USA | Wer ist der neue Fed-Chef und was bedeutet dies?

Die Sitzung der US-Notenbank (Fed) in der vergangenen Woche, bei der die Leitzinsen wie erwartet unverändert blieben, geriet angesichts der Überraschung im Anschluss in den Hintergrund: US-Präsident Trump nominierte Kevin Warsh für die künftige Leitung der Notenbank. Warsh war von 2006 bis 2011 Gouverneur der Fed und war somit während der Bewältigung der globalen Finanzkrise dabei. In jüngster Zeit zeigte er sich offen für niedrigere Leitzinsen, aber in der Vergangenheit lehnte er eine Ausweitung der Bilanzsumme der Fed ab.

Mit Blick auf die Zukunft hätte Präsident Trump, gerne dass die amerikanischen Kreditkosten auf etwa 1 % sinken. Er hat deutlich gemacht, dass der nächste Fed-Chef bereit sein muss, die Leitzinsen zu senken. Die jüngsten Äußerungen von Warsh lassen allerdings Raum für Zinssenkungen, könnten aber mit einer schlankeren Bilanz einhergehen.

Insgesamt werden die Märkte die Unabhängigkeit des nächsten Vorsitzenden und sein Engagement für das doppelte Mandat der Fed (Inflation und Arbeitsmarkt) auf die Probe stellen. Warsh hat argumentiert, dass KI-gesteuerte Produktivität disinflationär ist, was ihm eine Begründung für eine Lockerung liefert. Aber er muss sich noch Glaubwürdigkeit verschaffen. Diese Herausforderung ist jetzt größer, da der Präsident öffentlich Druck für Zinssenkungen ausübt. Wir bezweifeln jedoch, dass es im Juni, wenn der Wechsel stattfindet, zu einer drastischen Wende in der Politik kommen wird, da der Vorsitzende in einem gespaltenen Ausschuss nur eine Stimme hat. Die Unsicherheit steigt jedoch: Warsh könnte die Leitzinsen deutlicher senken als von den meisten erwartet, und das trotz der soliden wirtschaftlichen Lage in den USA.

Nach der Ankündigung vergangene Woche reagierten die Märkte gemischt: Der Dollar erholte sich leicht, Gold gab nach, die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen moderat und Aktien gaben nach. Wir bleiben bei US-Staatsanleihen weiterhin untergewichtet. Die fiskalischen Aussichten dürften sich verschlechtern, und die Fragen zur Tragfähigkeit der Verschuldung sind noch lange nicht geklärt.

Global | Klarerer Himmel im Januar, aber einige Unsicherheiten bleiben bestehen

Das Jahr 2026 begann auf einer soliden makroökonomischen Basis, wurde jedoch schnell von einer weiteren Welle geopolitischen Schocks getroffen, die die Volatilität an den Märkten in die Höhe trieb. Das Wachstum brach nicht ein, doch die Anleger passten ihre Risikoeinschätzung immer wieder an. Am Monatsende entwickelten sich US-Aktien positiv, blieben jedoch zurück, die Schwellenländer schnitten überdurchschnittlich ab, der Dollar schwächte sich ab, die Anleiherenditen bewegten sich seitwärts und Edelmetalle legten zu, gaben jedoch Ende Januar wieder nach.

Die makroökonomischen Bedingungen bleiben stabil. Die USA verzeichnen ein über dem Trend liegendes Wachstum mit stabiler Inflation und nur einer leichten Abkühlung am Arbeitsmarkt, was einen schrittweisen Kurs der Fed zur Lockerung der Geldpolitik unterstützt. Europa bleibt in einer ausgewogenen Wachstums-Inflations-Zone. Die Schwellenländer profitieren weiter von der politischen Unterstützung Chinas, einem schwächeren US-Dollar und der globalen Nachfrage nach KI, die auf asiatischer Hardware basiert. Aus diesem Grund sind wir in Schwellenländeraktien übergewichtet. Wir halten auch eine moderate Übergewichtung in den USA und Europa, gestützt durch solide Gewinne und Verteidigungsausgaben.

Angesichts des geopolitischen Umfelds ist Diversifizierung wichtig. Wir halten Gold, breite Rohstoffe und inflationsgeschützte Anleihen als Teil unserer langfristigen Allokation. Und wo es zulässig ist, behalten wir ein Instrument zur teilweisen US-Aktienabsicherung für den Fall eines Rückschlags an der Wall Street. 

Globale Märkte | Wie beurteilen sie die Marktbewegungen der letzten Woche? 

Der Januar war für Edelmetalle ein turbulenter Monat. Gold stieg um bis zu 30 % und Silber um 60 %. Solche Bewegungen sind bei Vermögenswerten, die als sichere Häfen gelten, normalerweise nicht zu beobachten, es sei denn, „die Welt bricht zusammen“. Das ist heute nicht der Fall. Der Anstieg glich eher einem Kaufrausch, was durch den Rückgang bestätigt wurde. Gold und Silber sanken vergangene Woche um etwa 10 % Beziehungsweise 20 % und stehen auch heute unter Druck. Auch dies entspricht nicht gerade dem normalen Verhalten von sicheren Häfen.

Mit Blick auf die Zukunft verfügt Gold nach wie vor über eine solide Basis: erwartete Zinssenkungen der Fed, ein schwächerer Dollar, anhaltende geopolitische Spannungen und fortgesetzte Käufe durch die Notenbanken machen das Edelmetall weiter zu einem guten Diversifikator. Silber ist anfälliger. Die industrielle Nachfrage nach Silber lässt tendenziell nach, wenn die Preise zu stark steigen. Derzeit erscheinen die technischen Faktoren und Bewertungen für beide Metalle überzogen. Daher halten wir an unseren langfristigen Gewichtungen für Gold und Rohstoffe insgesamt fest, da wir durch Letztere auch in Silber sowie Industriemetalle, Agrarrohstoffe und Energie investiert sind.

Was den Energiesektor betrifft, so stieg der Ölpreis letzte Woche aufgrund von Spekulationen, dass die USA Maßnahmen gegen den Iran ergreifen könnten, um etwa 5 %. Dennoch glauben wir nicht, dass die Preise deutlich über 70 US-Dollar pro Barrel steigen werden. Trump hat signalisiert, dass er eine militärische Eskalation lieber vermeiden möchte, zumal er vor den Zwischenwahlen im November wenig Interesse an steigenden Ölpreisen und höherer Inflation haben dürfte, während der Markt weiterhin gut versorgt ist. Schließlich durchbrach der US-Dollar eine seit 2011 bestehende Unterstützungslinie. Wir hatten diese Schwäche erwartet und gehen davon aus, dass sich dieser Trend angesichts der Lockerung der US-Finanz- und Geldpolitik fortsetzen wird. Aus diesem Grund sichern wir unser US-Aktienengagement gegen Dollarkursschwankungen ab, was sich ausgezahlt hat.

Diese Woche | US-Arbeitsmarktdaten, geldpolitische Entscheidungen in Europa 

Der US-Arbeitsmarkt steht diese Woche im Mittelpunkt. Am Mittwoch werden die Zahlen zur Beschäftigung im privaten Sektor veröffentlicht, am Freitag folgen die Zahlen zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft und zur Arbeitslosenquote. Die Markterwartungen deuten auf eine gegenüber den letzten Monaten stabile Lage hin. Solche Zahlen können die Märkte bewegen, da sie nicht automatisch niedrigere Leitzinsen rechtfertigen, insbesondere wenn die “ISM”-Einkaufsmanagerumfrage für den Dienstleistungssektor (Mittwoch) in den USA stabil bleibt.

In Europa erwarten wir, dass sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of England (BoE) ihre Leitzinsen bei 2 % beziehungsweise 3,75 % belassen werden (beide am Donnerstag). Wir gehen davon aus, dass die EZB ihre Haltung bis 2026 beibehalten wird, während die BoE angesichts der hartnäckigen britischen Inflation geringfügige Senkungen vornehmen wird. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals sieht die Lage anders aus. Die Inflation in der Eurozone dürfte sich in der ersten Prognose für Januar weiter auf 1,7 % im Jahresvergleich verlangsamen, unterstützt durch die nach wie vor niedrigen Energiepreise (Mittwoch).

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