Naher Osten | Phasen der Deeskalation und Eskalation

Die Finanzmärkte blieben in der vergangenen Woche volatil, zeigten aber auch Anzeichen einer Erholung. Dieser vorsichtige Optimismus spiegelt die Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte zwischen den USA, Israel und dem Iran wider. Dennoch ist die Unsicherheit nach wie vor groß, mit Phasen vorsichtiger Deeskalation und erneuter Eskalation.

Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran haben die Marktstimmung verbessert. Die Verhandlungsbereitschaft beider Seiten deutet darauf hin, dass es nur begrenzte Alternativen zu einer letztendlichen Einigung gibt. Allerdings sind mehrere Fragen noch ungelöst, was die Spannungen hochhält und dazu führt, dass die Straße von Hormus noch nicht wieder wirklich geöffnet wurde – was die Anleger daran erinnert, dass der Weg zur Deeskalation wahrscheinlich nicht geradlinig verlaufen wird.

Auch China spielt eine wichtige Rolle. Es fungiert als wirtschaftliche Lebensader für den Iran, insbesondere durch fortgesetzte Ölkäufe. Gleichzeitig sieht sich Peking wachsendem externem und diplomatischem Druck ausgesetzt, zur Deeskalation beizutragen. Eine weitere Eskalation könnte für China kostspielig werden, angesichts der Auswirkungen auf die Energiepreise, den globalen Handel sowie die allgemeine wirtschaftliche und finanzielle Stabilität. Folglich scheinen Verhandlungen der einzig gangbare langfristige Weg zu sein, auch wenn Phasen der Anspannung anhalten.

In den USA gewinnt der innenpolitische Kontext zunehmend an Bedeutung. Präsident Trump sieht sich im Vorfeld der Zwischenwahlen im November zunehmendem Druck ausgesetzt. Niedrige Zustimmungswerte und hohe Energiepreise belasten die Verbraucherstimmung, während er offenbar auch innerhalb seiner eigenen Basis an Unterstützung verliert, was zum Teil auf frühere Versprechen zurückzuführen ist, die USA aus ausländischen militärischen Konflikten herauszuhalten. Darüber hinaus könnten steigender Finanzierungsbedarf und fiskalische Zwänge die Bemühungen zur Vermeidung eines langwierigen oder umfassenderen Konflikts weiter verstärken. Allerdings haben diese Faktoren noch nicht zu einem klaren Durchbruch geführt, und die politischen Signale bleiben gemischt.

Mit Blick auf die Zukunft wird sich die Aufmerksamkeit auf das für diese Woche geplante Treffen in Pakistan richten, sofern es stattfindet. Die Märkte werden genau darauf achten, ob konkrete Fortschritte erzielt werden oder zumindest Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass der Dialog aktiv bleibt und eine weitere Verschlechterung verhindern kann.


Globale Märkte | Eine Erholung, deren Dauerhaftigkeit unsicher bleibt 

Vor diesem Hintergrund ist die Erholung an den Aktienmärkten bemerkenswert. Der US-Markt hat nicht nur die Verluste nach der Eskalation wieder wettgemacht, sondern der S&P 500-Index hat mit über 7.000 Punkten ein Rekordhoch erreicht. Dies deutet auf Optimismus hinsichtlich der weiteren Entwicklung hin. Die Anleger scheinen das Risiko eines unmittelbaren und schweren stagflationären Schocks beiseite geschoben zu haben und gehen weiterhin davon aus, dass der Konflikt nur vorübergehend ist, gefolgt von einer relativ raschen Erholung mit überschaubaren wirtschaftlichen Folgen. Dies deckt sich mit unserem Basisszenario.

Gleichzeitig bleibt dieses Vertrauen jedoch noch zaghaft. Wichtige Fragen sind nach wie vor ungelöst, darunter die Entwicklungen hinsichtlich der Straße von Hormus und die Debatte über das iranische Atomprogramm. Da die Sicherheitslage im Nahen Osten insgesamt angespannt bleibt, dürfte die Marktstimmung weiterhin sehr empfindlich auf diplomatische Signale und geopolitische Entwicklungen reagieren.

Die Ereignisse des vergangenen Wochenendes in der Straße von Hormus haben diese Anfälligkeit deutlich gemacht. Die Wasserstraße wurde im Rahmen einer brüchigen Waffenruhevereinbarung kurzzeitig wieder geöffnet, bevor sie erneut gesperrt wurde, da die USA ihre Blockade angesichts erneuter Spannungen aufrechterhielten. Diese Entwicklungen zeigen, wie schnell sich die Lage ändern kann, insbesondere in Regionen, die für die weltweite Energieversorgung und den Handel von entscheidender Bedeutung sind.

Unterdessen ist die Berichtssaison an der Wall Street für das erste Quartal in vollem Gange und positiv angelaufen. Wir behalten unsere moderate Übergewichtung in Aktien bei, gestützt durch die jüngsten Kursgewinne. Dies wird mit einer Übergewichtung von Staatsanleihen und einer leichten Übergewichtung von Liquidität kombiniert, um für Ausgewogenheit zu sorgen, während wir risikoreichere Unternehmensanleihensegmente, deren Bewertungen die anhaltenden Risiken nicht angemessen widerspiegeln, weiterhin untergewichten. Als zusätzliche Risikominderer halten wir zudem Positionen in Gold, inflationsgeschützen Anleihen und, wo sinnvoll, ein „Teilversicherungs“-Instrument, das bei fallenden Aktienkursen an Wert gewinnt.


Diese Woche | Stimmung und Inflation im Fokus

Außerhalb des Nahen Ostens steht in Europa ein volles Programm an, wobei der Fokus auf Vertrauen und Inflation liegt. Hier zu Lande wird am Dienstag die ZEW-Investorenumfrage veröffentlicht, ein Frühindikator für die Konjunkturentwicklung. Am Mittwoch kommen die britischen Inflationszahlen, während für die Eurozone das Verbrauchervertrauen ansteht. Der Donnerstag ist ein wichtiger Tag, an dem die Einkaufsmanagerindizes (“PMIs”) – ein weiterer wichtiger Indikator für die Unternehmensaktivität – für April für Europa inklusive Deutschlands, sowie für die USA und Japan publiziert werden. Am Freitag folgt dann für Deutschland noch das Ifo-Geschäftsklima zur Stimmung der deutschen Firmen.

In den USA verlagert sich der Datenfokus auf den Konsum und den Arbeitsmarkt. Am Dienstag geben die Einzelhandelsumsätze für März Aufschluss über die Konsumstärke, während der wöchentliche “ADP”-Jobbericht aktuelle Arbeitsmarkttrends beleuchtet. Die US-Datenwoche endet mit dem Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan, der auch eine Einschätzung der Inflationserwartungen enthält.

 


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