China wird zum mit entscheidenden Faktor für den Ölpreis

Warum das Treffen von Trump und Xi für Anleger zum wichtigsten Makro Stresstest der Woche wird 

China könnte in dieser Woche zum mit entscheidenden Faktor für den Ölpreis werden. Beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping am Donnerstag und Freitag geht es aus Marktsicht nicht nur um Handel, Zölle oder Seltene Erden. Entscheidend ist vor allem, ob die USA und China trotz aller Rivalität gemeinsam Druck auf den Iran für eine Entspannung im Nahen Osten und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus aufbauen können. Gelingt das, hätte der Gipfel für die Finanzmärkte eher Entlastungs- als Belastungspotenzial.

Selten war ein Treffen zwischen einem US-Präsidenten und dem Staatschef Chinas für die Wirtschaft und die Börsen so unmittelbar relevant wie dieses. Beim letzten Treffen in Südkorea im Oktober 2025 standen vor allem Handel und Seltene Erden im Mittelpunkt. Dieses Mal geht es um eine Stabilisierung der Beziehungen zwischen den beiden wichtigsten Zugpferden der Weltwirtschaft – während Europa wachstumstechnisch zunehmend hinterher hinkt. 

Im Fokus dürfte vor allem die Frage stehen, wie die Straße von Hormus möglichst schnell wieder geöffnet werden kann. Sowohl die USA als auch China haben ein enormes Interesse an einer schnellen Entspannung. Für die US-Administration sind hohe Energiepreise eine große Gefahr, bei den Midterms Anfang November die Mehrheit der sie unterstützenden Republikaner in beiden Kongresskammern zu verlieren. Für China geht es unmittelbar um Energiesicherheit: Das Land bezieht rund die Hälfte seiner Rohölimporte aus dem Nahen Osten. Zudem ist China der mit Abstand wichtigste Abnehmer iranischen Öls. 

Dabei bleibt die Agenda breiter. Auch der Zollkonflikt wird ein Thema sein. Basis ist die im Herbst 2025 getroffene Vereinbarung, in der die USA niedrigere Importzölle bis November 2026 zusagten und China im Gegenzug auf höhere Zölle auf US-Waren verzichtete sowie Exportbeschränkungen für Seltene Erden lockerte. Neben chinesischen Waffenexporten in den Iran könnten auch gegenseitige Investitionen ein Thema sein. Die Taiwan-Frage dürfte ebenfalls zur Sprache kommen.

 

Fazit: Unterm Strich rechnen wir mit einem pragmatisch ausgerichteten Treffen, in dem eher Einigkeit bezüglich Themen als Meinungsverschiedenheiten betont werden dürften. Insgesamt geht es um ein besseres Verhältnis der beiden Weltmächte, große politische Durchbrüche sind nicht zwingend zu erwarten. Aber beide Seiten haben derzeit wenig Interesse daran, zusätzliche Schocks zu produzieren. Für Anleger könnte der Gipfel daher eher Entlastungs- als Belastungspotenzial haben – vorausgesetzt, Washington und Peking senden zumindest ein glaubwürdiges Signal in Richtung Deeskalation und entfachen neue Hoffnung für eine kurzfristige Eröffnung der Straße von Hormus.

 

Über den Autor: Robert Greil ist Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, die zur europaweit agierenden Quintet Private Bank gehört. An dieser Stelle gibt der Experte regelmäßig seine Einschätzung zu kommenden Marktentwicklungen.

 

 

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