Märkte | Inflations- und Geopolitiksorgen belasten die Stimmung  

Die Aktienmärkte erreichten in der vergangenen Woche neue Höchststände, wobei der Wall Street-Leitindex S&P 500 Rekordwerte verzeichnete. Gegen Ende der Woche ließ die Dynamik jedoch nach, da erneute geopolitische und inflationsbezogene Sorgen die Stimmung zu belasten begannen. 

Das Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi in Peking brachte letztlich weniger, als die Märkte erhofft hatten. Zwar schlugen beide Seiten einen konstruktiven Ton an, doch brachte der Besuch von Präsident Trump nur begrenzte konkrete Fortschritte, auch im Iran-Konflikt. Die Gespräche machten zudem die anhaltende Sensibilität rund um Taiwan deutlich.

Der Marktfokus hat sich zudem wieder dem Nahen Osten zugewandt. Die Lage im Zusammenhang mit dem Iran bleibt fragil. Zwar könnte es einen Weg zu einer letztendlichen Deeskalation geben, doch dürfte dieser kaum geradlinig verlaufen. Eine kurzfristige erneute Eskalation bleibt möglich, da beide Seiten versuchen, ihre Verhandlungspositionen zu stärken. Da die Straße von Hormus nach wie vor praktisch gesperrt ist, steigt das Risiko, dass sich der energiebedingte Preisdruck in der Weltwirtschaft weiter verfestigt.

Während sich der Iran-Konflikt bislang nur mäßig auf das Wirtschaftswachstum ausgewirkt hat, waren die Auswirkungen auf die Inflation deutlicher, wie die jüngsten US-Daten zeigen. Sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugerpreisinflation fielen höher aus als erwartet. Die Gesamtinflation stieg im Jahresvergleich auf 3,8 %, während die Kerninflation, die volatilere Komponenten wie Lebensmittel und Energie ausschließt, bei 2,8 % lag und damit ebenfalls deutlich über dem 2 %-Ziel der Fed blieb. Zwar waren höhere Energiepreise ein wesentlicher Treiber, doch der zugrunde liegende Druck ist breiter angelegt, wobei sich die Inflation bei Dienstleistungen als hartnäckig erweist.

Vor diesem Hintergrund sind die globalen Anleiherenditen gestiegen, wobei die USA zum ersten Mal seit 2007 30-jährige Anleihen mit einem Kupon von 5 % emittierten. Investoren überprüfen derzeit ihre Erwartungen hinsichtlich der künftigen Leitzinsen und die Auswirkungen höherer Renditen auf die Bewertungen von Vermögenswerten. Die Fed dürfte weiterhin abwarten. Zwar bleibt die Hürde für Leitzinsanhebungen hoch, doch erscheint auch eine kurzfristige Lockerung unwahrscheinlich. Sofern die Straße von Hormus nicht über einen längeren Zeitraum effektiv gesperrt bleibt, ist eine moderate Leitzinssenkung im weiteren Jahresverlauf weiterhin möglich.

Im Vereinigten Königreich haben anhaltende Inflationssorgen in Verbindung mit zunehmender politischer Unsicherheit den Aufwärtsdruck auf die Renditen britischer Staatsanleihen noch verstärkt. Die jüngsten Entwicklungen haben die Position von Premierminister Keir Starmer nach einem vielbeachteten Rücktritt aus dem Kabinett geschwächt und Spekulationen über eine mögliche Führungskrise in der Labour-Partei ausgelöst. Während die Lage ungewiss bleibt, sorgt die Aussicht auf einen politischen Wandel für zusätzliche Unsicherheit hinsichtlich der fiskalischen Aussichten.


Unternehmensgewinne | Starke Quartalsergebnisse untermauern unsere moderate Präferenz für Aktien 

Die Berichtssaison für das erste Quartal 2026 ist in der Endphase. Rund 90 % der Unternehmen in den USA und Europa haben ihre Ergebnisse bereits vorgelegt. Die Zahlen fielen stärker aus als erwartet, gerade in den USA. Dies deutet darauf hin, dass sich die Lage in den Firmen trotz anhaltender makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheiten weiterhin als widerstandsfähig erweist.

In den USA war das Gewinnwachstum stark. Der Gewinn je Aktie stieg im Vergleich zum Vorjahr um 23 %. Große Technologieunternehmen wie die „Magnificent Seven“ lieferten erneut solide Ergebnisse. Die Stärke beschränkte sich jedoch nicht auf diese Gruppe. Auch ohne diese Unternehmen bleibt das Gewinnwachstum im breiteren Markt gesund. Die Medianwerte deuten auf ein zweistelliges Wachstum hin.

In Europa war das Gewinnwachstum zwar langsamer, bleibt aber weiterhin stützend. Der Gewinn pro Aktie stieg im Jahresvergleich um durchschnittlich 5 %. Dies spiegelt ein schwächeres wirtschaftliches Umfeld und Unterschiede in der Marktstruktur wider. In Europa spielen Branchen wie Finanz, Industrie und Energie eine größere Rolle, der Technologiesektor eine kleinere. Letztgenannter verzeichnete die stärkste Gewinndynamik, gestützt durch anhaltende Investitionen im Zusammenhang mit KI – ein Grund dafür, dass Europas Börsen der Wall Street leicht hinterherhinken.

Insgesamt bevorzugen wir weiterhin Aktien gegenüber Anleihen. Unserer Ansicht nach stützen die soliden Gewinntrends und nach wie vor günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen weiter Risikoanlagen, auch wenn die Unsicherheit hoch bleibt.

Unser Aktienengagement ist über Regionen, Sektoren und Anlagestile hinweg diversifiziert. Dies trägt dazu bei, das Potenzial für Kursgewinne mit der Notwendigkeit in Einklang zu bringen, die mit makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen verbundene Volatilität zu steuern. 

Im Rentenbereich bevorzugen wir hochwertige Staatsanleihen gegenüber risikoreicheren Marktsegmenten, in denen die Bewertungen weiterhin hoch sind. Wir bleiben bei US-Staatsanleihen untergewichtet, was den Inflationsdruck und die Aufwärtsrisiken für die Renditen widerspiegelt. Die Portfolios behalten zudem ein Engagement in inflationsgeschützten Anleihen und Rohstoffen als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken bei.


Diese Woche | Konjunkturdaten, Fed-Protokoll und Nvidia-Zahlen 

Diese Woche werden die globalen vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Mai veröffentlicht, die am Donnerstag für wichtige Volkswirtschaften wie die USA, Großbritannien und die Eurozone inklusive Deutschlands erwartet werden. Sie liefern zusammen mit dem deutschen Ifo-Geschäftsklima (Freitag) erste Anhaltspunkte zur Entwicklung der Konjunktur im laufenden Monat, wobei die Anleger genau beobachten werden, ob sich die höheren Energiepreise und die geopolitischen Spannungen bereits spürbar auf die Stimmung in der Wirtschaft auswirken.

In den USA wird sich die Aufmerksamkeit am Mittwoch auf die Daten zum Immobilienmarkt und das Fed-Protokoll richten. Die Märkte werden nach Hinweisen suchen, wie die politischen Entscheidungsträger die Inflationsaussichten einschätzen und was dies für den geldpolitischen Kurs bedeutet.

Auf Unternehmensseite werden die Ergebnisse von Nvidia am Mittwoch im Mittelpunkt stehen. Als Vorreiter des KI-Investitionsbooms werden die Gewinne und die Prognosen des Unternehmens genau beobachtet, um Hinweise auf die Stärke und Nachhaltigkeit der KI-bezogenen Nachfrage zu erhalten. 

 


Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
 

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