Weitere zaghafte europäische Konjunkturerholung
Die vorläufigen S&P-Einkaufsmanagerindizes, die an diesem Freitag veröffentlicht werden, dürften bestätigen: Europas Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Schwächephase heraus, bleibt im globalen Vergleich jedoch klar im Hintertreffen.
Nach zwei Rückgängen erwarten wir für den Euroraum im Februar wieder eine leichte Belebung der Unternehmensaktivität. Impulse kommen aus Deutschland und Südeuropa; in Italien dürften zudem leicht positive, vor allem dienstleistungsgetriebene Effekte der Olympischen Winterspiele wirken. Für die Eurozone rechnen wir – wie bereits im Vorjahr – mit einem Wirtschaftswachstum von rund 1,4 Prozent.
In Deutschland dürfte sich die moderate Erholung fortsetzen. Nach Dezember erwarten wir den zweiten Anstieg des Gesamt-Einkaufsmanagerindex in Folge, getragen vor allem vom im verarbeitenden Gewerbe. Rückenwind liefern schuldenfinanzierte Investitionsprogramme in Verteidigung und Infrastruktur, deren Impulse zunehmend auch andere Branchen bis in den Dienstleistungssektor hinein erreichen. Nach faktisch drei Stagnationsjahren sollte damit wieder ein Wachstum von knapp über einem Prozent möglich sein – wenn auch weiterhin unter dem Tempo des Euroraums.
In Großbritannien rechnen wir nach dem kräftigen Aktivitätssprung im Januar mit einer Konsolidierung auf weiterhin höherem Niveau als im Euroraum. Für 2026 erwarten wir dort beim Bruttoinlandsprodukt ein Plus von 1,2 Prozent nach 1,1 Prozent im Vorjahr.
Der Abstand zu den USA bleibt allerdings deutlich: Dort dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr mit rund zweieinhalb Prozent etwa doppelt so stark wachsen wie in Europa. Die Richtung stimmt in Europa – das Tempo aber noch nicht.
Über den Autor: Robert Greil ist Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, die zur europaweit agierenden Quintet Private Bank gehört. An dieser Stelle gibt der Experte regelmäßig seine Einschätzung zu kommenden Marktentwicklungen.



