Erholung genutzt, Risiken neu austariert: Wie wir Portfolios in einem unsicheren Umfeld justieren
Die Aktienmärkte haben sich seit Ende März deutlich erholt. Diese Entwicklung nutzen wir, um Gewinne teilweise zu sichern und die Qualität unserer Portfolios gezielt zu erhöhen. Gleichzeitig halten wir an einer moderat risikoaffinen Positionierung fest: Aktien bleiben gegenüber Anleihen leicht übergewichtet, allerdings breit diversifiziert nach Regionen und Anlagestilen.
Die jüngste Marktdynamik ist eng mit geopolitischen Entwicklungen verknüpft. Höhere Ölpreise infolge des Iran-Konflikts wirken als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Wie nachhaltig dieser Effekt ist, hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Konflikt mit der Schließung der Straße von Hormus anhält und wie stark die Unterbrechungen in den Rohstoff-Lieferketten nachwirken. Während Europa und einige Schwellenländer stärker betroffen sind, erscheinen die USA aufgrund ihrer geringeren Abhängigkeit von Ölimporten, die durch die Straße von Hormus müssen, vergleichsweise robuster.
Stärkerer Fokus auf Qualität und Resilienz
Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Aktienquote gezielt reduziert und damit wieder näher an die strategischen Zielgewichte herangeführt. Die starke Kursentwicklung hatte den Aktienanteil zuvor automatisch erhöht. Gleichzeitig haben wir selektiv Gewinne realisiert und Positionen in Anleihen zu attraktiveren Bewertungen wieder aufgebaut.
Im Aktienbereich setzen wir stärker auf größere, qualitativ hochwertigere Unternehmen. Denn höhere Energiepreise belasten erfahrungsgemäß kleinere Unternehmen stärker. Wir haben daher unsere globale Small-Cap-Position geschlossen und stattdessen das Gewicht breit gestreuter US-Aktien erhöht.
Im Rentenbereich bauen wir unsere Position in Schwellenländeranleihen in lokaler Währung leicht aus. Die Renditen erscheinen attraktiv, gleichzeitig verbessert die Beimischung die Diversifikation. Zudem eröffnet sie ein Engagement in Ölexportländern außerhalb des Nahen Ostens und in einem Segment, das innerhalb der Schwellenländeranleihen vergleichsweise höhere Qualität aufweist.
Investiert bleiben, diversifizieren und Pulver trocken halten
In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit ist weniger die punktgenaue Prognose entscheidend als die Struktur des Portfolios. Eine breite Diversifikation über alle relevanten Anlageklassen – die Allokation in Gold, breitgefächerte Rohstoffe, inflationsgeschützte Anleihen sowie Absicherungsinstrumente eingeschlossen – ist und bleibt Trumpf. Wir empfehlen zudem, wohl dosiert Liquidität vorzuhalten, um kurzfristig auf neu entstehende Opportunitäten reagieren zu können. Zu hohe Barbestände können langfristig Kaufkraft kosten, insbesondere bei anhaltender Inflationsunsicherheit. Entscheidend ist daher die Balance.
Unser Ansatz bleibt entsprechend ausgerichtet: Investiert bleiben, Risiken gezielt steuern und Portfolios so aufstellen, dass sie in unterschiedlichen Szenarien bestehen können – statt von einer einzelnen makroökonomischen Entwicklung abhängig zu sein.
Über den Autor:
Stefan Duderstedt, CFA, leitet den Bereich Investment & Client Solutions bei der Privatbank Merck Finck, die zur in Europa und Großbritannien agierenden Quintet Private Bank gehört. Im Blitzlicht der Woche kommentiert der Experte für Investmentstrategien aktuelle Trends rund um die Vermögensallokation.



