Mega-IPOs: Wenn Chance auf Liquidität trifft
8 mins to read this article

Marc Decker
Marc Decker is Co-Head of Direct Equities at Quintet Private Bank, based in Munich. Since joining the group in 2018, he has held several senior leadership positions and plays a key role in shaping the group’s equity investment strategy. In his current position, he oversees the management and ongoing development of the group’s equity model portfolios, with a strong emphasis on disciplined single‑stock selection and long‑term value creation across markets.
With more than two decades of investment experience, Decker brings deep expertise across equity and multi‑asset strategies. He began his career in 1999 as a portfolio manager at DWS in Frankfurt, before joining MEAG in Munich, where he worked as a multi‑asset portfolio manager. He later co‑founded Skalis Asset Management, an independent investment boutique specializing in multi‑asset solutions, and served as a member of its Management Board, combining entrepreneurial leadership with hands‑on portfolio management responsibility.
Decker is a CAIA Charterholder and holds a Diplom‑Betriebswirt (FH) degree in Business Administration from Frankfurt School of Finance & Management, equivalent to a Master’s degree. His investment approach is defined by rigorous analysis, strategic perspective and a strong commitment to delivering consistent outcomes for clients.
Eine neue Angebotswelle am Aktienmarkt
Eine neue Generation technologiegetriebener Großunternehmen drängt an die Börse. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei vor allem SpaceX, OpenAI und Anthropic. Gemeinsam könnten sie eine Bewertung von mehr als 3 bis 4 Billionen US-Dollar erreichen und damit eine der bedeutendsten Emissionswellen seit Jahrzehnten auslösen. Im Extremfall droht sogar der größte Liquiditätseffekt seit der Dotcom-Ära.
Die Investmentstory ist klar: Künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur und Raumfahrt zählen zu den dominierenden strukturellen Trends unserer Zeit. Entsprechend groß ist das Investoreninteresse. Die entscheidende Frage geht jedoch über die reine Nachfrage hinaus: Kann der Kapitalmarkt mehrere Kapital-intensive Wachstumsgeschichten dieser Größenordnung gleichzeitig effizient aufnehmen?
Denn große Börsengänge verändern das Marktgefüge. Neue Titel werden in der Regel durch Umschichtungen finanziert. Das Kapital fließt aus bestehenden Positionen ab, um Platz für neue Investments zu schaffen. In diesem Kontext wird die schiere Größe der Emissionen zum zentralen Faktor: Nicht nur die Qualität der einzelnen Geschäftsmodelle zählt, sondern auch die absorptive Fähigkeit des Marktes.
Diese IPO-Welle ist daher mehr als eine gut gefüllte Emissionspipeline. Sie ist ein Belastungstest für die Kapitalmärkte und dafür, wie viel Bereitschaft besteht, langfristig hohe Investitionsbedarfe in bereits ambitioniert bewerteten Sektoren zu finanzieren.

Daniele Antonucci
Daniele Antonucci ist Geschäftsführer, Co-Leiter der Investment-Abteilung und Chief Investment Officer bei Quintet Private Bank. Er hat seinen Sitz in Luxemburg und leitet gemeinsam das Investitionskomitee, das für Entscheidungen und Leistungsergebnisse verantwortlich ist. Als Leiter der Forschung überwacht Daniele die Anlagestrategie, die in die Portfolios einfließt, sowie die Teams von Spezialisten in verschiedenen Anlageklassen und Lösungen, von Makro über festverzinsliche Wertpapiere und Aktien bis hin zu Fonds, Alternativen, strukturierten Produkten und Derivaten. Er leitet das Netzwerk der Hauptstrategen und kommuniziert die Sichtweise des Hauses zu Wirtschaft und Märkten an Finanzberater, Kunden und die Medien.
Vor seinem Eintritt bei Quintet im Jahr 2020 als Chefökonom und Makro-Strategist war Daniele Chefökonom für den Euro-Raum bei Morgan Stanley in London. Er absolvierte das High Performance Leadership Programme an der Saïd Business School, University of Oxford, hat einen Masterabschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Duke University und schloss die Sapienza-Universität Rom ab. Er wurde im The Economist und in der Financial Times vorgestellt und oft in der allgemeinen Presse zitiert. Daniele ist ein veröffentlichter Autor in Finanz- und Wirtschaftsjournalen sowie in Investmentmagazinen, ein häufiger Redner bei CNBC und Bloomberg TV und Mitglied des ECB Shadow Council.

Marc Decker
Marc Decker is Co-Head of Direct Equities at Quintet Private Bank, based in Munich. Since joining the group in 2018, he has held several senior leadership positions and plays a key role in shaping the group’s equity investment strategy. In his current position, he oversees the management and ongoing development of the group’s equity model portfolios, with a strong emphasis on disciplined single‑stock selection and long‑term value creation across markets.
With more than two decades of investment experience, Decker brings deep expertise across equity and multi‑asset strategies. He began his career in 1999 as a portfolio manager at DWS in Frankfurt, before joining MEAG in Munich, where he worked as a multi‑asset portfolio manager. He later co‑founded Skalis Asset Management, an independent investment boutique specializing in multi‑asset solutions, and served as a member of its Management Board, combining entrepreneurial leadership with hands‑on portfolio management responsibility.
Decker is a CAIA Charterholder and holds a Diplom‑Betriebswirt (FH) degree in Business Administration from Frankfurt School of Finance & Management, equivalent to a Master’s degree. His investment approach is defined by rigorous analysis, strategic perspective and a strong commitment to delivering consistent outcomes for clients.
Kapitalaufnahme statt klassischer Exit
Ein zentrales Merkmal dieser neuen Börsengänge ist ihr Zweck. Anders als in klassischen IPO-Zyklen stehen nicht primär Exit-Möglichkeiten für Altaktionäre im Vordergrund. Vielmehr geht es um die Finanzierung massiver Investitionsprogramme, insbesondere in Rechenleistung, Dateninfrastruktur und KI-Entwicklung.
Für Investoren verändert das die Ausgangslage fundamental: Sie finanzieren nicht nur Wachstum, sondern auch dauerhaft hohe Kapitalbedarfe. Der Investment Case hängt damit stärker denn je von kontinuierlichen Ausgaben und operativer Umsetzung ab und nicht allein von steigender Nachfrage.
-
SpaceX: Skalierung mit PreisfrageSpaceX steht exemplarisch für diese Dynamik. Das Geschäftsmodell vereint Startdienstleistungen, Satelliteninternet (Starlink) sowie langfristige Daten- und KI-Ambitionen. Schätzungen zufolge trägt Starlink rund 60 Prozent zum Umsatz bei und ist aktuell der wesentliche Ergebnisgenerator. Im US-Startgeschäft verfügt SpaceX über einen Marktanteil von rund 80 Prozent und damit eine dominante strategische Position.Gerade diese Skalierung macht das Unternehmen attraktiv, wirft aber zugleich anspruchsvolle Bewertungsfragen auf. Unsere Analyse deutet auf ein mögliches Bewertungsniveau von etwa 70- bis 90-fachem Umsatz hin. Dies ist eine ambitionierte Spanne für ein Unternehmen, dessen Investment Case stark von zukünftiger Expansion und fehlerfreier Umsetzung abhängt.
-
OpenAI und Anthropic: Wachstum trifft KapitalintensitätÄhnliche Muster zeigen sich im KI-Sektor. OpenAI hat eine breit aufgestellte Plattform etabliert, die sowohl Unternehmen als auch Endkunden adressiert. Das Wachstum ist dynamisch, die finanziellen Anforderungen jedoch erheblich. Schätzungen zufolge liegt die jährliche Kapitalverbrennung bei rund 14 Milliarden US-Dollar, bei einer potenziellen Bewertung von etwa 35- bis 40-fachem Umsatz.
Anthropic positioniert sich differenzierter, mit stärkerem Fokus auf Unternehmensanwendungen und Sicherheit und damit einem Geschäftsmodell, das langfristig stabilere Erlösstrukturen ermöglichen könnte. Dennoch bleibt auch hier die Bewertung im Fokus: Diskutiert wird eine IPO-Spanne zwischen 400 und 500 Milliarden US-Dollar, deutlich unter zuletzt im privaten Markt gehandelten Bewertungen von rund 900 Milliarden. Diese Diskrepanz unterstreicht, wie schnell öffentliche Märkte zum entscheidenden Preisdruckfaktor werden können.
Governance und Wettbewerb als Risikofaktoren
Neben Bewertung und Kapitalbedarf rücken auch strukturelle Themen in den Fokus. Gründerdominierte Governance-Modelle können langfristige Visionen unterstützen und zugleich aber die Einflussmöglichkeiten von Minderheitsaktionären begrenzen. SpaceX ist hierfür das prominenteste Beispiel, nicht zuletzt aufgrund der starken Kontrolle durch Elon Musk.
Hinzu kommt intensiver Wettbewerb, insbesondere im KI-Sektor. OpenAI und Anthropic agieren nicht im luftleeren Raum, sondern stehen im direkten Wettbewerb zueinander sowie mit kapitalstarken Technologiekonzernen. Das erhöht den Investitionsdruck, kann Margen belasten und verkürzt potenzielle Wettbewerbsvorteile.
Marktfolgen: Verdrängungseffekte wahrscheinlich
Für Investoren geht die Bedeutung dieser IPO-Welle daher über einzelne Einzeltitel hinaus. Sollte ein kleiner Kreis sehr großer Emissionen einen substanziellen Teil der verfügbaren Liquidität binden, dürfte dies spürbare Auswirkungen auf andere Marktsegmente haben.
Die Opportunitätskosten steigen, alternative Wachstumsunternehmen könnten es schwerer haben, Kapital zu erhalten. In der Folge könnte es zu relativen Bewertungsverschiebungen kommen – nicht aus fundamentalen Gründen, sondern getrieben durch Liquiditätsströme.
Fazit: Strukturwandel am Kapitalmarkt
Diese potenziellen Mega-IPOs markieren einen strukturellen Wandel: Öffentliche Aktienmärkte werden zunehmend zur Finanzierungsquelle für langfristige, infrastrukturelle Zukunftsprojekte.
Das Chancenprofil ist zweifellos attraktiv. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Investoren: Disziplin, Selektivität und ein klares Verständnis für Kapitalintensität, Bewertung und Governance werden entscheidend sein, um in diesem Umfeld nachhaltig erfolgreich zu investieren.
*Die dem vorliegenden „Markt- und Investment Update“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteil zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des „Markt- und Investment Update“ dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Markt- und Investment Update“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar. Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2026: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch
