Wirtschaftliche und (geld)politische Entwicklungen in den USA sind traditionell ein enormer Einflussfaktor für die globalen Finanzmärkte. Im Jahr 2026 dürfte sich diese Dominanz noch einmal verstärken, da die Investoren gerade die dortigen Themen mit besonderer Anspannung verfolgen – sprich: die Börsenagenda 2026 ist noch mehr US-dominiert als sonst. 

Da ist zum einen die Neubesetzung der Spitzenposition der US-Notenbank Fed. Diese wird vor allem an den Anleihe- und Währungsmärkten mit besonderem Argwohn beobachtet. Erwartet wird die Ernennung eines Kandidaten, der tendenziell im Einklang mit den geldpolitischen Vorstellungen des gegenwärtigen US-Präsidenten handelt. Die Schlüsselfrage wird sein, ob die Märkte die Unabhängigkeit der wichtigsten Notenbank der Welt auch künftig als gegeben sehen. Der Präsident dürfte bereits in Kürze seine Entscheidung bekanntgeben. 

Einen ersten Lackmustest für die künftige Ausrichtung der US-Geldpolitik werden nach der voraussichtlichen Staffelstabübergabe im Mai, wenn Jerome Powells Amtszeit endet, dann die Leitzinsentscheidungen im Juni und im Oktober liefern. Hier haben die Märkte bereits die - von Donald Trump oft und lautstark geforderten - Leitzinssenkungen eingepreist. Sie rechnen mit zwei Zinsschritten. 

Dreh- und Angelpunkt in Sachen US-Politik, auch hinsichtlich der Wirtschaft, sind aber die US-Zwischenwahlen am 3. November. Schließlich zielt die Politik der Trump-Administration im Vorfeld im Wählerinteresse ganz klar, erstens, auf einen soliden Konjunkturtrend und noch mehr, zweitens, auf eine nicht allzu hohe Inflation. Gerade auf die Inflation sind bereits viele Maßnahmen gerichtet. Zu welchen weiteren Ankündigungen oder Maßnahmen er dazu greifen wird, ist unklar. Dies könnte ein Umfeld für möglicherweise etwas mehr als die beiden heute eingepreisten Fed-Leitzinssenkungen und Rückenwind für die Wall Street schaffen. 

Bereits kurzfristig könnte allerdings noch ein anderer Risikofaktor für Wirbel sorgen: Einige Mitglieder der Demokratischen Partei haben damit im Zusammenhang mit dem Agieren der Grenzschutzbehörden in Minneapolis damit gedroht, im Kongress die Freigabe neuer Haushaltsmittel zu blockieren und damit einen neuerlichen „Shutdown“ ab kommenden Samstag auszulösen – ein Szenario, dem die Wettmärkte in den USA eine rund 80-prozentige Wahrscheinlichkeit beimessen. Wenige Monate nachdem der bis dato letzte Shutdown wochenlang das Land lahmlegte, könnte dies vorübergehend an den Finanzmärkten für zusätzliche Volatilität sorgen. 

Die Geschehnisse in den USA werden wohl in Verbindung mit den ohnehin wiederkehrenden geopolitischen Spannungen das Marktsentiment im Jahr 2026 dominieren. Die dadurch voraussichtlich immer wieder steigende Volatilität sollte allerdings vorübergehender Natur sein. Denn grundsätzlich sollten der US-amerikanische Wirtschaftswachstumstrend und damit die Dynamik der Unternehmensgewinne intakt bleiben und den US-Aktienmarkt weiter unterstützen. Dennoch sollten sich Investoren 2026 darauf einstellen, dass die Renditen von US-Staatsanleihen ansteigen könnten und der Dollar noch mehr unter Druck gerät.

 

Über den Autor: 

Robert Greil ist Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, die zur europaweit agierenden Quintet Private Bank gehört. An dieser Stelle gibt der Experte regelmäßig seine Einschätzung zu kommenden Marktentwicklungen.

 

 

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