Blick über die Märkte vom 19. Juli 2021

Blick über die Märkte vom 19. Juli 2021

Erneute Konjuktursorgen duch Corona

Wochensicht

Die Zeichen stehen an den Finanzmärkten wieder vermehr auf Vorsicht: Die Aktienmärkte atmen nach weiteren Höchstständen erst Mal durch, und die Rendite der als sicherer Hafen geltenden zehnjährigen US-Staatsanleihen ist erstmals seit Februar wieder unter 1.3% gesunken. Dahinter stecken unter anderem Konjunktursorgen angesichts der sich in immer mehr Regionen wieder stärker ausbreitenden Corona-Infektionen und letztendlich auch dem mancherorts nur schwer zu verstehenden Umgangs damit: So beseitigt Großbritannien ab heute auch seine letzten Restriktionen - bei einer Inzidenz von fast 400. Ein Grund dafür liegt darin, dass die Intensivbetten in den Krankenhäusern bisher überschaubar belegt ist, was nicht zuletzt an der hohen Impfquote liegt: In Großbritannien haben bereits 68% der Einwohner mindestens eine Dosis verabreicht bekommen. Auch hierzulande und andernorts steigen die Impfquoten - allerdings auch wieder die Neuansteckungen, in Europa besonders stark in den Niederlanden, Spanien und Portugal. Auch in den USA, wo in der vergangenen Woche wieder ein Drittel mehr infizierte Patienten in Krankenhäuser kamen, steigen die Fälle wieder - wie in Asien, wo es bereits einige Lockdowns gibt und am Freitag in Tokio die Olympischen Spiele starten sollen. In Deutschland und einigen unserer Nachbarstaaten dominieren aber aktuell die Flutkatastrophe und ihre Folgen die Nachrichtenlage, für die laut Finanzminister Scholz mindestens 300 Millionen Euro an Soforthilfen erforderlich sind. Nur wenige Tage zuvor hatte die EU-Kommission ihr Energie- und Klimaschutzpaket "Fit for 55" vorgestellt, um die Klimaziele zu erreichen. Die Katastrophe unterstreicht die dringende Notwendigkeit zum Handeln, was das Thema auch für den Wahlkampf bis zur Bundestagswahl am 26. September endgültig ins Zentrum rückt. Dabei plant die US-Regierung nicht zuletzt angesichts immer mehr Wetterkapriolen gewaltige Klimaschutzinvestitionen - und die Bank of Japan kündigte bei ihrer Sitzung an, langfristige Kredite in Klimaschutzmaßnahmen künftig zinsfrei zur Verfügung zu stellen - möglicherweise ein Modell, dem sich die EZB (siehe unten) anschließt. Indes konnte der schwelende Streit innerhalb der OPEC+ beigelegt werden, womit die tägliche Fördermenge ab August um 400.000 Barrel (und damit ein Fünftel weniger als vor dem Meeting vor zwei Wochen erwartet) ausgeweitet wird. Der Ölpreis gab daraufhin leicht nach - angesichts der hohen Nachfrage rechnen wir aber im weiteren Jahresverlauf nach wie vor mit einem Anstieg in Richtung 80 US-Dollar je Barrel Brent. 

Zu einem weiteren Sorgenthema der Märkte, den anziehenden Inflationstrends, gab es vergangene Woche eine weitere Hiobsbotschaft: Die US-Rate stieg entgegen den Erwartungen im Juni noch weiter von 5,0% auf 5,4% - der höchste Stand seit 13 Jahren. Und Amerikas Kerninflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise schnellte mit 4,5% sogar auf ein 30-Jahreshoch. Ähnlich wie im Mai stecken dahinter aber überwiegend vor allem wohl vorübergehende Preissprünge wie bei Gebrauchtwagen und für Reisen. So blieb auch Fed-Präsident Jerome Powell bei seiner Aussage, dass sich dieser Inflationsanstieg wieder abflachen werde - ins selbe Horn stieß seine Vorgängerin und jetzige US-Finanzministerin Janet Yellen. Die deutsche Juni-Inflationsrate wurde hingegen mit vergleichsweise niedrigen 2,3% (Eurozone 1,9%) bestätigt. Jedoch dürfte auch sie ab Juli unter anderem wegen Basiseffekten sowie anhaltenden Engpässen und hoher Nachholnachfrage erst einmal einige Monate spürbar ansteigen. Die US-Inflation wird aktuell auch durch die stark gestiegene Konsumentennachfrage getrieben, was die noch stärker als erwartet gekletterten Einzelhandelsumsätze im Juni unterstreichen. Jedoch trübte sich das von der Michigan-Universität erhobene Verbrauchervertrauen für Juli überraschend wieder ein, auch wenn das Gesamtbild optimistisch bleibt. Chinas Wirtschaftsleistung stieg im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich um 7,9%, was die Prognosen fast erreichte. Auch die Juni-Zahlen für Industrie und Einzelhandel fielen solide aus und zerstreuten manche Bedenken hinsichtlich dem Konjunkturtrend im Reich der Mitte. Und schließlich reduzierte die Weltbank ihre Wachstumsprognose für Ostasien/Pazifik (ohne China) wegen der dort schleppenden Impfstoffversorgung und damit anhaltenden Covid-19-Probleme von 4,4% auf 4,0% - einschließlich China wird für 2021 allerdings mit 7,7% Zuwachs gerechnet.

Nach der kürzlichen Bekanntgabe der Ergebnisse der Strategieüberprüfung der EZB richten sich diese Woche alle Blicke auf ihre Sitzung am Donnerstag. Sie wird erklären müssen, was das neue, symmetrische 2%-Inflationsziel bei zusätzlicher Berücksichtigung der Preistrends von Eigenheimen für ihr Handeln aktuell bedeutet. Aus unserer Sicht hat sie sich damit für die in den nächsten Monaten wohl deutlich über 2% liegende Inflation frühzeitig mehr Argumentationsspielraum zur Verteidigung ihrer extrem expansiven Politik geschaffen. Die EZB dürfte zudem konkreter werden, was ihre Einbeziehung von Überlegungen zum Klimawandel in ihre Geldpolitik ab sofort bedeutet (siehe Bank of Japan oben). An der Konjunkturfront dürften diese Woche die Einkaufsmanagerindizes für Juli am Freitag am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In Deutschland stehen zudem morgen die Produzentenpreise für Juni und in der Eurozone das Verbrauchervertrauen für Juli auf der Agenda, das am Freitag noch für Großbritannien folgt. Am selben Tag werden dort noch die Einzelhandelsumsätze für den Juni publiziert. In den USA stehen jenseits der Einkaufsmanagerindizes vor allem Daten zum Häusermarkt auf der Agenda: Nach dem „NAHB“-Hauspreisindex heute Nachmittag kommen morgen die jüngsten Zahlen zu Baubeginnen und -genehmigungen, bevor am Donnerstag noch die Daten für Bestandsobjekte folgen. Ebenfalls am Donnerstag kommt der Sammelindikator für Frühindikatoren des Monats Juni. Und während in China keine Schlüsseldaten anstehen, wird Japan wenige Tage vor dem Beginn der Olympischen Spiele die Inflationsdaten sowie die Handelsbilanz für Juni vorlegen.


Relative Taktische Asset Allocation

Unsere Anlagestrategie bleibt weiterhin auf Diversifikation ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht unsere anhaltende Übergewichtung von Aktien, weiterhin mit einer Präferenz für die USA gegenüber Europa, Japan und den Schwellenländern. Unsere strukturellen Branchenfavoriten lauten nach wie vor Technologie und Gesundheit. Zudem halten wir britische Small Caps für attraktiv. 

Auf der Rentenseite setzen wir besonders auf US-Staatspapiere, die zusammen mit unserer Goldpositionierung zur Diversifizierung von Portfolien beitragen. Darüber hinaus favorisieren wir bei den Zinspapieren unverändert Schwellenländeranleihen in Hartwährung sowie asiatische währungsgesicherte Hochzinsanleihen. Neben Gold bleiben Immobilienfonds ein Bestandteil unserer Diversifizierungsstrategie. 


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*Die dem vorliegenden „Blick über die Märkte“ zugrundeliegenden Informationen stammen aus Medienberichten, öffentlich zugänglichen Unternehmensberichten und den gesondert angegebenen Quellen. Die Quellen wurden von Merck Finck auf der Basis ihrer professionellen Einschätzung als verlässlich gewertet. Merck Finck kann jedoch keine Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen. Die dargestellten  Annahmen, möglichen Entwicklungen und Meinungen stellen Merck Fincks professionelles Urteilzum Zeitpunktder Veröffentlichung des „Blicks über die Märkte“dar und unterliegen der Möglichkeit der jederzeitigen Änderung, ohne dass dies zu einer entsprechenden Veröffentlichung führen muss Der „Blick über die Märkte“ stellt in keinster Weise ein Angebot, eine Aufforderung oder  eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstrumentes oder der Beauftragung einer Finanzdienstleistung dar.  Merck Finck weist daraufhin, dass Finanzanlagen das Risiko des vollständigen Kapitalverlustes innewohnen kann. Der Anleger sollte ausschließlich in Finanzanlagen investieren, deren Risiken er auf Basis seiner Erfahrungen und Kenntnisse verstehen kann und diese zu tragenerfinanziell bereit und in der Lage ist. Vor einer Investition in einzelne Finanzinstrumente bzw. der Beauftragung von Finanzdienstleistungen sollte unbedingt professioneller Rat eingeholt werden. Copyright © 2020: MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch