Das Wichtigste in 30 Sekunden:
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Die Ölpreise erreichten vergangene Woche nach erneuten Spannungen zwischen den USA und dem Iran kurzzeitig 100 US-Dollar pro Barrel, was die Inflationsrisiken erhöhte und die Unsicherheit an den Märkten verstärkte. Obwohl die Risiken gestiegen sind, bleibt das Basisszenario, dass der Konflikt die Aussichten für Wachstum, Inflation oder Zinsen nicht wesentlich verändern wird.
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Die EZB hat ihre Leitzinsen unverändert belassen, und auch von anderen großen Notenbanken wird diese Woche eine Zinspause erwartet. Die Märkte konzentrieren sich weiterhin auf die Frage, ob höhere Energiepreise zu einer anhaltenden Inflation führen und künftige Zinssenkungen verzögern werden.
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Um den steigenden geopolitischen Risiken und Inflationsrisiken besser zu begegnen, haben wir kürzlich das Aktienengagement reduziert und die Allokationen von Staatsanleihen und Liquidität erhöht, um die Portfolios im Falle zunehmender Marktvolatilität ausgewogener zu gestalten.
GEOPOLITISCHES RISIKO
Erneute Sorgen, Portfolio aber auf Widerstandsfähigkeit ausgelegt
Letzte Woche erreichten die Brent-Rohölpreise 100 US-Dollar je Barrel, da Angriffe der USA und des Irans den Energietransport in der Straße von Hormus unterbrachen (derzeit liegen sie bei rund 90 US-Dollar je Barrel). Auch rund um die Meerenge von Bab el-Mandeb nahmen die Sorgen zu, nachdem die Houthis Drohungen gegen die Schifffahrt im Roten Meer ausgesprochen hatten.
Höhere Ölpreise stellen das unmittelbarste wirtschaftliche Risiko dar, da sie den Inflationsdruck erhöhen und den Spielraum für Leitzinssenkungen verringern können, was Aktien belasten könnte. Sollten die Ölpreise über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau bleiben, könnten sie zudem die Konsumausgaben, das Wirtschaftswachstum und die Aktienmärkte bremsen.
Dennoch glauben wir, dass der Druck, die Eskalation zeitlich zu begrenzen, hoch ist. Seit der erneuten Eskalation der Spannungen vor zwei Wochen ist die Zustimmungsrate von Präsident Trump weiter gesunken, da die durchschnittlichen US-Benzinpreise landesweit auf über 4 Dollar für die Gallone gestiegen sind. Dies ist kein gutes Zeichen für die Republikanische Partei im Vorfeld der Zwischenwahlen am 3. November. Umfragen zeigen derzeit, dass die Demokraten bei den Kongresswahlen führen, und einige Prognosemärkte deuten darauf hin, dass das Repräsentantenhaus an die Demokraten übergehen könnte. Auch der Iran ist nach wie vor auf Einnahmen aus Ölexporten angewiesen, was die Bedeutung der Aufrechterhaltung der Ölversorgung unterstreicht.
Ein neuer Engpass im Roten Meer könnte zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Ölpreise und die Inflation ausüben. Auch erneute Zölle könnten dies bewirken. Die USA haben nach Ablauf früherer Zölle neue Zölle in Höhe von 10–12 % gegen 60 Länder verhängt, da die Regierung die Handelsmaßnahmen wieder in Kraft setzt, die der Oberste Gerichtshof Anfang dieses Jahres aufgehoben hatte. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass die Notenbanken so schnell reagieren werden wie im Jahr 2022. Dies liegt daran, dass sich die Leitzinssätze bereits im neutralen oder restriktiven Bereich befinden und die US-Zölle weitgehend eine Verlängerung von Maßnahmen darstellen, die ohnehin am 24. Juli ausliefen.
Für Anleger lautet die zentrale Frage, ob höhere Ölpreise und erneute Handelsspannungen die Aussichten für Wachstum, Inflation und Zinsen wesentlich verändern werden. Zum jetzigen Zeitpunkt glauben wir das nicht. Die Risiken haben jedoch zugenommen. Vor diesem Hintergrund sorgt unser jüngster Schritt, das Aktienengagement leicht zu reduzieren und die Allokationen in Staatsanleihen und Liquidität zu erhöhen, für eine bessere Ausgewogenheit der Portfolios, sollte die Marktvolatilität zunehmen.
GELDPOLITIK
EZB hält vorerst an ihrem Kurs fest
Vergangene Woche beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen entsprechend den Markterwartungen bei 2,25 % zu belassen. Christine Lagarde ließ die Möglichkeit einer Zinserhöhung im weiteren Verlauf dieses Jahres offen, vermied es jedoch angesichts der anhaltenden Unsicherheiten, sich auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen. Einerseits verringern relativ schwache Konjunkturdaten, wie beispielsweise das nachlassende Lohnwachstum, die Dringlichkeit einer sofortigen Leitzinsanhebung. Andererseits schränken höhere Energiepreise den Spielraum für Senkungen in naher Zukunft ein.
Umstritten ist, ob höhere Energiepreise zu einem breiteren und anhaltenderen Inflationsdruck führen werden. Die EZB wartet auf weitere Anzeichen dafür, bevor sie eine Entscheidung trifft. Unserer Ansicht nach sind weitere Leitzinserhöhungen der EZB im Jahr 2026 angesichts des verhaltenen Wachstumsumfelds unwahrscheinlich, vorausgesetzt, der Konflikt zwischen den USA und dem Iran deeskaliert bald.
Die Märkte preisen jedoch weiterhin zwei Leitzinserhöhungen um jeweils einen Viertelpunkt ein. Diese unterschiedlichen Erwartungen sowie die schwache Konjunkturdynamik gehörten zu den Gründen, warum wir im vergangenen Monat unsere Bestände an Staatsanleihen der Eurozone aufgestockt haben, finanziert durch den Abbau europäischer Aktien.
DIESE WOCHE
Fed, Bank of England und Bank of Japan lassen ihre Zinsen wohl vorerst unverändert
Diese Woche richtet sich die Aufmerksamkeit auf die andere Seite des Atlantiks. Am Mittwoch wird erwartet, dass die Federal Reserve (Fed) den US-Leitzins im Bereich von 3,5 % bis 3,75 % belässt. Bevor die Spannungen erneut eskalierten, erklärte Fed-Chef Kevin Warsh, die Inflationsrisiken hätten nachgelassen. Diese Äußerungen dürften nun weniger Gewicht haben. Angesichts der anhaltenden energiebedingten Inflationsrisiken und der weiterhin starken US-Wirtschaft rechnen wir damit, dass die Fed die Leitzinsen noch vor Jahresende auf 3,75 % bis 4 % anheben wird.
Die Bank of England (BoE) tagt am Donnerstag. Wir rechnen hier vorerst nicht mit einem Zinsschritt. Vertreter der BoE haben betont, dass höhere Zinsen die Auswirkungen des Energieschocks auf die Preise nicht ausgleichen würden. Dennoch erwarten wir, dass der britische Leitzins bis zum Jahresende 4 % erreichen wird, sollte es unter dem neuen Premierminister Andy Burnham zu einer Lockerung der Fiskalpolitik kommen. Schließlich wird auch erwartet, dass die Bank of Japan (BoJ) ihre Leitzinsen vorerst unverändert lässt. Nach einem Anstieg der Inflation im Juni rechnen wir jedoch damit, dass die BoJ ihren Leitzins noch vor Jahresende anheben wird.
Was die Konjunkturdaten angeht, dürften die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal 2026 wahrscheinlich beschleunigt hat, gestützt durch eine starke Nachfrage im Bereich der Künstlichen Intelligenz. In der Eurozone erwarten wir wie in Deutschland (erste Bruttoinlandsproduktschätzung für das zweite Quartal am Donnerstag) nur eine moderate Erholung, die für den gesamten Euroraum hauptsächlich auf eine Erholung der volatilen irischen Daten zurückzuführen ist, nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft war. Für Juli meldet das Ifo-Institut heute einen etwas stärkeren Anstieg ihres Geschäftsklimas als vom Markt erwartet, wofür gestiegene Geschäftserwartungen verantwortlich sind. Die vorläufigen Inflationszahlen für Juli (am Donnerstag für Deutschland und am Freitag für den Euroraum insgesamt) dürften energiepreisbedingt etwas höher als im Vormonat ausfallen.
Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
*Die dem vorliegenden „Markt- und Investment Update“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteil zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des „Markt- und Investment Update“ dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Markt- und Investment Update“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar. Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2026: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch
