Markt- und Investment-Update 31. August 2026

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Das Wichtigste in 30 Sekunden: 

  • Geopolitische Spannungen bleiben ein wesentlicher Markttreiber, doch dank soliderer konjunktureller Fundamentaldaten und einer geringeren Energieabhängigkeit ist eine Wiederholung des Schocks von 2022 weniger wahrscheinlich. 

  • Trotz der Unsicherheit im Nahen Osten und fiskalischer Bedenken in den USA stützen Unternehmensgewinne, Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie ein robustes Wachstum weiterhin Risikoanlagen. 

  • Wir bleiben bei Aktien gegenüber Anleihen weiterhin moderat übergewichtet, bevorzugen US- und Schwellenländeraktien und behalten angesichts anhaltender geopolitischer und fiskalischer Belastungen eine positive Einschätzung für Gold bei. 

NAHER OSTEN
Sechs Monate nach Beginn des Konflikts  

Geopolitische Risiken stehen seit sechs Monaten wieder im Fokus des Anlegerinteresses. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Energiemärkte, Handelswege und die Marktstimmung beeinträchtigt. Die Ölpreise sind zum Echtzeit-Barometer der Ereignisse vor Ort geworden: Sie steigen, wenn die Spannungen eskalieren, und geben nach, wenn sich die Aussichten auf einen diplomatischen Durchbruch verbessern. 

Das ist für die Weltwirtschaft nach wie vor von Bedeutung, wenn auch bei weitem nicht mehr so wie früher. Die Energieintensität ist seit den 1970er-Jahren um rund 60 % gesunken. Das bedeutet, dass Volkswirtschaften heute deutlich weniger Öl benötigen, um die gleiche Wirtschaftsleistung zu erbringen. 

Dennoch bleibt der Ölmarkt unterversorgt. In Zeiten der Eskalation können alternative Schifffahrtsrouten um die Straße von Hormus die unterbrochenen Lieferströme nicht vollständig ersetzen, was eine Untergrenze für die Energiepreise und damit auch für die Inflation bildet. Das bedeutet, dass die Notenbanken mit einem komplizierteren Umfeld konfrontiert sind. Die gute Nachricht ist, dass die Leitzinsen bereits auf einem neutralen oder leicht restriktiven Niveau liegen, was eine Wiederholung des aggressiven Straffungszyklus von 2022 weniger wahrscheinlich macht. 

Keine der beiden Seiten scheint starke Anreize zu haben, den Konflikt zu verlängern. Sowohl im Iran als auch in den USA nehmen der wirtschaftliche und der politische Druck zu. Für den Iran nimmt der Schock zunehmend stagflationäre Züge an: Die Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um fast 10 % schrumpfen, während die Inflation auf 90 % zusteuert. In den USA sinken die Zustimmungswerte für Präsident Trump weiter, insbesondere in Bezug auf Inflation und Wirtschaft. Der Kontrast zu Finanzminister Scott Bessents „3-3-3“-Ziel ist auffällig. Der Plan zielt darauf ab, ein reales Wirtschaftswachstum von 3 % zu erreichen, das US-Haushaltsdefizit auf 3 % des Bruttoinlandsprodukts, also der amerikanischen Jahreswirtschaftsleistung, zu senken und die US-Ölproduktion um weitere drei Millionen Barrel pro Tag zu steigern. Unterdessen ist die Staatsverschuldung auf 40 Billionen US-Dollar gestiegen, die Benzinpreise bleiben mit rund 4 bis 5 US-Dollar für eine Gallone auf hohem Niveau, und die Hypothekenzinsen liegen immer noch bei fast 7 %. 

Die Vergangenheit zeigt, dass die Unsicherheit rund um die US-Zwischenwahlen die Marktstimmung kurzfristig beeinflussen könnte, wenn auch weitaus stärker als die langfristigen Aktienrenditen. Dennoch bleibt der Ausgangspunkt ein solides Wachstum. Investitionen in Künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Verteidigung wirken weiterhin stützend, während die Unternehmensgewinne regionenübergreifend weiter steigen. Vor diesem Hintergrund bleiben wir für Risikoanlagen konstruktiv und taktisch bei Aktien gegenüber Anleihen moderat übergewichtet, wobei wir US-Titel und Aktien aus Schwellenländern bevorzugen. 


USA

Wie sind die Rückkäufe von Staatsanleihen zu bewerten?

Am 19. August kündigte das US-Finanzministerium an, den Umfang seiner Rückkaufmaßnahmen für langlaufende US-Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Die offizielle Begründung war einfach: Verbesserung der Liquidität und der Marktfunktionalität angesichts steigender langfristiger Renditen. Unserer Ansicht nach gibt es kaum Anzeichen dafür, dass der Markt für US-Staatsanleihen unter einem nennenswerten Liquiditätsproblem leidet, obwohl der Handel im August typischerweise weniger liquide ist als üblich. Vielmehr spiegeln die höheren Renditen unseres Erachtens weitgehend die makroökonomischen Fundamentaldaten wider. Die Energiepreise sind gestiegen, die finanzpolitische Unsicherheit bleibt hoch, das Emissionsvolumen von Anleihen hat zugenommen und die geopolitischen Spannungen halten an. 

Der Umfang des Programms ist allerdings beträchtlich. Wir schätzen, dass die Rückkäufe etwa 15 % der jährlichen Bruttoemission langlaufender Anleihen absorbieren könnten, was dazu beitragen könnte, weitere Renditeanstiege zu begrenzen. Sie gehen jedoch nicht auf die zugrunde liegenden Kräfte ein, die den Markt antreiben und zu allgemeinen fiskalpolitischen Bedenken führen. Daher bleiben wir bei US-Staatsanleihen taktisch untergewichtet. 

Die Ankündigung könnte jedoch weitreichendere Folgen für andere Anlageklassen haben. Erstens könnte sie den US-Dollar belasten, wie wir es in letzter Zeit beobachtet haben. Wenn die Kurse von US-Staatsanleihen gestützt werden, während die zugrunde liegenden Fundamentaldaten weiterhin unter Druck stehen, könnte ein Teil der Anpassung stattdessen über die Währung erfolgen. Nach einer Stabilisierungsphase des US-Dollars, in der wir eine neutrale Haltung eingenommen hatten, rechnen wir daher erneut mit einer moderaten Schwäche des Greenback, unterstützt auch durch die relative Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB), von der die Märkte nun erneut Leitzinserhöhungen erwarten (was zur Stärkung des Euro beitragen würde). 

Zweitens stärkt diese Entwicklung Gold. Anleger suchen weiterhin nach Alternativen zu den rasch steigenden Staatsschulden in den Industrieländern. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Notenbanken hoch. Zusammengenommen könnten diese Faktoren den Goldpreis weiter stützen. Wir behalten daher unsere Übergewichtung des Edelmetalls im Rahmen unserer taktischen Asset Allocation bei. 


DIESE WOCHE
US-Arbeitsmarktbericht, Inflation in der Eurozone 

Den Märkten steht eine Woche voller Konjunkturdaten bevor, die die Erwartungen im Vorfeld der wichtigen Notenbanksitzungen im September prägen könnten. 

Vergangenen Freitag wies Fed-Chef Kevin Warsh während des jährlichen Zentralbanker-Symposiums in Jackson Hole auf einen stabilen Arbeitsmarkt und niedrige Arbeitslosenzahlen hin und betonte, dass die geldpolitischen Bedingungen nicht restriktiv seien, was – im Einklang mit unserer Prognose – möglicherweise auf eine US-Leitzinserhöhung hindeutet. 

Neben den Einkaufsmanagerumfragen für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor des Institute for Supply Management (Dienstag und Donnerstag) wird das Augenmerk daher auf dem Arbeitsmarktbericht für August (Freitag) liegen, der in der Regel die Märkte bewegt. Nach den schwächer als erwartet ausgefallenen Beschäftigungsdaten im Juli werden die Anleger nach den neuesten Anhaltspunkten suchen, um zu beurteilen, ob sich der US-Arbeitsmarkt abkühlt oder ob saisonale und einmalige Faktoren die zugrunde liegende Stärke der Arbeitsplatzschaffung verschleiert haben. 

In China werden die Einkaufsmanagerindizes für August (Dienstag und Donnerstag) einen aktuellen Überblick über die Stärke der Erholung liefern. 

Und in der Eurozone schließlich dürften die am Dienstag veröffentlichten Inflationszahlen für August (heute noch für Deutschland) einen erneuten Aufwärtsdruck durch höhere Energiepreise zeigen. Eine steigende Inflation würde die Argumente für eine weitere Leitzinserhöhung der EZB auf ihrer Sitzung am 10. September auf 2,5 % untermauern, wovon wir mittlerweile ausgehen. 



Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.  

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