Mit den Zahlen der US-Banken ist die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025 eröffnet. Europäische Unternehmen folgen wie gewohnt mit zeitlichem Abstand. Bis Anfang Februar werden rund zwei Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 berichtet haben. Erwartet wird aktuell ein Gewinnwachstum von rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr – deutlich weniger als in den ersten drei Quartalen. Die Latte liegt damit niedrig: Seit Anfang 2023 hat der Markt die Analystenschätzungen in jedem Quartal übertroffen, zuletzt im Schnitt um rund sechs Prozentpunkte.

Im Mittelpunkt steht weiterhin die KI-Investitionswelle. Zwar dürfte sich das Wachstum der Hyperscaler-Investitionen von zuletzt rund 75 Prozent spürbar verlangsamen, doch das absolute Investitionsniveau bleibt hoch. Der Fokus verschiebt sich vom reinen Infrastrukturaufbau hin zu Monetarisierung, Effizienz und Kapitalrendite. Konkrete Kennzahlen sind hier bislang rar, die Erwartungen an belastbare Fortschritte jedoch hoch.

Daneben rücken Konsumtrends und politische Faktoren stärker in den Vordergrund. Im Einzelhandel und bei zyklischen Konsumwerten wird das Management zu einem zunehmend gemischten Nachfragebild Stellung nehmen müssen. Steuererleichterungen aus dem „One Big Beautiful Bill Act“ im Umfang von rund 60 Mrd. USD sowie Nachzahlungen an zuvor beurlaubte Beschäftigte könnten die Konsumnachfrage zu Beginn des Jahres 2026 stützen – ändern aber nichts an einem insgesamt herausfordernden Umfeld für US-Konsumenten.

Auch die Handelspolitik bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Die Diskussion um mögliche Zollrückerstattungen sowie die anstehende Entscheidung des Supreme Court zu IEEPA-Tarifen prägen die Guidance. Eine Rücknahme der Zölle würde vor allem US-Importeure entlasten, während eine Fortsetzung den Margendruck in Konsum- und Industriesektoren verlängern dürfte. Entsprechend bleiben wir bei Konsumwerten zurückhaltend.

In Europa zeigen sich punktuelle Lichtblicke, insbesondere im Gesundheits- und Finanzsektor. Ein breiter, selbsttragender Aufschwung ist jedoch bislang nicht erkennbar. Die Unterschiede zwischen US-exponierten und rein europäischen Unternehmen bleiben zentral.

Entscheidend für die Marktreaktion wird weniger das Zahlenwerk als der Ton in den Analysten-Calls sein – insbesondere zu Nachfrage, Inflation und M&A-Aktivität. Aussagen der globalen Schwergewichte wie Nvidia, Microsoft oder JPMorgan dürften dabei richtungsweisend sein. Einen Vorgeschmack lieferte JPMorgan bereits: Das Management äußerte sich vorsichtig zu Überlegungen der Trump-Administration, Kreditkartenzinsen zu begrenzen, und warnte vor möglichen negativen Folgen für Konsumenten.

 

Über den Autor: Marc Decker ist Co-Leiter Aktien bei der europaweit agierenden Quintet Private Bank, zu der die deutsche Privatbank Merck Finck gehört. Im Blitzlicht der Woche kommentiert der Experte regelmäßig aktuelle Entwicklungen an den internationalen Aktienmärkten.

 

 

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