reagieren können. Noch vor einer Woche stützten Äußerungen des US-Präsidenten, wonach der Iran-Konflikt „sehr bald“ enden könnte, kurzzeitig Risikoanlagen und drückten die Brent-Ölpreise in Richtung 90 US-Dollar je Barrel. Seitdem haben erneute Angriffe und die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus, einschließlich Angriffen auf Handelsschiffe, den Brent-Preis über 100 US-Dollar getrieben. Trump hat zudem grünes Licht für mehr russische Ölexporte gegeben und damit frühere Sanktionen gelockert – gerade zu einem Zeitpunkt, als die Freigabe strategischer Ölreserven durch mehrere Länder kaum Wirkung zeigte.
Vor diesem Hintergrund haben wir unser US-Dollar-Engagement in der vergangenen Woche wieder auf neutral erhöht, da das Währungsengagement in den Portfolios einseitig geworden war. Dies verringert das Risiko von Performance-Einbußen, falls der US-Dollar in Zeiten geopolitischer Spannungen an Wert gewinnt – was ein gängiges Marktmuster ist. Sollte der US-Dollar schwächer werden, was zwar nicht unser Basisszenario ist, aber dennoch möglich ist, können die Portfolios weiterhin von Engagements in auf Schwellenländer-Währung lautenden Anleihen und Aktien profitieren, die oft zulegen, wenn der US-Dollar nachgibt.
Wichtig ist, dass sich unsere langfristige strategische Einschätzung nicht geändert hat, auch wenn der Dollar in den nächsten drei bis sechs Monaten an Stärke gewinnen könnte, wie wir es bei früheren Ölschocks gesehen haben. Wir rechnen weiterhin mit einer schwächeren US-Währung über einen mehrjährigen Zeithorizont, angesichts der Zweifel des Marktes an der Unabhängigkeit der US-Notenbank, der hohen amerikanischen Staatsverschuldung und einer gewissen „Entdollarisierung“, da sich die Schwellenländer von auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten wie US-Staatsanleihen abwenden und ihre Goldreserven aufstocken. Aus diesem Grund sichern wir weiterhin die Hälfte unseres US-Aktienengagements sowie unser gesamtes Engagement in auf US-Dollar lautenden festverzinslichen Wertpapieren ab, mit Ausnahme einer Position in Schwellenländeranleihen. Dies hilft uns, kurzfristige Unsicherheiten zu meistern und gleichzeitig den langfristigen Fundamentaldaten treu zu bleiben.
Notenbanken | Inflationssorgen rücken in den Fokus
Die Märkte haben darauf reagiert und die Möglichkeit von Leitzinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf eingepreist. Wir sehen dieses Risiko zwar, halten es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht für das wahrscheinlichste Szenario. Es sei denn, der Konflikt lässt sich nicht innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten eindämmen – in diesem Fall könnte er sich stärker auf die Inflation auswirken.
Der Anstieg der Inflationserwartungen hat die Anleiherenditen in die Höhe getrieben. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen nähern sich 3 % – dem höchsten Stand seit Oktober 2023. Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben wir bei Anleihen untergewichtet und halten eine leichte Übergewichtung bei Aktien, gestützt durch eine breite Diversifizierung und Risikominimierer wie Gold, Rohstoffe im Allgemeinen, inflationsgebundene Anleihen und, wo möglich, „Versicherungsinstrumente“ wie Optionsscheine, die bei fallenden Aktien an Wert gewinnen und so das Abwärtsrisiko mindern.
Diese Woche | Notenbanken, der Nahe Osten und die Energiemärkte im Fokus
Diese Woche stehen mehrere Notenbanktreffen an: die Sitzung der Fed am Mittwoch, gefolgt von der EZB, der Bank of England und der Bank of Japan am Donnerstag. Angesichts der Unsicherheit rund um die Energiemärkte und der Entwicklung des Konflikts erwarten wir bei diesen Sitzungen zwar keine geldpolitischen Änderungen. Der Markt hat jedoch seine Erwartungen hinsichtlich Leitzinssenkungen der Fed im Jahr 2026 zurückgeschraubt, sodass für dieses Jahr aktuell nur noch eine Zinssenkung eingepreist ist. Wir halten zwei Fed-Zinssenkungen weiterhin für wahrscheinlich, sollte sich der Iran-Konflikt als relativ kurzer Krieg erweisen. Abgesehen von den Notenbanksitzungen und einer Hand voll wichtiger Makrodaten – für Deutschland diese Woche insbesondere die morgen anstehenden ZEW-Konjunkturerwartungen für den laufenden Monat – bleiben die geopolitischen Entwicklungen, insbesondere rund um die Straße von Hormus, und deren Auswirkungen auf den Energiesektor derzeit der wichtigste Treiber für die Märkte.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung. informieren.
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