Das Wichtigste in 30 Sekunden: 

  • Die jüngsten US-Luftangriffe auf den Iran sorgen für einige Marktschwankungen, doch Inflationsdaten und Signale der Notenbanken sind nach wie vor die wichtigsten Einflussfaktoren für die Zinstrends, die Börsen und die Portfolio-Positionierung.
     
  • Wir haben kürzlich unser Aktienengagement leicht reduziert, um Gewinne zu sichern und gleichzeitig die Portfolios breit diversifiziert zu halten. 

  • Die Ölpreise stiegen aufgrund der Spannungen zwischen den USA und dem Iran kurzzeitig an, gaben dann aber wieder nach, um dann wieder etwas zu steigen – das Risiko eines anhaltenden Inflationsschocks halten wir allerdings weiterhin für überschaubar. 

  • Dennoch stiegen die Anleiherenditen aufgrund von Inflationssorgen an, während sich Aktien nach früheren Gewinnen stabil hielten.

USA-Iran-Konflikt | Geopolitische Spannungen halten an, Diplomatie bleibt im Fokus 


Geopolitische Eskalationen sorgen weiterhin für Volatilitätsphasen an den Finanzmärkten. Als Reaktion darauf haben wir unser Aktienengagement leicht reduziert, während wir gleichzeitig eine breite Diversifizierung über alle Portfolios hinweg beibehalten haben. Weitere Einzelheiten zu den jüngsten Portfolioänderungen finden Sie in unserem aktuellen Counterpoint Juli.
  
Die US-Luftangriffe auf den Iran in der vergangenen Woche, die auf Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus folgten, trieben die Brent-Rohölpreise kurzzeitig von knapp über 70 US-Dollar auf 80 US-Dollar je Barrel. Die Preise gaben etwas nach, nachdem die US-Regierung bestätigt hatte, dass die diplomatischen Gespräche mit dem Iran fortgesetzt würden, was darauf hindeutet, dass der Markt keine dauerhafte Versorgungsunterbrechung erwartet. Nach erneuten Angriffen am Wochenende nähert sich der Brent-Preis heute Vormittag jedoch wieder der 80-US-Dollarmarke.
 
Weniger Inflation bleibt im Vorfeld der US-Zwischenwahlen am 3. November eine zentrale politische Priorität der Trump-Administration. Ein anhaltender Anstieg der Ölpreise könnte den Inflationsdruck verstärken und das politische Umfeld für den US-Präsidenten erschweren. Zwar könnten weitere Spannungen im Nahen Osten kurzfristig zu Volatilität an den Energiemärkten führen, doch erwarten wir keinen nachhaltigen Anstieg der Ölpreise in Richtung 100 US-Dollar je Barrel oder darüber hinaus.
 
Trotz der Schwankungen am Ölmarkt haben sich die globalen Aktienmärkte in diesem Monat bislang weitgehend seitwärts bewegt oder sind leicht gestiegen und konnten so ihre starken Gewinne aus der ersten Jahreshälfte halten. Am Rentenmarkt haben erneute Inflationssorgen die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in Deutschland über 3 % und in den USA über 4,5 % getrieben.


Inflation | US-Daten im Fokus   


Die morgige Veröffentlichung der US-Inflationszahlen dürfte ein klareres Bild davon liefern, inwieweit sich der energiebedingte Anstieg auf 4,2 % im Mai bereits abgeschwächt hat. Nach dem stärker als erwarteten Rückgang der Inflation in Europa erscheint ein Wert unter 4 % plausibel. 
Die US-Notenbank (Fed) wird die Daten im Vorfeld ihrer nächsten Sitzung am 29. Juli genau unter die Lupe nehmen. Das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung deutet darauf hin, dass die Entscheidungsträger weiterhin offen dafür sind, Amerikas Leitzinsen unverändert zu belassen oder zu senken, sollte sich die Inflation weiter abschwächen. Ein erneuter Anstieg der Inflation könnte jedoch zu Zinserhöhungen führen.
 
Wir halten es nach wie vor für möglich, dass die Fed im Laufe dieses Jahres noch eine Leitzinserhöhung vornehmen wird. Im Gegensatz dazu gehen wir davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen bis Jahresende unverändert lassen wird – und zwar auch bei ihrer Sitzung im Juli, da die Inflation in der Eurozone im Juni auf 2,8 % gesunken ist, was die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen verringert. 
Auch Chinas Inflationsdaten für Juni sind wichtig. Die Verbraucherpreise gaben im Jahresvergleich auf 1,0 % nach, während die Fabrikpreise um 4,1 % stiegen, was zum Teil auf eine stärkere Nachfrage im Zusammenhang mit KI zurückzuführen ist. Dies spricht zusammen mit der grundsätzlichen moderaten Erholung im verarbeitenden Gewerbe global weiterhin für moderat steigende Güterpreise. 

Diese Woche | Die Halbjahreszahlensaison rückt in den Fokus  


Die Berichtssaison für das zweite Quartal startet morgen, wobei JPMorgan und UnitedHealth zu den ersten großen US-Unternehmen gehören, die ihre Ergebnisse veröffentlichen werden, während ASML in Europa den Auftakt macht.
 
Analysten prognostizieren ein Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr von rund 22 % für die im S&P 500 gelisteten US-Unternehmen und 11 % für die europäischen im Stoxx 600 notierten Firmen. Auch wenn dies Raum für Überraschungen auf Unternehmensebene lässt, wird erwartet, dass das Gesamtgewinnwachstum weiterhin weitgehend positiv ausfällt, insbesondere in den USA. Die Kursreaktionen könnten dort stärker ausfallen, wo die Erwartungen verfehlt oder übertroffen werden, obwohl wir zum jetzigen Zeitpunkt keine eindeutigen Anzeichen für eine allgemeine Verschlechterung des Gewinntrends sehen. 

Auf Konjunkturseite dürften die US-Erzeugerpreisdaten weitere Einblicke in die Inflationsdynamik geben und den jüngsten Rückgang der Energiepreise widerspiegeln. Auch die amerikanischen Einzelhandelsumsätze und der Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan könnten Anzeichen einer leichten Verbesserung zeigen. 

In China dürfte sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal von 5 % im ersten Quartal auf rund 4,5 % verlangsamt haben. Die Konjunkturdaten für Juni könnten weiterhin eine widerstandsfähige, exportgetriebene Industrieproduktion bei gleichzeitig schwächelndem Binnenkonsum zeigen. 



Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
 

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