Schlüsselfaktor Öl – Counterpoint April 2026

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Was Sie wissen müssen

  • Die Aktienmärkte haben seit Ende März eine deutliche Erholung verzeichnet. Im Rahmen unserer Neugewichtung nehmen wir einige Gewinne mit und versuchen, die Gesamtqualität des Portfolios zu verbessern. 

  • Wir bevorzugen weiterhin leicht Aktien gegenüber Anleihen, wobei das Aktienengagement über Regionen und Anlagestile diversifiziert ist. Zudem stocken wir unsere Positionen in Schwellenländeranleihen in lokaler Währung leicht auf.

  • Wir schließen unsere globale Small-Cap-Aktienposition und erhöhen im Gegenzug das taktische Gewicht von US-Aktien in unserer Asset Allocation, wobei der Schwerpunkt auf größeren Unternehmen liegt.

  • Wir halten weiterhin Gold, breit gestreute Rohstoffe und inflationsgeschützte Anleihen als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken. 

Hinweis: Alle Verweise auf die Portfolio-Positionierung beziehen sich auf unsere wichtigsten diskretionären Kernportfolios. Kunden, die in andere Strategien oder in maßgeschneiderte und beratende Portfolios investiert haben, sollten sich an ihren Kundenberater wenden.

Unsere Positionierung angesichts der weiterhin unsicheren geopolitischen Lage  

Die Märkte reagieren auf höhere Ölpreise im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt. Der weitere Verlauf hängt davon ab, wie lange die Störung andauert und wie weit sie sich ausbreitet. Während Europa und einige Schwellenländer anfälliger sind, sind die USA geografisch relativ abgeschirmt und nicht auf Öltransporte durch die Straße von Hormus angewiesen.

Die starke Erholung der Aktienmärkte seit Ende März hat zu einem erhöhten Aktienanteil in unseren Portfolios geführt. Wir haben unsere Aktienpositionierung wieder auf die ursprünglichen Gewichte der Asset Allocation zurückgeführt, um eher moderat als aggressiv risikofreudig zu agieren. Zudem haben wir Gewinne bei Aktien mitgenommen, um diese zu sichern, und einige Anleihen zu günstigeren Preisen zurückgekauft. Dies tun wir jedoch selektiv und nicht mechanisch, und zwar durch zwei Transaktionen:

Der erste Schwerpunkt betrifft den Aktienbereich. Höhere Ölpreise können kleinere Unternehmen stärker treffen als größere. Wir schließen unsere globale Small-Cap-Aktienposition und investieren stattdessen in breit gefächerte US-Aktien, bei denen es sich in der Regel um qualitativ hochwertigere Unternehmen mit solideren Bilanzen handelt. Angesichts der starken Wall Street-Rallye bedeutet die Neugewichtung der Portfolios zwar, dass wir einige US-Aktien verkaufen müssen, um wieder zu den Zielgewichten zurückzukehren. Da wir jedoch gleichzeitig Small Caps verkaufen, steigt unterm Strich die Bedeutung von US-Aktien in unserer taktischen Asset Allocation. 

Der zweite Schwerpunkt liegt im Bereich festverzinslicher Wertpapiere. Wir nutzen einen Teil der liquiden Mittel, um unser Engagement in Schwellenländeranleihen in Landeswährung aufzustocken, wobei diese Position nach wie vor nur einen kleinen Teil des Portfolios ausmacht. Wir sehen die aktuellen Renditen als attraktiv an. Zudem erhöht der Schritt unsere Diversifizierung. Außerdem verschafft sie uns ein Engagement in Ölexportländern außerhalb des Nahen Ostens, und innerhalb des breiten Spektrums der Schwellenländeranleihen handelt es sich um einen Markt mit höherer Qualität.

Diese beiden Transaktionen ergänzen aus unserer Sicht die Änderungen, die wir im April in den Portfolios vorgenommen haben und die sich auf Diversifizierung und die Verbesserung der Gesamtqualität des Portfolios konzentrierten. Zur Erinnerung: Wir haben unser Engagement in europäischen Aktien wieder auf neutral reduziert, die Gewichtung von US-Aktien in unserer taktischen Asset Allocation erhöht und hochwertige europäische Staatsanleihen sowie US-Staatsanleihen gekauft, während wir risikoreichere europäische Investmentgrade-Anleihen, globale Hochzins- und Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern reduziert haben. 

Als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken halten wir weiterhin Gold, breit gestreute Rohstoffe und inflationsgeschützte Anleihen sowie einen „Versicherungs“-Warrant, der an Wert gewinnt, wenn Aktienkurse fallen (wir setzen dieses Instrument ein, sofern das Wissen und die Erfahrung des Kunden sowie Vorschriften und Anlagerichtlinien dies zulassen). 

Geringeres, aber weiterhin positives Wachstum 

Höhere Ölpreise sorgen für Gegenwind, doch zum jetzigen Zeitpunkt hat sich der allgemeine Wachstumskurs nicht allzu sehr verändert. Zwar gibt es regionale Unterschiede bei der globalen Wachstumsabschwächung. Jedoch handelt es nicht um einen Einbruch.

In den USA stützen die Widerstandsfähigkeit der Verbraucher, ein nach wie vor relativ gesunder Arbeitsmarkt und Investitionen im Bereich in künstliche Intelligenz weiterhin die Konjunktur. Die Binnennachfrage wächst weiterhin und bleibt ein wichtiger Anker.

In Europa dürfte das Wachstum unter dem langfristigen Trend bleiben. Hohe Ersparnisse sowie eine nach wie vor niedrige Arbeitslosigkeit dürften helfen, den Abschwung abzufedern, doch die Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten verstärkt den Abwärtsdruck.

Auch China zeigt eine stabilere Dynamik als befürchtet, gestützt durch Exporte, politische Flexibilität und Bemühungen um innenpolitische Stabilisierung. Zwar ist auch hier Öl ein Thema, doch insgesamt glauben wir, dass die chinesische Wirtschaft über die Mittel verfügt, einen länger anhaltenden Anstieg der Energiepreise abzufedern.

Insgesamt sehen wir ein schwächeres, aber dennoch widerstandsfähiges globales Umfeld und nicht den Beginn eines synchronisierten Abschwungs. Und da der politische Druck, sich vor den Zwischenwahlen aus dem Iran-Konflikt zurückzuziehen, zunimmt und die Kosten für die Finanzierung militärischer Maßnahmen die ohnehin schon hohe Schuldenlast weiter erhöhen, denken wir, dass die USA einen Anreiz zur Deeskalation haben.

Sollte es jedoch nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums zu einer Deeskalation kommen und der Anstieg der Ölpreise daher länger als zwei Quartale andauern und über den Sommer hinausreichen, würden wir eine deutlichere Wachstumsverlangsamung erwarten.

Gewinne, KI und die Breite der Aktienrallye 

Die Unternehmensgewinne bleiben eine wichtige Stütze für Risikoanlagen. Die Märkte können Unsicherheiten leichter verkraften, wenn die Gewinne weiter wachsen. Die Berichtssaison für das erste Quartal kann die vollen Auswirkungen der jüngsten geopolitischen Entwicklungen noch nicht erfassen, doch bislang sehen die Ergebnisse robust aus.

Die USA spielen weiterhin eine zentrale Rolle im KI-Investitionszyklus, der Halbleiter, Cloud-Infrastruktur und Teile des Software-Sektors umfasst. Wir sehen die Investitionsausgaben in diesem Bereich nach wie vor als stützend an, insbesondere in den USA und China.

Gleichzeitig breitet sich die Aktienperformance über eine kleine Gruppe von Mega-Cap-Technologieunternehmen hinaus aus. Historisch gesehen ist eine breitere Beteiligung ein gesünderes Merkmal steigender Märkte.

Wir beobachten verbesserte Beiträge aus den Bereichen Industrie, Finanzen und ausgewählten zyklischen Sektoren, was darauf hindeutet, dass sich die Führungsrolle ausweitet. Die USA hinkten zu Beginn dieses Jahres, vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts, hinterher, liegen nun aber an der Spitze, da sich die Anleger wieder auf Qualität konzentrieren. 

Inflation, Zinsen und Liquidität 

Höhere Energiepreise dürften die Inflation kurzfristig antreiben. Wir erwarten jedoch eine geringere Weitergabe an die Verbraucher als im Jahr 2022, da sich die Situation deutlich von der damaligen unterscheidet. Die Nachfrage ist nicht so stark wie nach der Wiederöffnung nach der Pandemie, und die Versorgungsengpässe sind weniger gravierend. Die Inflation startet zudem von einer niedrigeren Basis aus, und die Zinsen sind bereits höher als im Jahr 2022.

Daher sind wir zurückhaltend, was die Erwartung einer aggressiven Reaktion der Notenbanken angeht. In unserem Basisszenario bleiben die Notenbanken eher vorsichtig als entschlossen. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England könnten ihre Leitzinsen einmal oder vielleicht zweimal anheben, aber wir glauben nicht, dass sie die Leitzinsen so stark anheben werden, wie es die Märkte derzeit einpreisen.

Der wohl künftige Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Kevin Warsh, könnte durchaus Spielraum finden, die amerikanischen Leitzinsen gegen Jahresende etwas zu senken. Er hat argumentiert, dass Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz auf längere Sicht disinflationär wirken könnten und dass die Inflation breiter gemessen werden sollte.

Auch die Liquidität verdient besondere Aufmerksamkeit. Steigende Emissionen bei Staats- und Unternehmensanleihen sowie bei Aktien erhöhen den Bedarf hinsichtlich einer stabilen Nachfrage. Die Märkte sollten in der Lage sein, dieses Angebot aufzunehmen. Höhere Emissionen können jedoch die Volatilität verstärken, wenn die Stimmung nachlässt oder die Finanzierungskosten steigen. 

Aufbau resilienter Portfolios 

In Zeiten wie diesen sind Pläne wichtiger als präzise Prognosen. Anleger benötigen genügend Liquidität für kurzfristige Bedürfnisse und ein ausreichendes Risikoengagement für langfristige Ziele. Eine strukturelle Unterinvestition kann kostspielig sein, wenn Gewinne und Innovationen weiterhin stützend wirken.

Wir halten zwar Liquidität vor, um sie einzusetzen, wenn sich Chancen bieten. Doch zu hohe Barmittelbestände über einen zu langen Zeitraum können die Kaufkraft untergraben, insbesondere wenn die Unsicherheit hinsichtlich der Inflation anhält.

Deshalb bleibt Diversifizierung von zentraler Bedeutung. Sie ist die praktische Brücke zwischen Vorsicht und Beteiligung. Wenn ein Teil des Portfolios ins Wanken gerät, kann ein anderer Teil einen Ausgleich schaffen.

Aus diesem Grund bevorzugen wir, um investiert zu bleiben und Renditen über mittelfristige Zeiträume zu erzielen, Portfolios, die in verschiedenen Szenarien funktionieren, anstatt solche, die davon abhängen, dass eine einzige Prognose exakt zutrifft. 

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