Blick über die Märkte vom 19. April 2021

Blick über die Märkte vom 19. April 2021

Die kräftige Erholung der Weltkonjunktur haben zahlreiche Aktienbarometer vom DAX bis zu den meisten an der Wall Street auf neue Höchststände katapultiert.

Wochensicht

Eine Mischung aus zunehmend besseren Konjunkturdaten - allen voran aus den USA und China - sowie Fortschritten in Sachen Impfungen und damit steigenden Erwartungen auf eine kräftige Erholung der Weltkonjunktur haben zahlreiche Aktienbarometer vom DAX bis zu den meisten an der Wall Street auf neue Höchststände katapultiert. Von den Notenbanken reichlich zur Verfügung gestellter Liquidität und sehr expansiver Fiskalpolitik der Regierungen ebnen mit fortschreitenden Impfungen der Wirtschaft und damit den Börsen den Weg, was auch am Anstieg des Ölpreises abzulesen ist. Der oberste US-Notenbanker Jerome Powell spricht von einem "Wendepunkt" für seine Wirtschaft, was angesichts der jüngsten Daten nicht übertrieben scheint. So wie die EZB bei ihrer Sitzung diese Woche dürfte auch die Fed nächste Woche den Fuß am Gaspedal lassen. Zugleich beschließen Regierungen - wie vergangene Woche Italien unter der Leitung des früheren EZB-Chefs Mario Draghi - weitere schuldenfinanzierte und damit defiziterhöhende Fiskalpakete. Diese machen klar, wie wichtig es ist, dass die Notenbanken an Ihrer Null- bzw. Niedrigzinspolitik festhalten. Und während sich in den USA und Großbritannien das Leben Schritt für Schritt wieder etwas normalisiert, bleibt die EU und damit Deutschland trotz des in der vergangenen Woche gestiegenen Impf-Tempos weitgehend im Lockdown-Modus. Hierzulande rückt nun die Einführung der landesweiten "Bundesnotbremse" näher. Das politische Thema der Stunde ist ein anderes: die K-Frage. Nachdem die Grünen eben Annalena Baerbock zu ihrer Kandidatin kürten, bleibt das Rennen in der Union offen - die Entscheidung zwischen Armin Laschet oder Markus Söder scheint aber kurz bevorzustehen. Ein weiteres wichtiges politisches Projekt - der Berliner Mietendeckel - wurde indes vergangene Woche vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Das Gericht hat jedoch einen für die Finanzmärkte wesentlich brisanteren Fall auf dem Tisch: Die Klage gegen die Finanzierung des geplanten EU-Aufbaufonds. 17 von 27 EU-Ländern haben den Fonds bereits ratifiziert, Deutschland angesichts der ausstehenden Entscheidung aus Karlsruhe noch nicht. 

Im Zentrum der vergangenen Datenwoche stand ganz klar Amerika: Die US-Verbraucher gaben im März im Einzelhandel sagenhafte zehn Prozent mehr als im Vormonat aus - ein erstes Ausrufezeichen für das Comeback der Konsumenten, hinter dem nicht zuletzt der seit Mitte März laufende Versand der 1.400 US-$-Schecks im Rahmen von Joe Bidens erstem Fiskalpaket steckt. Kein Wunder, dass damit auch die Kerninflation (ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise) in diesem Monat von 1,3 auf 1,6 Prozent ansprang. Für viel mehr Aufmerksamkeit sorgte aber der vor allem basiseffekt- und ölpreisbedingte Anstieg der US-Gesamtteuerungsrate von 1,7 auf 2,6 Prozent. Die Fed hatte aber wie andere Notenbanken bereits im Vorfeld auf solche temporären Anstiege hingewiesen. Wir schließen uns der Auffassung, dass es sich dabei tatsächlich um temporär höhere Inflationsraten handelt, an. Während die amerikanische Industrieproduktion im März noch etwas weniger als am Markt erwartet zulegen konnte, deuten einige klar optimistischere Stimmungsbarometer wie der "Philly-Fed Index" auf eine zunehmende Dynamik hin. Dagegen schrumpfte die Produktion der Industrie im Euroraum im Februar, und die ZEW-Erwartungen der Finanzexperten ließen angesichts wohl anhaltender Lockdowns nach. Ganz anders in Asien: Während Japan im März um +16 Prozent und China sogar um 31 Prozent mehr als im vom Corona-Ausbruch geprägten Vorjahresmonat exportierten, erholte sich Chinas Industrie um 24,5 Prozent. Noch mehr ließ der Anstieg der Einzelhandelsumsätze um gut ein Drittel gegenüber dem in China allerdings lockdowngeprägten Vorjahresmonat aufhorchen. Unterm Strich wuchs Chinas Bruttoinlandsprodukt damit im ersten Quartal um 18,3 Prozent gegenüber Vorjahr.  

Der US-Aufschwung läuft also an und wird unserer Meinung nach immer noch oft unterschätzt – schon daher dürfte die Wall Street trotz ihrer jüngsten Rekorde noch weitere Luft nach oben haben. Im Fokus steht diese Woche das EZB-Treffen am Donnerstag, bei dem zwar keine wichtigen Entscheidungen zu erwarten sind. Allerdings dürfte die EZB zu den Inflationstrends und zum beschleunigten Tempo seiner Anleihekäufe Stellung nehmen. Am Donnerstag wird zudem das Verbrauchervertrauen im Euroraum veröffentlicht. Ein weiterer Fokus wird auf den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für April am Freitag liegen. Besonders spannend werden dabei die Ergebnisse für die Eurozone, nachdem hier die März-Umfrage wegen im Monatsverlauf wieder beschleunigter Infektionstrends und zunehmender statt wie zuvor erwartet abnehmender Lockdown-Maßnahmen die Stimmung wohl verzerrt wiedergegeben hatte. In Deutschland kommen zudem morgen die Produzentenpreise für März. Und während in Großbritannien eine ganze Batterie von Schlüssel-Makrodaten inklusive Verbraucher-, Inflations- und Arbeitsmarktzahlen auf der Agenda stehen, kommen in den USA nur eine Handvoll wichtige Daten – neben den Einkaufsmanagerindizes sind dies vor allem Häuserverkäufe und der Frühindikatoren-Sammelindex für März. Und schließlich nimmt die vergangene Woche mit einigen Großbanken schon einmal gut angelaufene US-Quartalszahlensaison Fahrt auf. Auch die DAX-Berichtssaison wird nach ihrem guten Start mit SAP ab Mitte der Woche mit der Deutschen Börse und Daimler langsam in Schwung kommen.

Relative Taktische Asset Allocation

Unsere Anlagestrategie bleibt auf Diversifikation ausgerichtet, wobei der konstruktiven Aktiensicht weiter diversifizierende Anlageformen wie insbesondere US-Staatsanleihen und Gold gegenüber stehen. Aktienseitig favorisieren wir regional unverändert die USA gegenüber Europa, Japan und den Schwellenländern. Unsere strukturellen Branchenfavoriten lauten nach wie vor Technologie und Gesundheit. Zudem halten wir britische Small Caps für attraktiv.

Auf der Rentenseite bleiben wir indes vorsichtig. Wir setzen unverändert besonders auf US-Staatspapiere, gerade auch in ihrer inflationsgeschützten Variante, sowie Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Zusätzlich sehen wir asiatische währungsgesicherte Hochzinsanleihen als eine attraktive Anlageklasse an. Alternative Investments wie Gold und Immobilienfonds bleiben zur Diversifizierung von Portfolios wichtig. 

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*Die dem vorliegenden „Blick über die Märkte“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten  Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteilzum Zeitpunktder Veröffentlichung des „Blicks über die Märkte“dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Blick über die Märkte“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder  eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar.  Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2020: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch