Geopolitik | Die Straße von Hormus bleibt ein Brennpunkt

Die Ölpreise haben den Großteil ihres geopolitisch bedingten Anstiegs wieder abgegeben, nachdem sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus in der vergangenen Woche erholt hatte und sich allmählich wieder auf das Niveau vor dem Konflikt normalisierte – trotz neuer, allerdings überschaubarer Konfrontationen zwischen den USA und dem Iran am Wochenende. Die Spannungen halten an, während die Verhandlungen weitergehen. Wichtige rote Linien bestehen weiterhin, darunter der entschiedene Widerstand der USA gegen jegliche Transitgebühren, während der Iran weiterhin seine Absicht signalisiert, die Kontrolle der wichtigen Schifffahrtspassage durchzusetzen. Trotz der instabilen Lage einigten sich der Iran und die USA am Wochenende darauf, die Angriffe einzustellen und die Gespräche wieder aufzunehmen, woraufhin der Preis für Brent-Rohöl jetzt bei rund 72 US-Dollar pro Barrel liegt. 

Die Rentenmärkte profitierten von den niedrigeren Ölpreisen, und die Renditen gingen zurück. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sank unter 4,4 %, während jene 10-jähriger deutscher Bundesanleihen in Richtung 2,85 % sank. Der Goldpreis rutschte vorübergehend unter 4.000 US-Dollarmarke je Unze ab, belastet durch einen stärkeren US-Dollar und erneute Erwartungen hinsichtlich Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank (Fed). Der Euro-Dollar-Wechselkurs fiel vorübergehend unter 1,14 und erreichte damit den tiefsten Stand seit fast einem Jahr. 


Aktien | KI-Investitionen und Versorgungsengpässe bei Halbleitern 

An den Aktienmärkten stieg die Volatilität, da die Sorgen über den Chip-Boom und die Renditen steigender KI-bezogener Investitionsausgaben zunahmen. Technologielastige Indizes verzeichneten starke Schwankungen, darunter ein Tagesverlust von 10 % beim koreanischen KOSPI. Nach einer starken Kursentwicklung nach dem Börsengang gab die SpaceX-Aktie nach und sank sogar unter den Kurs ihrer Erstnotiz. Die unter der Woche veröffentlichten Ergebnisse von Micron, einem wichtigen Zulieferer im KI-Ökosystem, sorgten für etwas Beruhigung und trugen zur Erholung von Halbleiter- und KI-bezogenen Aktien bei. Es gibt nach wie vor kaum Anzeichen für eine schwächere Nachfrage. Dies deutet darauf hin, dass Versorgungsengpässe, gerade bei Speicherchips, anhalten dürften. 

Gegen Ende der Woche kam erneut Druck auf, als Chip-Aktien nachgaben und Apple Preiserhöhungen für Produkte wie iPads und Macs ankündigte. Dennoch zeigen sich globale Aktien trotz höherer Volatilität weiterhin widerstandsfähig. Nachgebende Energiepreise, Aufwärtskorrekturen der Wirtschaftswachstumsprognosen und Hoffnungen auf eine weitere Deeskalation der Spannungen zwischen den USA und dem Iran bieten weiterhin Unterstützung. Wir behalten eine leichte taktische Übergewichtung von Aktien gegenüber Anleihen innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios bei, wie in unserem Halbjahresausblick dargelegt. 


Diese Woche | Notenbanken wieder im Fokus 

Kommenden Samstag, am 4. Juli, steht der 250. US-Unabhängigkeitstag an. Heute machen die US-Märkte einen sehr großen Anteil der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung aus, aktuell unterstützt durch starke private Investitionen in Bereichen wie KI. Sofern die fiskalischen Risiken begrenzt bleiben und politische Fehler vermieden werden, untermauert dies weiterhin die langfristigen strukturellen Vorteile der USA.

Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes (PMIs) – die wir als guten Indikator für die Konjunktur betrachten – deuten darauf hin, dass die Wachstumsdynamik in den USA stärker bleibt als in Europa. Die Inflation gibt jedoch nach wie vor Anlass zur Sorge. Sie erreichte in den USA im Mai 4,2 %, und auch die von der Fed bevorzugte Kerninflationskennzahl liegt weiterhin über dem Zielwert, da sich die steigenden Chip-Preise allmählich in der Lieferkette niederschlagen und sich in höheren Produktpreisen widerspiegeln. Dies könnte die Fed dazu veranlassen, ihre Leitzinsen früher und möglicherweise stärker als erwartet anzuheben. In Europa haben Vertreter der EZB ebenfalls signalisiert, dass weitere Zinserhöhungen je nach Inflationsentwicklung möglich bleiben – weitere Hinweise könnten auf dem Sintra-Forum der EZB gegeben werden, auf dem führende Notenbanker ab heute über künftige geldpolitische Herausforderungen diskutieren werden. Ein Höhepunkt dort wird die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh (Mittwoch) sein.

Zu den wichtigsten Konjunkturdaten zählen diese Woche das US-Verbrauchervertrauen am Dienstag sowie der US-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag, der voraussichtlich erneut solide ausfallen wird. Darüber hinaus dürften die bereits veröffentlichten chinesischen PMIs weiterhin eine Divergenz zwischen einem stabilen verarbeitenden Gewerbe und einer schwächeren Dienstleistungsaktivität zeigen.


Hinweis: Jeder Hinweis auf die Portfoliopositionierung bezieht sich auf unsere Kernportfolios mit Verwaltungsvollmacht. Kunden mit maßgeschneiderten oder beratenden Portfolios sollten sich bei ihrem Kundenberater über ihre aktuelle Positionierung informieren.
 

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