Diversifikation statt Aktionismus: Wie wir auf geopolitische Entwicklungen wie im Iran reagieren
Die jüngste Eskalation im Nahen Osten – insbesondere der US-Militärschlag gemeinsam mit Israel gegen Iran – hat die Märkte bewegt, aber nicht in Panik versetzt. Die Ölpreise zogen spürbar an, Aktien gerieten etwas unter Druck und klassische sichere Häfen wie Gold verzeichneten leichte Zuflüsse. Entscheidend für Anleger ist jetzt weniger die Frage nach kurzfristigen Reaktionen als nach der Robustheit der eigenen Portfoliostruktur.
Rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Rohöls läuft durch die strategisch wichtige Straße von Hormus. Schon begrenzte Störungen können daher erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation und globale Lieferketten haben. Daraus ergeben sich nicht nur kurzfristige Preisänderungen an den Finanzmärkten, sondern handfeste realwirtschaftliche Effekte. Wie stark diese ausfallen, entscheidet sich nicht aus den Ereignissen dieser Tage, sondern wird sich aus dem Verlauf des Konflikts ergeben. Vorhersagen lässt sich dieser Verlauf naturgemäß nicht. Für langfristig orientierte Investoren heißt dies einmal mehr: Konstante Diversifikation ist effektiver als kurzfristige Reaktion auf Krisen. Verluste in einzelnen Segmenten – etwa bei Aktien, die besonders sensibel auf geopolitische Spannungen reagieren – können durch Gewinne in anderen Anlageklassen wie Rohstoffen oder Edelmetallen abgefedert werden. Der Nutzen einer breiten Diversifikation zeigt sich damit einmal mehr in der Praxis.
Selektiv Chancen nutzen statt hektisch reagieren
Wir haben bereits in den vergangenen Monaten unsere Kundenportfolios auf unruhige Zeiten vorbereitet: Engagements im US-Aktienmarkt wurden teils abgesichert und Kreditrisiken haben wir gesenkt und dafür in sicherere Staatsanleihen umgeschichtet. Aus dieser breiten Aufstellung heraus haben wir die Entwicklungen im Nahen Osten zum Anlass für taktische Anpassungen in unserer Allokation genommen. So haben wir beispielsweise unsere ohnehin vorhandene strategische Gold-Allokation weiter aufgestockt und diesen Kauf finanziert durch den Verkauf von US-Staatsanleihen, deren Kurse sich seit unserer Aufstockung sehr positiv entwickelt haben. Bedacht haben wir dabei auch, dass die Fiskalausgaben in den USA - nicht zuletzt im Umfeld der Zwischenwahlen - weiter steigen könnten und die Kurse damit unter Druck bringen könnten. Auch innerhalb unserer Aktien-Allokation haben wir Veränderungen vorgenommen. Unser Engagement im breiten US-Aktienmarkt haben wir reduziert und stattdessen attraktiv bewertete Small Caps in Industrieländern inklusive der USA zugekauft. Diese Unternehmen sind stärker auf ihre Binnenwirtschaft ausgerichtet und damit weniger unmittelbar von globalen Schocks abhängig. Gleichzeitig könnten sie überdurchschnittlich von staatlichen Konjunkturimpulsen profitieren.
Diversifikation bleibt Trumpf
Mit solchen ausgewählten Anpassungen der Allokation können plötzlich entstehende Chancen und Risiken im Portfolio adjustiert werden. Phasen erhöhter Unruhe an den Finanzmärkten sind aber selten der ideale Moment, die Ausrichtung des Portfolios grundsätzlich zu hinterfragen. Die Devise sollte lauten: investiert und diversifiziert bleiben.
Über den Autor:
Robert Greil ist Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, die zur europaweit agierenden Quintet Private Bank gehört. An dieser Stelle gibt der Experte regelmäßig seine Einschätzung zu kommenden Marktentwicklungen.



