Vermögen und Vermächtnis
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Das Wichtigste in Kürze
- Else Kröner machte aus einem kriegszerstörten Unternehmen den heutigen Gesundheitskonzern Fresenius.
- Sie vermachte ihr Vermögen einer Stiftung, die seither mehr als 700 Millionen Euro für medizinische und humanitäre Projekte bereitgestellt hat.
- Die Geschichte zeigt: Vermögen ist Besitz, ein Vermächtnis ist die Wirkung, die darüber hinaus bleibt.
- Gerade bei der bevorstehenden Vermögensübertragung gewinnt die Frage nach Sinn, Werten und Wirkung an Bedeutung.
- Ein nachhaltiges Vermächtnis ist nicht nur für Großvermögen möglich, sondern kann auf vielfältige Weise gestaltet werden.
Else Kröner: Wie aus einem zerstörten Unternehmen ein Stiftungsvermögen entstand
Als Eduard Fresenius 1946 starb, hinterließ er seiner Ziehtochter Else Fernau kein Vermögen, sondern ein Problem. Die Frankfurter Hirsch-Apotheke und das dazugehörige pharmazeutische Unternehmen waren nach dem Krieg hoch verschuldet, die Gebäude weitgehend zerstört. „Ein Steinhaufen ist der kümmerliche Rest", schrieb sie später einem Freund, „ich hatte Mühe überhaupt zu erkennen, was das einstmals war."
Sie war Anfang zwanzig. Fast alle rieten ihr, das Erbe auszuschlagen. Von den einst rund 400 Beschäftigten mussten bis auf dreißig alle entlassen werden. Sie schlug das Erbe nicht aus. 1952 übernahm sie offiziell die Leitung und begann, aus dem Steinhaufen ein Unternehmen zu bauen – über Jahrzehnte, gegen Widerstände, mit einem Gespür für die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit. Aus der kleinen Apotheke wurde Fresenius: heute ein DAX-Konzern mit rund 176.000 Beschäftigten und über 21 Milliarden Euro Jahresumsatz.
Das allein wäre schon eine bemerkenswerte Geschichte. Aber der Teil, um den es hier geht, kommt erst noch.
Die Stiftung als Vermächtnis: Else Kröners wegweisende Entscheidung
1983 gründete Else Kröner – so hieß sie nach ihrer Heirat – eine gemeinnützige Stiftung. Und als sie 1988 überraschend starb, tat sie etwas, das die wenigsten tun: Sie vermachte dieser Stiftung ihr gesamtes Privatvermögen. Kein Familienzweig, keine aufgeteilten Anteile – das Lebenswerk in einer Hand, mit einem klaren Zweck: die Förderung der medizinischen Forschung.
Zum Zeitpunkt ihres Todes umfasste das Stiftungsvermögen rund 150 Millionen Euro. Was dann geschah, zeigt die eigentliche Kraft dieser Entscheidung. Weil das Vermögen investiert blieb und mit dem Unternehmen weiterwuchs, hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung inzwischen mehr als 700 Millionen Euro für rund 2.800 medizinische und humanitäre Projekte bewilligt. Sie ist heute die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Else Kröner hatte selbst keine leiblichen Kinder, adoptierte fünf und unterhielt zahlreiche Patenschaften – doch ihr größtes und langlebigstes Wirken entfaltete sie über das, was sie hinterließ.
Vermögensübertragung und Vermächtnis: Warum die Geschichte heute relevanter denn je ist
Man könnte Else Kröner für einen Ausnahmefall halten – zu großes Vermögen, zu ferne Zeit. Aber ihre Geschichte macht etwas sichtbar, das für sehr viel mehr Frauen gilt, als man denkt. Sie hatte begriffen, dass Vermögen und Vermächtnis nicht dasselbe sind. Vermögen ist, was man besitzt. Vermächtnis ist, was davon weiterwirkt, wenn man selbst nicht mehr da ist – und in welche Richtung.
Dieser Gedanke gewinnt gerade an Bedeutung. In Deutschland steht die größte Vermögensübertragung der Geschichte bevor, und ein erheblicher Teil dieser Werte läuft durch die Hände von Frauen. Zugleich zeigen Untersuchungen immer wieder, dass Frauen ihr Vermögen besonders häufig an Zielen und Werten ausrichten, nicht allein an der Rendite. Die Frage „Was soll mein Geld eigentlich bewirken?" wird damit für viele zu einer der zentralen Fragen ihrer Vermögensplanung.
Vermächtnis gestalten: Möglichkeiten von Stiftung, Zustiftung und Nachlassplanung
Der vielleicht größte Irrtum ist die Annahme, dafür brauche es ein Fresenius-Format. Das stimmt nicht. Zwischen einer einmaligen Spende und einer eigenständigen Stiftung liegt ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten, Wirkung zu gestalten – vom Zustiften in eine bestehende Stiftung über Treuhandstiftungen bis zur testamentarischen Verankerung eines Zwecks. Was zählt, ist nicht die Größe der Summe, sondern die Klarheit über drei Fragen: Was möchten Sie bewirken? Wen soll es erreichen? Und soll es zu Ihren Lebzeiten wirken oder darüber hinaus?
Diese Fragen sind persönlicher, als sie zunächst klingen. Sie berühren die eigene Biografie – wofür man dankbar ist, was einen geprägt hat, welche Not man besonders sieht. Else Kröner förderte die Medizin, weil ihr Ziehvater aus der Pharmazie kam und sie ein tiefes Vertrauen in die Forschung hatte. Ihr Vermächtnis war kein abstrakter Akt, sondern die Verlängerung ihres Lebensweges in die Zukunft.
Vermögensnachfolge und Vermächtnisplanung: Warum persönliche Beratung entscheidend ist
Genau an diesem Punkt beginnt unsere Arbeit bei Merck Finck. Ein Vermächtnis zu gestalten, ist keine reine Finanzentscheidung – es ist eine Entscheidung darüber, was von einem bleiben soll, und sie verdient einen Rahmen, in dem man in Ruhe darüber nachdenken kann. Als eine der ältesten Privatbanken Deutschlands begleiten wir Familien und Unternehmerinnen über Generationen hinweg. Wir helfen Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen, bevor wir über Strukturen sprechen, und die passende Form für das zu finden, was Ihnen wichtig ist.
Diese Überzeugung leben wir auch selbst. 2007 haben wir unter dem Leitmotiv „Werte bewahren, Zukunft gestalten" die Merck Finck Stiftung gegründet – eine gemeinnützige Stiftung, deren Kernthemen Bildung und Erziehung sowie die Jugend- und Altenhilfe sind. Sie zeigt zugleich, wie niedrig die Einstiegshürde sein kann: Wer eine eigene Stiftung errichten möchte, muss nicht bei null beginnen. Über eine Zustiftung lässt sich gemeinnütziges Engagement mit dem eigenen Namen verbinden, ohne den Aufwand einer Neugründung – und schon eine projektbezogene Spende kann gezielt dorthin fließen, wo sie Ihnen am Herzen liegt. Ob Zustiftung, eigene Stiftung oder eine wohlüberlegte Weitergabe an die nächste Generation: Wir finden mit Ihnen den Weg, der zu Ihren Zielen passt.
Else Kröner war Anfang zwanzig, als sie sich gegen den Rat aller entschied, ein scheinbar wertloses Erbe anzunehmen. Am Ende hat sie daraus etwas geschaffen, das bis heute Leben rettet. Nicht jede Geschichte hat diese Dimension. Aber jede Frau kann die Frage für sich beantworten, die hinter ihrer steht: Was soll bleiben?
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