Noch mehr Qualität als Absicherung gegen geopolitische Risiken – Counterpoint April 2026

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Was Sie wissen müssen

  • Geopolitische Themen dominieren weiterhin die Schlagzeilen und haben im letzten Monat zu Phasen der Marktvolatilität geführt. Es gibt jedoch eine Vielzahl möglicher Ausgänge. Eine Deeskalation des Iran-Konflikts könnte eine schnelle Erholung begünstigen. Eine anhaltende Störung könnte hingegen die Wirtschaft stärker belasten, die Inflation antreiben und die Vermögenspreise drücken. 

  • Wir erhöhen die Qualität unserer festverzinslichen Anlagen durch den Kauf europäischer Staatsanleihen und US-Treasuries. Diese als sicherer geltenden Anleihen haben die Zinserhöhungen als Reaktion auf den zunehmenden Inflationsdruck bereits weitgehend eingepreist. Wir finanzieren diese Käufe durch den Verkauf risikoreicherer Unternehmensanleihen (IG und HY). In den Schwellenländern kaufen wir Fremdwährungsanleihen mit höherem Rating und verkaufen US-denominierte EM-Anleihen mit niedrigerem Rating. 

  • Wir erhöhen zudem weiter die Qualität unserer aktiven Aktienpositionierung. Im Vergleich zu unserer langfristigen Asset-Allokation haben wir US-Aktien nun von einer Untergewichtung auf eine neutrale Position gestellt und europäische Aktien von einer leichten Übergewichtung auf eine neutrale Position gebracht. Die Vergangenheit zeigt, dass der US-Markt in Stressphasen widerstandsfähiger ist. Die USA sind zudem weniger vom Iran-Konflikt betroffen, da sie nicht auf Öltransporte durch die Straße von Hormus angewiesen sind. 

Hinweis: Alle Verweise auf die Portfolio-Positionierung beziehen sich auf unsere wichtigsten diskretionären Kernportfolios. Kunden, die in andere Strategien oder in maßgeschneiderte und beratende Portfolios investiert haben, sollten sich an ihren Kundenberater wenden.

Ölversorgungsengpässe und ihre Auswirkungen auf den Markt verstehen 

In den vergangenen Wochen kam es an den Märkten zu starken Schwankungen, wobei kurze Aufschwünge von Abverkäufen abgelöst wurden. Auslöser war vor allem der Iran-Konflikt, der sowohl Aktien als auch Anleihen unter Druck setzte und Gewinne der Vormonate zunichte machte. Die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen sind offensichtlich: Höhere Ölpreise treiben die Inflation in die Höhe und lassen die Anleiherenditen steigen. Infolgedessen haben die Märkte ihre Erwartungen angepasst und sich von der Aussicht auf Zinssenkungen hin zur Möglichkeit erneuter Zinserhöhungen bewegt. 
 
Auch wir haben unser Basisszenario revidiert. Wir rechnen nun mit einem langsameren Wirtschaftswachstum, einer höheren Inflation und einem veränderten Zinspfad. Für die Eurozone und das Vereinigte Königreich erwarten wir Zinserhöhungen, während wir weiterhin davon ausgehen, dass die US-Notenbank (Fed) im Laufe des Jahres eine Zinssenkung vornehmen könnte – allerdings nur eine, statt der zuvor prognostizierten zwei. Die Lage bleibt sehr unbeständig, wobei die Märkte zwischen Befürchtungen einer Eskalation und Anzeichen einer möglichen Entspannung schwanken. Die entscheidende Frage ist, wie lange der Konflikt andauern wird und wie er sich auf die Öllieferungen und letztlich auf die Preise auswirken wird. 
Der Engpass ist die Straße von Hormus, durch die rund 20 % des weltweit produzierten Öls fließen. Das ist eine beträchtliche Menge, allerdings fließt der Großteil dieser Lieferungen nach Asien – und nicht nach Europa oder in die USA. China nimmt etwa die Hälfte dieser Menge ab, verfügt jedoch über gut diversifizierte Energiequellen, sodass Öl nur rund ein Fünftel seines gesamten Energieverbrauchs ausmacht. Zudem besitzt China beträchtliche strategische Reserven. Eine Unterbrechung der Lieferungen wäre zwar für die weltweiten Ölimporteure relevant, die tatsächlichen Auswirkungen dürften jedoch weniger gravierend sein, als es die häufig zitierte 20‑Prozent‑Zahl nahelegt. 

Politik und Finanzierung schränken das militärische Engagement der USA ein 

Geopolitische Ereignisse führen selten zu geradlinigen Marktbewegungen. Die Preise verschieben sich, wenn sich die Wahrscheinlichkeiten ändern, manchmal sogar drastisch. Wenn die Wahrscheinlichkeit extremer Negativszenarien zu sinken beginnt, stabilisieren sich die Märkte oft, auch ohne, dass der zugrunde liegende Konflikt vollständig gelöst ist. 

Ein langwieriger Konflikt stellt ein Risiko für Anleger dar, doch könnte ein kürzer als erwartet ausfallender Konflikt auch eine Marktrallye auslösen. Ein möglicher Auslöser könnte aus der US-Politik kommen. Der Kongress muss noch zusätzliche Mittel zur Verlängerung der US-Militäroperationen im Iran bewilligen – und das zu einer Zeit, in der die Anleiherenditen steigen und die Sorgen um Inflation und Staatsausgaben zunehmen. 

Diese Zustimmung ist keineswegs garantiert. Die USA haben Schätzungen zufolge bislang 20 bis 30 Milliarden US‑Dollar ausgegeben, wobei Analysten von Kosten von mindestens einer halben Milliarde US-Dollar pro Tag ausgehen. Jede zusätzliche Finanzierung für den Iran-Krieg erfordert 60 Stimmen im Senat, nicht nur 50. Das bedeutet, dass das Weiße Haus mindestens acht demokratische Stimmen gewinnen müsste, selbst wenn alle Republikaner geschlossen dafür stimmen würden, was wir nicht erwarten. 

Die Zwischenwahlen stellen eine weitere Einschränkung dar, da die reale Möglichkeit besteht, dass die Demokraten die Mehrheit im Kongress erlangen. Das verringert den politischen Anreiz, einen langwierigen Konflikt aufrechtzuerhalten, zumal Trumps Zustimmungswerte sinken, da die Wähler zunehmend besorgt über die Kraftstoff- und Lebensmittelpreise sind. Daher könnte ein langwieriger Konflikt im Inland ein größeres politisches Risiko bergen als im Ausland, was die derzeitige Regierung von einer langwierigen Militäraktion abhalten könnte. 

Die Narben des Inflationsschubs von 2022 und was heute anders ist 

Als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte, war die Inflation bereits hoch und die Verbrauchernachfrage nach der Wiederöffnung nach der Pandemie stark. Gleichzeitig standen die Lieferketten unter Druck und es herrschte ein weit verbreiteter Arbeitskräftemangel, was den Preisdruck weiter verstärkte. 

Ein Teil dieses Drucks resultierte zudem aus Europas Abhängigkeit von russischem Gas. Als diese Lieferungen unterbrochen wurden, stiegen die Verbraucherpreise stark an und die Inflationserwartungen nahmen zu. Die Zentralbanken reagierten mit aggressiven Zinserhöhungen, die in der Eurozone von negativen Werten und in den USA und Großbritannien von Werten nahe Null ausgingen. Diese Maßnahmen schlugen sich auf die Märkte nieder und führten zu einer umfassenden Neubewertung über alle Anlageklassen hinweg. 

Heute ist die Lage weniger angespannt. Der Energiemix Europas hat sich erheblich verändert, wobei russisches Gas mittlerweile nur noch einen geringen Anteil an den Gesamtimporten ausmacht. Erdgas aus den USA, Norwegen und anderen Förderländern hat zusammen mit erneuerbaren Energien einen Großteil dieser Lücke geschlossen. Aus diesem Grund dürften die Auswirkungen des jüngsten Ölpreisanstiegs auf die Gesamtinflation diesmal begrenzter ausfallen. Auch die Leitzinsen sind höher als im Jahr 2022, und die Verbraucher- und Arbeitsmärkte sowie die Lieferketten stehen nicht mehr unter demselben Druck.  

All dies bedeutet, dass wir uns an einem anderen Ausgangspunkt befinden als noch im Jahr 2022. Nachdem Anleger und politische Entscheidungsträger die Inflation damals unterschätzt hatten, reagieren sie nun deutlich sensibler auf das Risiko wieder anziehender Preise.

Unsere Strategie angesichts der Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten 

Geopolitische Themen dominieren die Schlagzeilen, doch in Wirklichkeit gibt es eine Vielzahl möglicher Ausgangsszenarien. Eine plötzliche Deeskalation könnte eine relativ schnelle Erholung begünstigen und das Vertrauen von Verbrauchern, Unternehmen und Anlegern stärken. Ein langwieriger Konflikt könnte das Wirtschaftswachstum bremsen, die Inflation und die Zinsen in die Höhe treiben und die Vermögenspreise drücken. 

Langfristig werden die Aktienmärkte eher von Fundamentaldaten und Gewinnen als von geopolitischen Ereignissen bestimmt. Unsere Priorität ist es, investiert und vor allem diversifiziert zu bleiben und unsere Positionierung schrittweise anzupassen, anstatt auf kurzfristige Turbulenzen zu reagieren. Dies ist der Ansatz, den wir verfolgen, um Strategien zu entwickeln, die mit verschiedenen Szenarien zurechtkommen. 

Wir halten weiterhin Gold, Rohstoffe im Allgemeinen sowie inflationsgebundene Anleihen als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken. Wichtig ist, dass wir zwar langfristig mit einer Abschwächung des US-Dollars rechnen, da Anleger aus Schwellenländern ihre Reserven diversifizieren, dieser jedoch in Stressphasen erneut seine Stärke unter Beweis gestellt hat. Taktisch gesehen haben wir daher unser US-Dollar-Engagement wieder auf ein neutrales Niveau erhöht, um das Risiko zu verringern, bei einer typischen Flucht in sichere Häfen auf der falschen Seite zu stehen.  

Zudem hat unser Absicherungsinstrument angesichts der jüngsten Volatilitätsphase an Wert gewonnen und seine Anschaffungskosten wieder hereingeholt (wir setzen dieses Instrument ein, sofern das Wissen und die Erfahrung des Kunden sowie Vorschriften und Anlagerichtlinien dies zulassen). Wir haben den Gewinn realisiert und halten die verbleibende Position bis Juni, um bei anhaltender Volatilität mögliche Abwärtsrisiken abzufedern. 

Neugewichtung zur Stärkung der Portfoliostabilität 

Im Bereich festverzinslicher Wertpapiere bieten sicherere Staatsanleihen nun ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis als risikoreichere Anleihen. Ihre höheren Renditen bzw. nun niedrigeren Kurse preisen bereits eine erhebliche Anzahl von Zinserhöhungen ein – mehr, als die Zentralbanken unserer Einschätzung nach beabsichtigen. Im Gegensatz dazu ist die zusätzliche Vergütung, die risikoreichere Anleihen bieten, gering und rechtfertigt unserer Ansicht nach das zusätzliche Risiko nicht. Wir kaufen daher europäische Staatsanleihen, um eine Übergewichtung aufzubauen, sowie US-Staatsanleihen – wobei wir unser Engagement unterhalb unserer langfristigen Asset-Allocation-Benchmark halten – und verkaufen risikoreichere europäische Investment-Grade-Anleihen, globale Hochzinsanleihen und Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern. 

Der jüngste Ausverkauf hat vor allem die Kurse jener Aktien fallen lassen, die am stärksten vom Konflikt betroffen sind. Sie machen nun einen geringeren Anteil des Portfolios aus. Dies bietet uns die Gelegenheit, eine Neugewichtung in Richtung der ursprünglichen Niveaus vorzunehmen, allerdings mit regionalen Nuancen. Unter Anwendung derselben Disziplin, die wir bei den Zollankündigungen am „Liberation Day“ an den Tag gelegt haben, kehren wir nicht zu der zuvor gehaltenen Übergewichtung europäischer Aktien zurück, sondern gehen lediglich wieder in eine neutrale Position über, während wir eine geringere Übergewichtung in Schwellenländern beibehalten. Diese Anpassung erhöht auch das taktische Gewicht von US-Aktien, einem Markt, der oft eine größere Widerstandsfähigkeit gezeigt hat, stärker vom Konflikt abgeschirmt ist und tendenziell weniger empfindlich auf Ölpreise reagiert. Infolgedessen glauben wir, dass sich die Gesamtqualität unserer Aktienbestände verbessert.

Wir stocken zudem unsere Positionen in Schwellenländeranleihen in lokaler Währung leicht auf, auch wenn diese weiterhin nur einen geringen Anteil am Gesamtportfolio ausmachen. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass diese Anlageklasse attraktive Renditen bietet, zur Diversifizierung beiträgt und ein Engagement in Ölexportländern außerhalb des Nahen Ostens ermöglicht. Sie könnte zudem profitieren, falls der Iran-Konflikt endet und der US-Dollar seinen langfristigen Abwärtstrend wieder aufnimmt. 

Geopolitische Ereignisse können beunruhigend wirken, und es ist nur natürlich, sich zu fragen, welche Auswirkungen sie auf Wirtschaft und Märkte haben könnten. Während sich die Lage weiterentwickelt, beobachten wir aufmerksam die für Anleger relevanten Signale und passen unsere Strategie sowie unsere Positionierung entsprechend, wobei wir den Schwerpunkt auf Portfoliodiversifizierung und langfristige Widerstandsfähigkeit legen. 

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