Private Debt: Liquiditätsdruck sorgt für Schlagzeilen – bisher keine Anzeichen einer systemischen Krise

So viel derzeit über die Situation am Private Debt-Markt gesprochen wird, so wenig deutet bislang aus unserer Sicht auf eine systemische Private-Debt-Krise hin. Wir sehen derzeit keine unmittelbare Ansteckungsgefahr von den Geschehnissen rund um die in den USA in diesem Markt bedeutsamen Business Development Companies (BDCs) auf den Gesamtmarkt. Wichtiger ist, wie sich die faktische Qualität der ausgereichten Kredite vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage entwickeln wird und ob dies letztlich zu einem Wachstums-, Inflations- oder Zinsschock führt. 

Wir sehen durchaus, dass die jüngsten Schlagzeilen rund um Private Debt zu einer Welle von Anlegerfragen geführt haben. Richtig ist aber auch: Die bisherigen Entwicklungen wurden überwiegend durch liquiditätsbedingte Spannungen ausgelöst – insbesondere bei den BDCs in den USA – und weniger durch eine echte Verschlechterung der Kreditqualität.

Kein Flächenbrand, sondern idiosynkratische Risiken

Im breiteren Private-Debt-Markt haben sich Ausfall- und Zahlungsverzugsraten nicht massiv erhöht, und die zugrundeliegenden Fundamentaldaten bleiben robust. Der derzeitige Stress wirkt begrenzt, idiosynkratisch und konzentriert sich auf bestimmte Manager oder Sektoren. Solche Situationen können für gut positionierte Anleger, die einen disziplinierten Due-Diligence- und Investmentprozess verfolgen, auch Chancen bieten.

Private Debt ist in den vergangenen Jahren auf ein Volumen von rund 2 Billionen US-Dollar angewachsen – und hat sich dabei bisher als vergleichsweise resilient gegenüber Zins- und Konjunkturzyklen erwiesen und blieb stabiler als viele liquide Kreditmärkte. Lediglich im Jahr 2008 gab es ein negatives Kalenderjahr, ansonsten weder während der COVID-19-Pandemie noch im anschließenden Inflationszyklus.

Die aktuelle Situation erinnert zudem an wichtige Aspekte von Evergreen-Strukturen. Obwohl diese den Anlegern gewisse Möglichkeiten der Rückgabe von Anteilen bieten, bleiben die zugrunde liegenden Vermögenswerte illiquide. Sogenannte Gating-Mechanismen, also regelbasierte Beschränkungen dieser Liquiditätsoptionen, sind normale Bestandteile solcher Strukturen, die bestehende Anleger schützen sollen. Entsprechend sollten diese nicht ausschließlich als negative Ereignisse verstanden werden. Was geschieht, wenn die Liquiditätsoptionen beschränkt werden oder Preise sich stark verändern, ist letztlich vor allem, dass vorher unsichtbare Volatilität sichtbar wird. Ungeachtet dessen spielen Private Markets weiterhin eine wertvolle Rolle in diversifizierten Portfolios.

Mit Blick nach vorn erwarten wir, dass die Normalisierung der Basiszinsen die Renditen reduziert, während die Unterschiede zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Managern größer und stärker sichtbar werden. Strategie- und Managerselektion bleiben daher entscheidend. Unsere Plattform legt weiterhin den Fokus auf langfristige Investments, Senior Secured Lending und institutionelle Prozesse – ohne Engagements in den Bereichen Distressed oder Restrukturierung. Die Entwicklungen bleiben dynamisch, wir beobachten die Situation weiterhin genau und werden bei Bedarf handeln.

 

Über den Autor: Amin Obeidi ist Head of Alternatives Research & Strategy bei der europaweit agierenden Quintet Private Bank, zu der die deutsche Privatbank Merck Finck gehört. An dieser Stelle gibt der Experte seine Einschätzung zu den Entwicklungen an den Alternative Investment Märkten.

 

 

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